SY Outer Rim – A Family's Sailing Adventure

Sailing across the world's oceans with four kids

Auf dem Weg zum Kindertreffen – Zwischenstopp auf Makogai Island

(09.08.2017 – Tag 1.144 – 22.955 sm)

Die Routenplanung in Fidschi fällt uns nicht leicht. Eigentlich würden wir gerne die kulturell ursprünglichen und landschaftlich einmaligen Lau-Inseln besuchen. Doch der Weg dorthin ist steinig. Man segeln gegen den Wind durch konfuse Seen: spätestens nach einer Stunde ist man seekrank. Freunde von uns sind auf dem Weg dorthin umgekehrt, da ihnen ihr Schiff leid tat. Den Aufwand hätten wir trotzdem in Kauf genommen, hätten uns unsere Kinder nicht schon seit Wochen in den Ohren gelegen, dass wir unbedingt zu dem Kindertreffen genau in die entgegengesetzten Richtung, in den äußersten Westen von Fidschi, fahren müssen. Wir überlegen lange hin und her, trennen uns von dem Traum, die Lau-Gruppe zu sehen, und fällen die Entscheidung zu Gunsten der Kinder. Unser nächstes Ziel sind also die Yasawas Inseln, um dort die anderen Kinder-Boote zu treffen.

Auch diese Passage ist alles andere als einfach. Je weiter man nach Westen kommt, desto dichter liegen die Riffe beieinander. Wir haben zwei Alternativen: Entweder wir fahren entlang der Insel Vanua Levu in einem relativ engen Kanal und hangeln uns von Ankerplatz zu Ankerplatz oder wir fahren über die offenere Koro See und ins Bligh Water. Da die erste Variante keine Nachtfahrten zulässt und wir daher deutlich mehr Zeit benötigen, entscheiden wir uns für letzere Strecke mit einem Zwischenstopp im Makogai-Atoll.

Für das Ablegen müssen wir uns den Wecker stellen. Die erste Etappe ist lang, und wir müssen den neuen Ankerplatz unbedingt beim gutem Tageslicht erreichen, um sicher die kleine Lücke im Saumriff zu passieren. Sobald wir die Abdeckung von Vanua Levu verlassen, bekommen wir den Wind auf die Nase. Hart am Wind stampft die Outer Rim in die steile und ätzend kurze Welle hinein. Man bekommt das erste Gefühl für die Koro See und man überlegt, dass es doch gar nicht so falsch ist, sich nicht zu den Lau-Inseln zu kämpen. Die Crew klagt über die Schräglage und erkundigt sich beim Skipper nach Reff-Möglichkeiten. Die Kinder verkriechen sich unter Deck, kringeln sich zusammen und lauschen ihren Hörbüchern.

Trotz aller Mühe kommen wir nicht an dem wie ein dicker Bauch ins freies Gewässer hineinragende Namena-Riff vorbei und müssen für einige Zeit den Motor anschalten, um nicht noch mehr Zeit durch Kreuzen zu verlieren. Danach können wir wieder Segel setzten. Die Seen beruhigen sich und eine raue Fahrt verwandet sich in einen entspannten Segeltag. Bald sehen wir die grünen Hügel von Makogai vor uns, dahinter sehen wir schon die Hauptinsel von Fiji. Doch bevor wir die Bucht erreichen können, müssen wir eine lange Strecke entlang des Riffes fahren. Der Pass ist mit über 10 Metern an der flachsten Stelle relativ tief und breit, aber Karten soll man in Fidschi nicht trauen. Natalya steht am Bug und hält Ausschau nach versteckten Hindernissen. An einer Stelle sieht sie Gischt hoch in die Luft schießend. Steine und dann so flach dass gleich die Welle bricht? Nein, das ist ein Wal! Beinahe wurden sie hier ausgerottet, aber nach vielen Jahren kehren die Tiere langsam in die Gewässer wieder zurück.

Wir ankern vor den Ruinen der ehemaligen Leprakolonie. Jetzt befindet dort ein kleines Arbeiterlager. Das eigentliche Dorf liegt einige Meilen weiter südlich. Nach einer langen Fahrt haben wir keine Lust auf eine Kava-Zeremonie. Aber nur am Schiff zu sitzen ist auch blöd. Wir lassen das Dinghy runter und fahren nach Makodroga, der unbewohnten, vorgelagerten Insel. Leider ist der schöne Sandstrand heute keine gute Wahl. Der Wind peitscht uns den Sand um die Ohren. Die Brandung zehrt an den Leinen, die unser Schlauchboot festhalten. Fluchend fliehen wir zurück nach Makogai. Hier herrscht fast vollkommene Windstille.

