SY Outer Rim – A Family's Sailing Adventure

Sailing across the world's oceans with four kids

Willkommen in Vanuatu

(10.09.2017 – Tag 1.176)

Von Vanuatu kennt man nicht viel. Ab und zu sickern Nachrichten über einen verheerenden Zyklon, der sich über die Inselgruppe hermacht, oder über ein mächtiges Erdbeben bis in die westlichen Medien. Das kleine zum pazifischen Feuerring gehörende Archipel liegt exakt auf der Hauptroute der Zyklone. Naturkatastrophen sind hier ein Teil des Lebens und keine Überraschung. Die bekannteste Attraktion des Landes ist der zu den aktivsten Vulkanen der Erde gehörende Mount Yasur. Seit 800 Jahren spuckt er ununterbrochen Lava. Dabei ist der Vulkan leicht und sicher zu besteigen, so dass jeder den spektakulären Eruptionen beiwohnen kann.

Das Wetter begrüßt uns in Vanuatu nicht wirklich freundlich. Am Tag nach unserer Ankunft regnet es fast den ganzen Tag, so dass wir nicht wirklich Lust haben an Land zu gehen. Außerdem müssen wir auf die Ankunft eines Beamten aus Lenakel warten, der die Einklarierungs-Formalitäten erledigt. Währenddessen paddelt ein kleines, nach Steinzeit aussehendes Kanu zu uns. Der Einheimische würde uns gerne ein Paar Papayas verkaufen. Wir haben noch keine Vatus und mit einem 1-Dollar Schein kann der Mann auch nicht viel anfangen. Wir unterhalten uns einige Zeit, bevor wir auf dem Preis für die Früchte – einen gebrauchten Kinderpullover – einigen. Wir werden auch gefragt, ob wir sein Mobiltelefon aufladen können. Die einzige Stromquelle im Dorf sind Solarzellen, die bei tagelangem Regen nicht wirklich brauchbar sind. Unsere Nachbarn, die nicht weit von uns vor Anker liegen, bekommen ein altes Notebook zum Aufladen. Die Geräte sind von irgendwelchen Reisenden gespendet worden. Man schaut, wie man mit der Wartung und dem Aufladen zurecht kommt. Unser Besucher beschwert sich, sein Akku ist geklaut worden. Leider haben wir keinen passenden Ersatzakku an Bord.

Am frühen Nachmittag meldet sich endlich der Zollbeamte per Funk. Thomas fährt zu ihm an Land und erledigt schnell und unkompliziert die Formalitäten. Der Weg des Zöllners vom Lenakel mit dem Taxi muss dabei zusätzlich bezahlt werden. Insgesamt zahlen wir wohl um die 80 Euro zusätzlich. Uns ist es aber trotzdem lieber, als ziemlich ungeschützt an der exponierten Küste des offiziellen Einklarierungshafens zu liegen. Hier in Port Resolution, die von Kapitän Cook nach einem seiner Schiffe getauft worden ist, haben wir absolute Ruhe. Cook landete hier mit dem gleichen Ziel wie wir und hunderte andere Segler jedes Jahr … den Mount Yasur zu besichtigen. Zu seinem Pech wurde dem berühmten Seefahrer der Spaß wegen eines lokalen Tabus untersagt. Laut dem Glauben der Einheimischen ist der Vulkan der Ort an dem die Seelen der Verstorbenen verweilen.

Am nächsten Morgen, einem Sonntag, gehen Natalya und Thomas an Land. Die Kinder haben heute mal kein Interesse und bleiben lieber an Bord, um ihre schulfreie Zeit zu genießen. Das was wir schon bei den ersten Schritten sehen, ist die Steinzeit des 21sten Jahrhunderts. Die Hütten erinnert an entsprechende Bilder aus dem Geschichtslehrbuch. Aus Bambus gebaut, geben sie kaum Schutz vor den Elementen. Sicherlich sind sie weder trocken noch winddicht. Nach jedem Zyklon,werden sie schnell neu errichtet … aus lokalem Baummaterial und ohne großen Aufwand. In einem der größeren Hütten und etwas solider gebaut befindet sich ein so genannter Yachtclub. Außer ein paar kleinen Werbeanzeigen und einigen maritimen Flaggen ist hier nicht viel zu sehen. Wir lesen einen Merkzettel für Ausländer über die Verhaltensregeln im Dorf. Zum Glück muss man kein Kava mehr mitbringen. Es wird jedoch ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Frauen, selbst europäische, jede Beteiligung an der Kavazeremonie untersagt ist. Wir freuen uns, dass wir jeder Zeit ohne große rituelle Zeremonie an Land dürfen.

Ein Mann mit einem breit lächelnden Baby auf dem Arm, den wir zufällig auf der Straße treffen, zeigt uns sein Dorf und erklärt wie wir den Weg zum Strand finden. Mehr Formalitäten sind nicht nötig, wir dürfen uns im Dorf und drum herum frei bewegen. An einer der Hütten läutet eine improvisierte Glocke zum Gottesdienst. Im Gegensatz zu Tonga scheint der Kirchenbesuch am Sonntag hier keine Pflicht zu sein. Viele Menschen gehen weiterhin ihrer Beschäftigung nach. An einem der Häuser, vermutlich einem Rathaus, lesen wir einen der Aushänge und wundern uns über die englische Rechtschreibung. Mit viel Gefühl kann man dabei den Sinn erahnen. Später erfahren wir, dass es kein Englisch, sondern Bislama ist: eine Art Mischung aus sehr vereinfachtem Englisch und der Grundlagen der lokalen Sprachen, entstanden in der Kolonialzeit durch die Kommunikationsversuche zwischen zwei Nationen.

Nach etwa einer Dreiviertelstunde sind wir mit der Dorfbesichtigung fertig. Bevor wir zurück zu Outer Rim fahren, fragen wir noch den Guide, der zuständig für die weißen Besucher zu sein scheint, ob das Wetter für die Vulkanbesichtigung morgen passt. Wir haben uns schon im Voraus über die horrenden Preise informiert, und wollen keinesfalls im Regen und Nebel nur eine graue Wand sehen. Der Führer richtet seinen Blick gegen den Himmel und ist der Meinung: „Es wird schon.“ Bevor wir die Tour buchen können, haben wir allerdings das Problem, dass wir immer noch kein lokales Geld haben, und der Parkeintritt kann nur in Vatu und bar bezahlt werden. Der Führer bietet uns seine Hilfe an. Er muss morgen selbst nach Lenakel und kann für uns das Geld wechseln. Ganz wohl ist es uns dabei nicht, aber wir entscheiden uns doch dem Mann eine beträchtliche Summe Geld anzuvertrauen … und er kommt nach einem Tag tatsächlich zurück. Der Wechselkurs ist zwar nicht der Beste, der Mann ist dafür grundehrlich. Alles bis zum letzten Cent da, mit einer Quittung versehen. So können wir gleich zum Vulkan fahren.

2 Kommentare zu “Willkommen in Vanuatu

  1. dreikurze
    17. Februar 2018

    lieber thomas, bitte noch mehr von vanuatu!! wir wollen doch bald dahin 🙂

    • Thomas
      17. Februar 2018

      kommt … nur etwas Geduld. Einer steht zur Veröffentlichung morgen an. Und bis Ihr dorthin kommt, sind wir mit den Vanuatu-Berichten fertig … hoffentlich 😉

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 10. September 2017 von in Uncategorized.
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