SY Outer Rim – A Family's Sailing Adventure

Sailing across the world's oceans with four kids

Ausblicke vom Gipfel der kleinen Insel Nguna

(23.09.2017 – Tag 1.189)

Das Liegen vor Port Vila ist zwar mit dem bunten Gemüsemarkt, einem gut bestückten Supermarkt und dem für die Kinder recht attraktiven Spielplatz sehr bequem, aber es ist nicht das was wir in diesem Land suchen. Sobald die kleinen Reparaturen – so weit mit der reduzierten Ersatzteilverfügbarkeit möglich – erledigt sind, setzten wir Segel, um das ursprüngliche, von der Moderne noch sehr wenig beeinflusste Vanuatu zu entdecken.

Die Navigation durch die Inselgruppe gestaltet sich deutlich weniger anstrengend als in Fiji. Weil die meisten der Inseln durch aktive Vulkane des pazifischen Feuerrings aus unermesslichen Tiefen des Ozeans erhoben wurden, sind die Gewässer um sie herum mehr als ausreichend tief und (im nautischen Sinne) sauber. Korallen trifft man hier im Allgemeinen eher im Ufernähe als Saumriffe, Barriereriffe haben sich noch nicht ausgebildet. Außerdem ist das Gebiet gut kartographiert. So können wir wieder entspannter segeln, ohne dass jeder andersfarbige Fleck auf der Wasseroberfläche gleich zu erhöhtem Blutdruck führt. Außerdem bieten die großen Insel genug Schutz vor dem Schwell, so dass kaum Seegang zu merken ist. Ankern wird dagegen schwieriger. Die Ufer fallen steil ab, die Küsten sind wenig zerklüftet, was gute Ankerplätze relativ rar macht.

Bevor wir zur weiter nördlich gelegenen größeren Insel Epi segeln, wollen wir – nach einem Zwischenstopp an Efates Nordküste – die kleine Insel Nguna nicht weit von Efate anschauen. Sie gehört für die Kreuzfahrtschiffgäste nicht zum Programm und ist daher trotz relativer Nähe zu Port Vila kaum besucht. Die Suche nach einem passenden Ankerplatz gestaltet sich komplizierter als gedacht. Auch in 20-30 Meter Tiefe ist alles mit Korallen voll. Wir haben nicht wirklich Lust, unsere Kette von ihnen befreien zu müssen. Thomas steuert einen schon im Voraus über Satellitenbilder ausgesuchten Sandfleck zwischen den Korallen an. Zum Glück ist kein anderes Boot da, so dass wir uns um die Kettenlänge keine Gedanken machen müssen. Bei stärkerem Wind wäre uns dieser Ankerplatz wohl zu unsicher, aber für die nächsten Tage ist nur leichter Wind zu erwarten.

Unser Revierführer empfiehlt eine schöne Wanderung auf der Insel, wofür ein lokaler Guide notwendig ist. An das Konzept müssen wir uns erst gewöhnen. Man kann sich auf so einer kleinen Insel kaum verlaufen, aber die ungeschriebenen Gesetze verlangen es, dass man als Fremder nicht ohne Begleitung in der Gegend herumstiefeln darf. Immerhin gehört alles Land irgendwelchen Familien. Das Dorf Utanlangi macht einen guten Eindruck: ordentlich, sauber und ist für die lokalen Verhältnisse eher wohlhabend. Die Nähe zur Hauptstadt kann man deutlich spüren. Junge Männer am Strand begrüßen uns freundlich. Auf die Nachfrage nach einem Führer für einen Spaziergang schicken sie uns Emil zu suchen.