Die Kinder veranstallten einen Wettbewerb: „Wer findet die schönste Muschel“. Obwohl sich alle ordentlich angestrengen und schöne Schalen sammeln, wird Franka zum eindeutigen Gewinner erklärt. Sie hat als einzige eine Muschelschale dabei. Der Rest der Ausstellung besteht aus Schnecken. Selbst Natalya hat eine große, schön glänzende Kauri-Schnecke aus der Brandung gefischt.

Während die Kinder weiter spielen, laufen Natalya und Thomas entlang der Küste. Hunderte von Krabben verstecken sich bei unseren Annäherung unter den schwarzen Steinen. Thomas flimt eine kleine Muräne, die sich zum Abendessen eine Krabbe schnappt. Es wäre sicherlich schön, hier zu schnorcheln, aber das Wetter macht nicht mit. Die See ist zu unruhig, die Brandung zu heftig. Das Inselinnere ist dschungelartig bewachsen. An einer Stelle entdecken wir wild wachsenden Papayas. Weil wir kein Buschmesser dabei haben, sind zwanzig Meter, die uns von den Früchten trennen, fast ein unüberwindbares Hindernis. Nach einem harten Kampf gelingt es Thomas dennoch, sich bis zu dem Baum durchzukämpfen und einige Papayas herunter zu schütteln. Auf dem Markt in Savusavu hätte man sicherlich günstig viel größere und reifere Früchte erstehen können, aber das macht nicht halb so viel Spaß.

Leider können wir bei dieser schönen Insel nicht lange bleiben. Um zum geplanten Kindertreffen rechtzeitig zu gelangen, müssen wir heute Nacht durchsegeln. Ganz geheuer ist uns dabei nicht, aber es gibt keine andere vernünftige Möglichkeit. Als wir unseren Anker lichten, spielt das Wetter mit uns ein Spielchen. Der Himmel verfinstert sich, und bald regnet es in Strömen. Da wir die Lage der Riffe im Pass schon kennen, ist es kein Problem. So eine Situation beim Reinfahren wäre schon sehr unangenehm.

Bald können wir von der Makogai Passage nach Nordwesten abrehen und Richtung Bligh Water segeln. Damit Thomas in der Nacht fit ist, halten unsere Großen am Abend jeweils eine Stunde Wache. Die Engstelle zwischen den zwei großen Inseln wirkt wie eine Düse. Frischer Wind bringt uns mit 8-9 Knoten schnell vorwärts. Und, oh Wunder! Die Engstelle im sonst relativ breiten Kanal ist nicht nur betont, sondern auch befeuert. Während Thomas sich ausruht, bekommen die Kinder die Anweisung darauf zu achten, dass wir den Kurs auf die enge Durchfahrt halten und zwischen dem roten und dem grünen Licht liegen. Wenn man weiß, durch was für Gewässer wir segeln, versteht man, wie groß die den Kindern übertragene Verantwortung wirklich ist.

Bligh Water ist frei von Riffen, wir segeln jenseits der 500 Meter Linie. Als wir an den ersten Riffen am Westende des Bligh Water ankommen, geht die Sonne gerade auf. Wir freuen uns sehr über die gute Sicht – es hätte ja auch wie gestern in Strömen regnen können. Als wir an einer der flachsten nicht kartographierten Stelle zwischen zwei Riffen vorbei schleichen, überholt uns ein etwa 50 Meter langes Motorboot, und das mit ordentlicher Geschwindigkeit. Wir würden uns auch gerne so sicher fühlen, aber wenn man hier zum ersten mal durchfährt muss man ganz genau schauen, was einem unter den Bug kommt. Tatsächlich passieren wir kurz darauf eine Stelle mit ca. 10 Meter Tiefe. Ansonsten hangeln wir uns an den vorher erarbeiteten Wegpunkten entlang und kommen so wunderbar durch die Riffe und Untiefen. Tatsächlich sehen wir die Gefahrenstellen nur aus der Ferne, da wir uns so weit freihalten können.

Unsere Kinder können es kaum abwarten, bis sie in die Bucht von Nevadra reinschauen können. Tatsächlich liegt Pesto schon da! Die Freude ist riesig, und es dauert keine 10 Minuten bis Paolo und Raquel bei uns vorbei kommen, um Franka und Vsevolod zum Spielen mitzunehmen. Nachdem ein wütender Arvid auf morgen vertröstet ist – es haben sich ja noch andere Boote mit jüngeren Kindern angemeldet – können wir uns erstmal nach einer sehr nervenaufreibenden Passage ausruhen.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 9. August 2017 von in Uncategorized.
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