SY Outer Rim – A Family's Sailing Adventure

Sailing across the world's oceans with four kids

Zur Ha’apai-Gruppe – Hart am Wind durch die Nacht

(09.07.2017 – Tag 1.113 – 22.317 sm)

Über die Inselgruppe Ha’apai hört man viele schaurige Geschichten. Die Karten stimmen nicht, es gibt keine Verpflegung und erst recht keinen angemessenen Schutz vor westlichen Winden. Viele Segler machen daher um diesen wenig besiedelten Teil von Tonga einen Bogen. Jedoch findet man dort lange weiße Strände, freundliche Menschen, die immer noch einen Fremden nach der Tradition polynesischer Gastfreundschaft empfangen, und zur Hauptsaison ist die Inselgruppe ein Tummelplatz für die pazifischen Buckelwale. Da wollen wir hin!

Die Entfernung zwischen Neiafu und den nördlichsten Ankerplätzen in Ha’apai ist mit etwa 70 Meilen gar nicht so groß und wäre auch für eine Tagesreise bei guten Bedingungen geeignet. Doch mit dem Wind von vorne und den Korallen am Ankerplatz wird es mit dem Sonnenlicht knapp. Daher entscheiden wir uns für eine Nachtfahrt hart am Wind – die für die Mehrheit der Crew eher weniger schmerzhafte Variante. So wollen wir mit dem ersten Tageslicht an der Insel Fao ankommen. Dafür suchen wir uns ein Wetterfenster mit leichten Winden aus Südost – 10 bis 15 Knoten sind vorhergesagt.

Am Nachmittag vor dem geplanten Ablegetermin hören wir einen Funkspruch von draußen: „Kommen zügig voran mit frischem Wind!!“ Da dieser Segler fast in die genau entgegengesetzte Richtung segelt, verspricht seine Meldung für uns eine „interessante“ Nacht. Wir haben schon intern ausklariert und wollen auch nicht länger in Neiafu bleiben. Augen zu und durch! Wir gehen zum letzten Mal in die Bar, die Kinder bestellen sich ein Vanilleeis, die Eltern ein Bier. Während wir auf der Terrasse sitzen, überrascht uns ein heftiger tropischer Regen. Es gießt wie aus Eimern, und sehr ausdauernd. Wir wählen eine kurze Phase mit weniger dichtem Regen, um zum Dinghy zu spurten und zur Outer Rim zu fahren. Noch bevor wir angekommen sind, werden wir pitschnass.

Es ist schon dunkel als wir den sicheren Hafen von Neiafu verlassen und wir durch den betonten Pass fahren. Der Weg ist zwar breit, aber nicht sonderlich tief. So nehmen wir lieber Geschwindigkeit raus und tasten uns in gedrosseltem Tempo voran. Es regnet, es wird kalt. Thomas bereitet für die Nachtwache nicht nur das Ölzeug, sondern auch die warmen Sachen vor. Natalya sucht ihre letztmals in Patagonien verwendete Mütze. An die Füße kommen Socken und Segelstiefel … das hatten wir seit einem Jahr nicht mehr.

Für den ersten Teil der Passage schlängeln wir uns unter Segel durch die Kanäle der Vava’u-Gruppe. Es ist fast Vollmond und die Konturen der Inseln sind gut zu erkennen. Sobald wir im Süden aus der Inselgruppe heraus fahren und die Abdeckung der letzten Insel verlassen, kommen uns unangenehm steile Seen entgegen. Aus dem mit Stärke 4 vorhergesagten Wind wird Stärke 6 in Böen 7. Wir gehen gleich ins 3. Reff im Groß und lassen die Fock stehen. Wie gut, dass die Kleinen nach einem anstrengenden Vorbereitungstag schon eingeschlafen sind. Der Mond taucht das Meer in ein gespenstisches Licht. Wir sind froh, dass wir nicht in vollkommener Dunkelheit durch ein mit Riffen verseuchtes Gebiet kreuzen müssen.

Die Welle ist so steil, dass sie an manchen Stellen bricht. Die ganze Nacht schaut Thomas angestrengt Ausschau ob die Brecher an einer Stelle bleiben und ein Riff ankündigen, oder bloß der Spiel des Wassers und Windes sind. Immer wieder die Frage im Kopf: Stimmt die Karte oder gibt es doch versteckte Hindernisse? Kälte, Schaukeln, Schräglage: noch vor Mitternacht ist der Skipper seekrank. Für zwei Stunden kann Natalya die Wache übernehmen, damit Thomas für das Ankern inmitten der Korallen wieder fit wird.

Im Morgengrauen erreichen wir den Schutz der Ha’apai-Gruppe. Die See beruhigt sich und wir gleiten unter Segel dem Ziel entgegen. Zwei Wale tauchen unweit der Outer Rim auf und machen durch ihr Blasen und Schnauben auf sich aufmerksam. Im dämmrigen Licht und bei fast geräuschloser Fahrt ein besonderes Erlebnis.

Als wir am frühen Morgen an der Insel Fao ankommen, bedeckt ein weißer Wolkenschleier komplett den Himmel, der das schon ohnehin zu flach einfallende Licht weiter zerstreut. Natalya steht am Bug und kann im Wasser nur mit größter Mühe die Riffumrisse identifizieren. Nach der Passage durch den Riff atmen wir aus, müssen aber noch einen sicheren Swojekreis abfahren. Nachdem der Anker eingefahren ist, fallen wir ins Bett uns schlafen sofort ein.

Als Natalya nach zwei Stunden an der Badeplattform nach Fischen schauen möchte, trifft sie fast ein Schlag. Kaum einen Meter von unserem Ruder weg entdeckt sie einen Korallenbommel, der garantiert nicht tief genug für unser Ruder ist! Thomas wirft sofort den Motor an: „Nichts wie weg hier, bevor das Ruder beschädigt ist!“ Dieses Mal fahren wir einen neuen Kreis bei gutem Licht unter strahlend blauem Himmel ab und finden ohne große Mühe einen wirklich sicheren Platz für die nächsten Tage.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 9. Juli 2017 von in Uncategorized.
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