SY Outer Rim – A Family's Sailing Adventure

Sailing across the world's oceans with four kids

Raiatea und Tahaa – zwei Inseln in einer Lagune

(23.05.2017 – Tag 1.067 – 20.706 sm)

Obwohl die Theorie, Raiatea sei die Wiege des polynesischen Volkes, mittlerweile zu Gunsten von Samoa und Tonga widerlegt ist, wuchs Raiatea in der präeuropäischen Zeit zum Macht- und Kulturzentrum von ganz Polynesiens. Hier wurden die wichtigsten religiösen Zeremonien abgehalten, Orakel befragt und Tabus festgelegt. Heute erinnern nur einige historische zeremonielle Stätten an die ehemalige Blütezeit. Der Rest ist kaum eines ehemaligen Machtzentrums würdig.

Uturoa, die Hauptstadt der Insel, wirkt klein und verschlafen. Der ganze Ort besteht aus einer breiten staubigen Hauptstraße, an deren Seite sich ein paar bescheidene Supermärkte und allerlei kleine Geschäfte niedergelassen haben. Offensichtlich hat die Touristensaison noch nicht begonnen. Der Hafen und das neu wirkende Kreuzfahrtterminal sind menschenleer. Mangels anderer Sehenswürdigkeiten setzen wir uns an die Uferpromenade und beobachten wie muskelbepackte Männer ein volles Kanu Wassermelonen in Windeseile entladen – indem sie die Melonen wie schwere Rugbybälle einander zuwerfen.

Da es hier keinerlei öffentliche Verkehrsmitteln zu geben scheint, müssen wir wieder per Anhalter zurück zum Boot fahren. Doch am Samstagsnachmittag gelingt es selbst Arvid nicht ein Auto anzuhalten. Wir müssen ein Stück des Weges laufen, bevor ein ziemlich ramponierter Jeep mit zwei düster wirkenden voll tätowierten Männern vor uns anhält. Natalya beschleicht das gleiche Gefühl wie mit den Haien. Man weiß ja theoretisch, dass Hitchhiking hier vollkommen unbedenklich ist, und man sieht den Männer schon an, dass sie trotz der Stiernacken und der drohliche wirkenden Körperbemalung freundliche Gesichtsausdrücke tragen, aber irgendwas im Unterbewusstsein wehrt sich bei uns Europäern gegen vorbehaltloses Vertrauen.

Ein Tag der offenen Türen im lokalen Segelclub sorgt bei unseren Kinder für eine willkommene Abwechslung. Obwohl sie erst zum zweiten Mal in ihrem Leben mit einem Opti segeln dürfen (das erste Mal war in Puerto Williams, Chile), stellen sie sich ganz geschickt an und segeln zuerst wie vorgeschrieben ganz in der Nähe der Marina bis zur Boje und zurück. Irgendwann wird es ihnen zu langweilig und die Grenzen des Erlaubten werden stufenweise ausgeweitet. Arvid macht fleißig bei einem Malwettbewerb mit. Jedoch ist ihm sein fertiges Bild zu schade, um es für die Bewertung hier zu lassen. Er nimmt es lieber mit um es in seiner Koje aufzuhängen.

Danach will der Kleine unbedingt auch Opti-Segeln ausprobieren. Der großer Bruder nimmt ihn mit und sie segeln ein paar Runden zusammen. Uns wundert es, dass Arvid kaum Freude anzusehen ist. Im Boot sitzend wirkt er eher ausgezehrt und erschöpft. Als wir ihn wieder an Land holen, ist er deutlich heiß. Erst auf Huahine hatte er eine grippenähnliche Erkältung überstanden, und hier schon wieder eine?

