SY Outer Rim – A Family's Sailing Adventure

Sailing across the world's oceans with four kids

Yasawas – Schlafende Fische und riesige Mantas

(22.08.2017 – Tag 1.157)

Schon bevor wir Nevadra verlassen spricht Thomas mit Natalya über den für nächste Woche vorhergesagten Nordwind. Nach zwei Tagen in Waya manifestiert sich der Wind zu einem ordentlichen Starkwind. Der Wetterbericht verspricht für den heutigen Nachmittag noch weiterhin 20 Knoten aus Nord, so dass wir nicht in die nach Norden offene Bucht auf der gegenüber liegenden Seite der Insel wechseln können. In der Nacht soll der Wind dann allerdings auf Ost und dann am Morgen nach Süd drehen, wobei die Windstärke auf 40 Knoten, in Böen bis 50 Knoten zulegt. Unsere Bucht ist nach Süden voll offen, im Lee haben wir Korallen im Überfluss. Die Gewässer rund um Waya sind voll mit knapp unter der Wasseroberfläche liegenden Riffen, von denen die Seekarte nichts weiß. Verlegen im Dunkeln kommt daher nicht in Frage. So gehen wir zu Bett und beten, dass der Wind nicht schon vor Sonnenaufgang dreht.

Natalya kann nicht schlafen, schaut abwechselnd das Wetter draußen und die Entwicklung der Vorhersage im Internet an. Während Blitze am Horizont den Himmel zerreißen, bleibt es bei uns verhältnismäßig ruhig. In der zweiten Nachthälfte beginnt der Wind langsam zu drehen. Unsere Freunde, die zwei Dutzend Meilen südlicher in Musket Cove liegen, berichten über Facebook von Winden bis 55 Knoten. Für einige Anker wird es zu viel. Der Wind zehrt Boote durch die Nacht, Crews schreien durch die Dunkelheit im Kampf gegen die Elemente. Einige müssen die ganze Nacht hindurch den Motor laufen lassen, um sich dann am Morgen einen sicheren, neuen Ankerplatz zu suchen. Zum Glück kommt keiner zu Schaden.

Als der Morgen langsam graut atmen wir auf. Der Wind ist noch nicht bei uns angekommen, aber wer weiß, wie lange die Ruhe vor dem Sturm noch anhält. Wir lichten zügig den Anker und verschwinden aus der Falle. Thomas wäre es lieber noch auf den Südwind zu warten, um zum nächsten Ankerplatz, der weiter nördlich liegt, segeln zu können. Doch Natalya will davon nichts hören. Wir müssen an so vielen Riffen vorbei, dass die Perspektive, diese Passage unter Sturmbedingungen zu besegeln, für die Crew (nicht für den Skipper) eher als bedenklich erscheint. Also muss der Diesel ran. Auch der Schwell aus Nord hat sich noch nicht gelegt.

Wir entscheiden uns für einen Ankerplatz in der Nähe des Manta Ray Resorts. Outer Rim liegt hier im Lee einer kleinen Insel sicher vor Anker, jetzt kann der Wind kommen. Schon während der Fahrt drohten die dunklen Wolken im Süden, und es dauert nicht lange, bis der Regen anfängt. Der Himmel bleibt grau. Der Wind fällt nicht so schlimm aus wie befürchtet. Es kommt zwar die eine oder andere heftige Böe durch, doch die durchschnittliche Windstärke übersteigt nicht 30-35 Knoten.

Im Laufe des Tages gesellen sich weitere Boote zu uns. Schön, dass wir früh dran waren und uns den besten Platz aussuchen konnten. Je näher man am Pass ankert, desto mehr liegt man in der Strömung. Zum Teil sind die Seen unangenehm.

Noch den ganzen nächsten Tag über bleibt das Wetter windig und regnerisch. Am Nachmittag beruhigt sich die Lage wenigstens so weit, dass wir mit dem Dinghy zum Pass fahren können, um nach großen Mantas zu suchen. Das Resort und der Pass tragen nicht ohne Grund den Namen Manta Ray – hier sollen regelmäßig große Rochen zu sehen sein. Nach unserer Erfahrung in Franzosisch Polynesien haben wir gehofft, dass wir die Mantas leicht finden und sie ungestört beobachten können. Doch die Strömung im Pass ist stark, der Wind noch kräftig und kühl. Wir drehen immer größer werdende Kreise, doch die Mantas lassen sich nicht blicken. So eine Enttäuschung! Verfroren und verärgert kehren wir zur Outer Rim zurück und verkriechen uns im Warmen. In den nächsten Tagen wiederholen wir die Versuche; jedes Mal mit dem gleichen Ergebnis. Die Tiere sind nicht da…

