SY Outer Rim – A Family's Sailing Adventure

Sailing across the world's oceans with four kids

Huahine

(18.05.2017 – Tag 1.062 – 20.664 sm)

Es ist etwas bürokratischer Aufwand, die beiden Pakete mit Schulmaterialien aus dem Zoll zu bekommen. Franka und Vsevolod pendeln mit Papa mehrmals zwischen Zoll, Post und dann wieder Zoll hin und her. Aber nach einer Stunde haben wir die Pakete in der Hand … und vor allem zollfrei. Wir nutzen unseren Aufenthalt in Papeete gleich noch für ein paar Besorgungen. Immerhin hat uns Ken, der Manager der Papeete Marina, eine Nacht Aufenthalt in der Marina geschenkt. Schon die zweite … Danke, Ken!

Bis wir alles erledigt und uns von Freunden verabschiedet haben ist es schon dunkel. Bei leicht ablandigem Wind werfen wir einfach unsere Leinen los und treiben gemächlich vom Steg weg. