SY Outer Rim – A Family's Sailing Adventure

Sailing across the world's oceans with four kids

Erster Eindruck von Australien: Das Paradies!

(25.11.2017 – Tag 1.252)

Bis jetzt waren unsere Australien-Kenntnisse nur durch das von schwarzem Humor geprägten Buch „Frühstück mit Kängurus“ von Bill Bryson und dem allgemeinen Mythos über den gefährlichen und trockenen Kontinent geprägt. Sowohl an Land als auch im Wasser wimmelt es hier von den gefährlichsten Tieren: Todesotter, Rotrückenspinne, Salzwasserkrokodile und die Würfelquallen. Wer will schon freiwillig sich in so einem Land niederlassen. Kein Wunder, dass die Britten ihre Sträflinge hierher verschifften.

Der Mythos bröckelt noch bevor wir das erste Mal an Land gehen. Es ist ein wunderschöner, angenehm warmer Frühlingsmorgen. Die Wälder und Gärten rings um die Marina im Ortsteil Clontarf sind leuchtend grün. Es ist nicht mehr tropisch heiß, eine angenehme Brise sorgt für Abkühlung. Direkt vor uns liegt ein flacher, goldner Sandstrand. Hunde und Kinder toben sich im Wasser aus und scheinen keine Angst vor Haien und Würfelquallen zu haben. Hundert Meter weiter liegt ein großer, von alten Bäumen beschatteter Spielplatz für die Kinder – auch mit Strandanschluss. Hier gibt es zwar eine mit Hainetzen abgezäunte Ecke, doch keiner scheint sich darum zu kümmern, genau in diesem Abschnitt baden zu gehen.

Der Weg zum Supermarkt führt durch ein Viertel, dessen offensichtlicher Wohlstand alles von uns bis jetzt Gesehene in den Schatten stellt. Moderne Häuser mit schlichter aber stilvoller Architektur verstecken sich in weitläufigen, schattigen Gärten oder stehen direkt am Stand, so dass die Gärten fast von der Tide überflutet werden. Manche Wände bestehen fast komplett aus Glas, das sich leicht öffnen lässt, um die Meeresbrise und die Sonne ins Wohnzimmer hineinzulassen. Schon der erste Blick auf die Häuser lässt erkennen, dass hier weder dicke Wände gegen die Kälte noch eine Klimaanlage gegen unerträgliche Hitze noch ausgeklügelter Schutz vor Diebstahl von Nöten sind. Welch ein Kontrast zu den einfachen Hütten der tropischen Inseln, die unseren Weg bis hierher prägten.

Das Einkaufszentrum und der Supermarkt sind der nächster Teil des Kulurschocks. Ein Jahr in der Isolation des Pazifiks haben uns gelehrt, sparsam mit den eventuell erworbenen Delikatessen umzugehen und genauer auf die Preise zu schauen. Jetzt gibt es plötzlich wieder alles: sowohl traditionelle Lebensmittel wie große Schockoladentafeln, riesige Eimer von Joghurt, der wirklich nach Joghurt und nicht nach einer anderswo üblichen Gelatine-Zucker Mischung schmeckt, als auch Hummus, frisch zubereitetes Sushi, griechische Antipasti und vieles mehr. Alles zu akzeptablem Preis – was für ein krasser Gegensatz zu Nuomea, das wir erst vor ein paar Tagen verlassen haben! In den ersten Tagen schleppen wir tütenweise so lange vermisste Leckereien an Bord und fühlen uns wie im Schlaraffenland.

Unsere Kinder brauchen neue Klamotten. In einem Sportladen ist gerade Schlussverkauf. Für insgesamt 10 Euro kauft Franka ein schnell trocknendes T-Shirt aus Bambusfasern und eine Funktionshose. Später erfahren wir, dass ein durchschnittlicher Australier pro Jahr 26 kg Wäsche kauft…. Kein Wunder, dass viele bei diesen Preisen nicht mehr an die Umwelt denken. Unseren Jungs ist Einkaufen zu langweilig. Sie bleiben bei den Spielautomaten des Einkaufszentrums kleben. Hier muss man nicht mal eine Münze einwerfen, sondern darf Air-Hockey und zwei zwar ältere aber für die Jungs trotzdem spannende Computerspiele kostenlos und unendlich lang genießen.

Obwohl der November noch nicht mal zu Ende ist, scheinen sich schon alle in Weihnachtsvorbereitungen zu befinden. Geschäfte werden geschmückt. Tannenbäume sind eher knapp, aber der Rest der Dekoration sieht aus wie zuhause. Bei Aldi finden wir in Deutschland hergestellte Zimtsterne und Lebkuchen. Nach der ersten Packung verfliegt aber die Begeisterung, wir kaufen lieber ein Kilogramm Mandelmehl und backen Zimtsterne selber.

Die frühe Weihnachtsstimmung hat auch spürbare Nachteile für uns. Die Handwerker, die wir dringend für die Instandsetzung der Outer Rim brauchen, sind schon im Urlaubsmodus. Außerdem verlangen sie pro Stunde sogar mehr als ein deutscher Handwerker. Wir lernen auch kennen, dass Dienstleistungen im Allgemein in Australien ziemlich teuer sind. Möchte man ins Museum gehen, wird man schnell 20 australische Dollar (15 Euro) pro Person los. Eine Busfahrt in die Stadt kostet für unsere Familie noch mehr – einfach. Die Mieten in Sydney sind exorbitant hoch. Wir haben große Schwierigkeiten, eine bezahlbare Wohnung für mehrere Wochen zu finden. Wir würden zwar gerne in der Nähe der Marina bleiben, doch dies erweist als unmöglich. Nach einer ewig langen Suche findet Thomas eine passende Wohnung, die etwa drei viertel Stunden mit dem Auto von der Marina entfernt ist. So nett die großen Metropolen auch sein können, für die nächsten Wochen gehören mindestens 1,5 Stunden Autofahrt pro Tag zum Alltag. Gut, dass wenigstens die Mietwagen mit 20 Euro am Tag recht günstig sind.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 25. November 2017 von in Uncategorized.

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