Wenn wir keine Tiere zum Schnorcheln finden, dann gehen wir eben tauchen. Thomas findet ein günstiges Angebot für einen Zertifizierungskurs zum „advanced open water diver“ mit fünf Tauchgängen beim nahe gelegenen Manta Ray Resort. Die Preise sind niedrig, die Ausrüstung ok. Wir fahren mit einem soliden Metallboot eine kurze Strecke nach draußen und dürfen schnell und ohne Umstände ins Wasser springen. Wir driften an den vollkommen intakten farbenfrohen steil in die Tiefe abfallenden Wänden vorbei. Wie überall in Fiji wachsen auch hier viele Weichkorallen. Sie sind besonders intensiv gefärbt: leuchtend gelb, intensiv rot, tiefblau und lila. Dieses Mal dürfen wir offiziell bis auf 30 m Tiefe.

Als Teil der Ausbildung kriechen wir durch enge Unterwassertunnel, müssen dabei aufpassen, dass die Schläuche nicht an den scharfen Kanten hängen bleiben. Ohne Erfahrung ist es nicht so einfach einzuschätzen, ob man eher oben mit dem Kopf gegen die Steine stößt oder unten mit den Flossen am Boden schleift. Die Augen müssen sich zuerst daran gewöhnen, dass die Gegenstände unter Wasser größer erscheinen, als sie wirklich sind. Manche Riffe wachsen in Form eines kompakten spitz zulaufenden und einige Meter unter Wasser endenden Berges. Diese Pinnakels ragen aus dem tiefblauen Nichts empor und und ziehen Unmengen von Rifffischen an. Wir bewegen uns spiralförmig um so einen Berg herum abwärts bis wir am Boden ankommen. Auf dem Weg geraten wir nah an einen großen Schwarm Barrakudas. Einige Schildkröten ziehen an uns vorbei. Sie sind scheu und verschwinden lieber schnell in der blauen Tiefe. Weil wir uns die meiste Zeit doch relativ tief befinden, ist der Tank viel zu schnell leer und der Tauchgang zu Ende. In dieser versteckten Welt gibt es so viel Schönes zu entdecken!

Der Nachttauchgang, der auch zur Ausbildung gehört, wird zum Crescendo unserer Taucherlebnisse. Natalya ist es anfangs nicht ganz geheuer. Ist es nicht so, dass die Haie im Dunkeln so richtig Hunger bekommen? Der freundliche Tauchlehrer beruhigt uns, Fijihaie seien ja wie alle Fijianer ganz locker und freundlich. Wir bewaffnen uns mit einer Taschenlampe und steigen ins Boot. Das ist schon mal beruhigend, dass wir nicht weit durch die Dunkelheit fahren müssen, sondern sozusagen direkt von dem Hotel, in einem nur einige Meter tiefem Wasser, tauchen werden. Es bedarf schon einige Überwindung, in die tiefe Schwärze hinein zu springen – vor allem wenn man gar nicht sieht, ob nicht doch unter einem schon wartend ein Hai lauert.

Nachdem wir die Taschenlampen angeschaltet und uns orientiert haben, vergisst selbst Natalya möglicherweise irgendwo lauernde Haie. Die Erfahrung, an schlummernden, bewegungslosen Fischen vorbei zu gleiten ist absolut einzigartig. Egal wie nah man an die Papagaienfische kommt, sie bewegen sich nicht. Wir gucken in die Steinhöhlen zu den Riesengarnellen hinein. Unser Guide führt uns zu seiner alten bekannten: einer riesenhaften braunen Muräne. Er ist mit dem Raubtier scheinbar per Du und schnippt mit den Fingern direkt vor ihren Zähnen und lockt sie so aus ihrer Höhle. Ein kleiner runder Bullenrochen wühlt im Sand herum. Unsere Anwesenheit stört ihn keinesfalls. Er prüft weiterhin den Sand nach etwas Essbarem, bis er endlich halb vergraben zur Ruhe kommt. Unser Tauchlehrer versucht einen weiteren Bekannten – einen Oktopus – mit einem Finger aus seiner Höhle herauszukitzeln. Doch das Tier scheint keine Lust auf Touristen zu haben und spielt weiter Verstecken.

In einer knappen Stunde, an einer flachen Stelle direkt vor einem gut besuchten Hotel, sehen wir eine erstaunliche, absolut faszinierende Welt, die man hier nicht unbedingt vermuten würde. Am Ende erscheint doch der Hai: ein Weißspitzenriffhai jagt durch die Nacht. Als Thomas seine Taschenlampe auf ihn richtet, bekommt er Angst und nimmt schnell Reißaus.

Am nächsten Tag am Ende der Ausbildung schauen unsere Tauchlehrer kurz zum Pass von Naviti, um uns Mantas zu zeigen. Das Boot fährt zügig in den Pass hinein, fährt fast bis zum Ende durch. Der Guide schaut sich schnell um. Es dauert keine halbe Minute, bis er den ersten Rochen finden. Das Boot wird so manövriert, dass wir direkt neben dem Tier ins Wasser springen können. Der riesengroße Manta fliegt wie ein Vogel durchs Wasser gegen die Strömung, bleibt an der Stelle schwebend stehen und filtert sich die vorbei strömende Nahrung aus dem Wasser. Beim Versuch mitzuhalten müssen wir wie wild mit den Flossen schlagen. Länger als ein paar Minuten ist der Sprint nicht durchzuhalten. Der Rücken des Tieres ist ungewöhnlich hell, ein breiter weißer Streifen verläuft von Kopf zum Schwanz, auch die Flügel weisen helle kreisförmige Stellen auf. Sind das Alterserscheinungen? Bekommen sie auch graue Haare? Unsere Versuche, mehr über die Tiere durch unser begrenztes Internet zu erfahren, bringen nicht viel. Selbst hier lokal lebende Fijianer scheinen über ihre Lebensweise nicht viel zu wissen: manchmal verschwinden sie für Wochen, was für großen Frust unter den Touristen führt. Dann kommen sie wieder zurück. Keiner scheint den Rhythmus und die Gründe genau zu kennen.

Auch in Abwesenheit von Rochen ist der Pass von Naviti sehr sehenswert. Schnelle Strömung sorgt für prächtiges Gedeihen von harten und weichen Korallen. Nährstoffreiches Wasser zieht Horden von tropischen Fischen an, die mit Fressen zu beschäftigt sind, um sich um die neugierigen Schnorchler zu kümmern. Während Thomas oben auf das Dinghy aufpasst, lässt Natalya sich mehrmals durchs Wasser tragen. Als sie zu nah an einen bestimmt einen Meter langen Trompetenfisch kommt, legt dieser sich auf den Boden, windet sich wie eine Schlange zu einem geschwungenen S und wechselt die Farbe, so dass auf dem grauen Körper deutliche blaue Ringe erscheinen. Zu unserer Überraschung gibt es in dem Pass keine Haie. So oft wir den Pass besuchen, bekommen wir keinen einzigen zum Gesicht. Ein gesundes Zeichen ist das nicht.

Man hat das Gefühl, auf jeder auch so kleiner Inselchen in Yasawas und Mamanukas stehe mindestens ein Resort. Einige sind hoch exklusiv und dulden nicht mal einen Ankerlieger in Sichtweite. Andere dagegen sind sehr freundlich und laden die Segler sogar ein. Unsere Kinder sind begeistert von der Idee heute Abend im Manta Ray Resort essen zu gehen. Wir hätten zwar ein romantisches Essen auf der Terrasse bei Sonnenuntergang lieber, aber für die Kinder ist das Buffet nach dem Modell „all you can eat“ genau das Richtige. Selbst unser Großer zahlt nur die Hälfte, Arvid isst umsonst. Wenn sie wissen würden, was die Brüder an Dessert essen können… wären sie trotzdem herzlich eingeladen. In Fidschi fällt es sicher keinem Hotelangestellten ein, einem Kind etwas auch nur annähend Negatives zu sagen oder ein Stück Essen zu verübeln. Sollen sie sich dabei nur so laut und ungezogen wie möglich verhalten, haben die Fidschianer immer ein nettes herzliches Lächeln für sie übrig.

Nach dem Essen gibt es eine kleine Tanzvorstellung. Während die Frauen in bunten Gewändern sanft die Bewegungen des traditionelles Alltags wie Putzen, Kochen oder Weben vorführen, kommen halbnackte Männer mit Kannibalengabeln und machen es deutlich, dass Kapitän Bligh nicht umsonst an den Inseln keinen langen Halt machen wollte. Arvid ist das Tanzen der Männern nicht ganz geheuer, lieber versteckt er sich dicht beim Mama: „Man kann ja nicht wissen, ob denen Kinder auch schmecken?“

Als eine der Resortmitarbeiterinnen uns im Dunkeln gehen sieht, erkundigt sie sich, ob wir eine Taschenlampe für die Rückfahrt bräuchten. Die am Stand stehenden Männer passen auf, dass wir sicher ablegen. Dabei machen sie das weder aus Unterwürfigkeit vor dem weißen Mann, wie wir das so oft in Afrika erlebt haben, noch in der Hoffnung auf einen kleinen Geldschein. Obwohl sie in kleinen Dörfern oft ohne Strom und fließend Wasser hinter der Grenze der Armut leben, wäre Trinkgeld für die kleinen Hilfegesten für sie eine Beleidigung. Auch in den Touristenzentren lächeln sie herzhaft und ehrlich und schaffen es einem das Gefühl zu vermitteln, in ihrem Land richtig willkommen zu sein.

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