Da unsere Kinder gegen Mittag nach dem Segeln eh einen Mordshunger haben, fahren wir alle zurück zu Outer Rim. Nur Arvid will nichts essen, sein Fieber steigt über 39 weiter in die Höhe. Als wir ihn näher untersuchen, entdecken wir einen Ausschlag an den Schultern. Zusammen mit den anderen Symptomen passt das Erscheinungsbild ziemlich gut zum Dengue-Fieber. Moskitos hatten wir auf Morea und Huahine ja genug gehabt. Zum Glück verläuft die Infektion auch weiter wie eine leichte Grippe. Das Fieber steigt zwar zweimal am Tag sehr hoch, lässt sich aber gut mit fiebersenkenden Mitteln behandeln. Gelenk- und Kompfschmerzen, die für Erwachsenen beim Dengue so lästig sind, scheint unser Kleiner nicht zu haben. Der größte Schmerz für ihn verursacht der Badeverbot bis zur Genesung.

Nachdem wir in Tahiti lange und erfolglos nach einem Segelmacher gesucht haben, der unsere Genua reparieren kann, überrascht es uns positiv, wie schnell und unproblematisch hier die Reparatur von statten geht. Auch das Wetter spielt mit. Am Vorabend schlagen wir das große Vorsegel bei völliger Windstille ab: gar nicht so einfach ein etwa 110 Quadratmeter großes Stück festen Stoffes auf dem kleinen Vordeck ordentlich zusammenzufalten. Nach dem Frühstück übergeben wir das schwere Segelpaket zusammen mit unserem in Makemo eingerissenen Sonnenverdeck dem Segelmacher. Noch vor dem Mittagessen dürfen wir beides Instand gesetzt abholen. Einwandfreie Qualität, 30% des Preises der uns in Tahiti angeboten wurde. Wir können sogar dem Segelmacher zwei Segelnadeln, die es nirgendwo auf den Gesellschaftsinseln zu kaufen gibt, abschwatzen.

Jetzt hält uns nichts mehr auf Raiatea, abgesehen von der kostenlosen Mooring, die uns potentielles Ärgernis beim Ankern erspart. Wir konnten den Eigner trotz intensiven Suchens nicht ausfindig machen. An einem perfekten Segeltag mit leichtem Wind von der Seite verlegen wir zu der nahe gelegenen Insel Tahaa, die sich mit Raiatea ein gemeinsames Saumriff teilt. Heute müssen wir somit gar nicht aufs offene Meer hinaus. Die saftig grüne Insel präsentiert sich uns in strahlendem Sonnenlicht. Auf einer kleinen Landspitze ganz nah am Meer befindet sich eine nette kleine Kirche.

Für heute haben wir einen besonders tiefen Ankerplatz ausgesucht: laut Karte ankern wir auf 25 bis 30 Metern. Wenn sich die Kette in dieser Tiefe um Korallen wickelt, bekommt man sie ohne einen Taucher nicht wieder frei. Zu unserer Freude liegen in der Bucht zwei Mooring-Bojen, die einen guten Eindruck machen. Der Besitzer lässt sich nicht ausmachen, und wenn er doch am Abend noch kommt, dann haben wir den Ankerplatz schon nach all den potentiellen Gefahren untersucht, um selbst im Dunkeln neu ankern zu können. Am Morgen kommt tatsächlich ein Vertreter der anliegenden Gemeinde bei uns vorbei: die Bojen kosten etwa 12 Euro pro Tag, ein fairer Preis, vor allem wenn man weiß, dass das Geld in der Gemeinde bleibt und die Mooringe dafür auch entsprechend gewartet werden. Am nächsten Tag frühstücken wir gerade im Cockpit als der für die Mooringe zuständiger Mann zum Einkassieren wieder kommt. Er nimmt unser entgegen gestrecktes Geld aber nicht an. Die nächsten zwei Tage dürfen hier frei liegen. Unser Geld sollen wir lieber für unsere Kinder behalten. Wir scheinen bedürftig auszusehen 😉