In dem kleinen, übersichtlichen Dorf dauert es nicht lange, bis wir bei Emil ankommen. In seinem Hof wird demnächst eine große Hochzeit vorbereitet. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Die Mengen an Lebensmitteln lassen mindestens Hundert Gäste vermuten, die angeblich auch von anderen Inseln anreisen werden. Kühlschränke für den alltäglichen Bedarf gibt es hier nicht. Die Speis sieht sehr traditionell aus, frisches Obst und Gemüse wird in einem Unterstand auf Stelzen gelagert. Scheinbar gibt es hier keine Ratten, sonst würden die offen liegenden Vorräte keine einzige Nacht überstehen. Schnell verderbliche Waren wie frisches Fisch und Fleisch werden erst direkt vor dem Kochen angeschafft. Für jeden bedeutenden Anlass muss eine bestimmte Anzahl von Schweinen geschlachtet werden. Die Dorfbewohner sind sehr freundlich, laden uns in ihren Hof ein, um die Vorbereitungen näher anzuschauen. Sie haben nichts dagegen, wenn wir ein Paar Bilder machen. Nur ein kleines Mädchen bekommt Angst vor dem weißen Mann mit einem großen schwarzen Gerät in der Hand.

Emil erklärt sich bereitwillig bereit, mit uns morgen auf den Berg zu steigen. Über sein Honorar sprechen wir nicht. Es wird schon nicht so teuer sein. Leider ist der nächste Tag bedeckt und es nieselt leicht. Wir hoffen, dass es schon nicht in Strömen regnen wird und gehen trotzdem den Berg hoch. Im dichten Wald lässt sich der Regen kaum spüren. Die mächtigen Kronen der Banjanbäume schirmen die Tropfen fast komplett ab. Zu ihrem Glück sind diese Bäume mit ihrem weichen unregelmäßig wachsenden Holz kaum wirtschaftlich von Bedeutung. Wo Sandel und Kauri abgeholzt worden sind, blieben die Würgefeigen stehen. Manche Kronen erreichen die Größe eines Fußballfeldes. Unser Pfad verläuft entlang der dünnen schwarzen Wasserleitung, die das Dorf mit Wasser aus den höher gelegenen Quellen versorgt. Der Weg ist ziemlich steil und wird mit dem fortschreitenden Regen zunehmend rutschig. Aber der Aufwand hält sich in Grenzen und wir kommen schneller als erwartet zum Gipfel.
Von oben eröffnet sich uns ein Blick auf das Meer und die nahe liegende Insel Efate. Unser Guide erklärt uns, dass alle Besorgungen mit einem kleinem Motorboot erledigt werden. Bei gutem Wetter dauert die Fahrt kaum eine halbe Stunde, bei schlechtem kann so eine Fahrt schon ruppig werden und deutlich mehr Zeit in Anspruch nehmen. Für einen kurzen Augenblick zeigt sich die Sonne, und das Wasser leuchtet sofort türkis auf. Zu unseren Füßen liegt ein alter Vulkankrater. Er ist flach und breit und hat eine ähnliche Form wie Mount Yasur, nur spukt er leider keine Lava mehr, und ist zwar hübsch, aber wenig spektakulär.

Wir kämpfen uns durch das mannshohe Gras zurück zum Pfad, schauen kurz die Quelle an: ein kleines, kaum spürbares Rinnsal, das eine Pfütze formt. Unser Guide sagt uns stolz, dass sei ein See. Wir decken den „See“ wieder mit den Brettern ab zum Schutz des Trinkwassers. Auf dem Rückweg zum Dorf treffen wir einen Mann, der schon beim ersten Anblick auf uns beide unehrlich wirkt, in dessen Augen sich eine offene Gaunerhaftigkeit wiederspiegelt. Er stellt sich als der Chief von Port Resolution vor und erklärt, dass er hierher für die Hochzeit gekommen ist. Schade für das Dorf, wenn er tatsächlich der Chief ist.
Während Vsevolod mit den großen Kerlen am Strand Fußball spielt, macht Thomas ein paar Bilder von den Dorfbewohnern im warmen Abendlicht. Emil bekommt von uns für vier Stunden Fußmarsch umgerechnet 15 Euro, einen leeren Dieselkanister und eine Tüte alter Kinderkleider und ist damit sichtlich zufrieden.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 23. September 2017 von in Uncategorized.
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