Trommeln gehört auf den Gesellschaftsinseln zur traditionellen Kunst. Doch dieses kleine Dorf scheint sich besondere Mühe dabei zu geben. Jeden Abend haben wir Livemusik mit Tanz: geübt wird im Freien, nicht weit der Anlegestelle. Während unsere Kinder an Bord bleiben und lieber was lesen möchten, als exotische Inseln zu erkunden, schlendern wir am nächsten Tag durch das Dorf. Auf dem Hinweg sehen wir einen kleinen Tisch mit Bananen und Pampelmusen zum Verkauf. Thomas versucht Natalya zu überreden sie erst auf dem Rückweg zu kaufen, doch Natalya wehrt sich: wer weiß, ob die Früchte bis dorthin noch da sind? So wandern wir weiter mit einem Rücksack voll schwerer Pampelmusen. Vor allem Arvid ist ein großer Liebhaber dieser Früchte und hätte nichts dagegen alleine eine etwa ein Kilogramm schwere Frucht aufzuessen.

Das Dorf macht einen ganz netten Eindruck. Die kleinen Gärten sind voll mit Blumensträuchern und Fruchtbäumen. Die Straßen sind sauber, die Menschen freundlich. In der kleinen Bucht liegen einige kleine Fischereiboote. Über eine Art mechanische Vorrichtung werden sie nach jedem Benutzen aus dem Wasser herausgehoben. Die flache Bucht geht in einen Sumpf über, was eine perfekte Brutstelle für Stechmücken abgibt. Ohne Mückenspay gehen wir nicht mehr aus dem Haus. Im Gegensatz zu der Malariamücke ist die Dengue-übertragende Mücke eher am Tag aktiv.

Die nächsten zwei Tage nutzen wir, um den zwischen zwei nahen Motus liegenden Korallengarten zu erkunden. Zu unserer Überraschung beherbergt die Engstelle mit starker Strömung hübsche und gesunde Korallen, mit Abstand die besten, die wir auf diesen Inseln gesehen haben. Auch die Fische sind hier scheinbar Menschen so sehr gewohnt, dass man ganz nah an sie heran kommt. Der einziger Nachteil: die Kombination aus sehr geringer Wassertiefe und starker Strömung führt zu manchen unerwünschten Korallenberührungen beim Schnorcheln. Vielleicht füttern manche Touristen deswegen lieber die Fische im flachen Wasser stehend als sie beim Schwimmen zwischen den Korallenköpfen zu beobachten. Während Natalya so einen um eine Futterstelle kreisenden bunten Fischschwarm beobachtet, entdeckt sie direkt unter sich eine Muräne, die wider ihr natürliches Verhalten vom Futter angelockt am hellem Tage ganz aus ihrer Höhle herauskommt. Schade, dass Natalya keine Kamera dabei hat. So nah haben wir bisher eine ganze Muräne nur auf Kap Verden auf dem Fischmarkt gesehen. Natalya zieht es vor, ein wenig mehr Abstand von dem Tier mit so spitzen Zähnen zu gewinnen.

Schwimmen gegen die Strömung macht schnell müde. Daher haben die Kinder nach zwei Durchgängen genug und widmen sich lieber am Strand ihrem vor kurzem neu erfundenen Lieblingsspiel: sie bauen aus losen, toten Korallenstücken künstliche Riffe, um dort im flachem Wasser Fische zu beobachten. Arvid geht schnell wieder aus dem Wasser: ein sicheres Zeichen dafür, dass er noch nicht ganz gesund ist.

Unsere Zeit auf der Gesellschaftsinsel geht ihrem Ende entgegen. Die letzte Insel, der Inbegriff von Luxus und Exklusivität, liegt noch vor uns. Eigentlich haben wir kein besonderes Interesse, doch wir bringen es nicht hinter uns Bora Bora links liegen zu lassen. Außerdem müssen wir dort ausklarieren. Bis wir zu den zu den Cook Insel gehörnden Insel Suwarrow ablegen können, dauert es noch ein paar Tage. Diese Insel mit dem Status eines Nationalparks ist erst ab dem 1. Juni offiziell für Besucher eröffnet … und mit illegalen Besuchen in einem entlegenen Nationalpark haben wir in Guinea-Bissau genug aufregende Erfahrungen gesammelt.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 23. Mai 2017 von in Uncategorized.
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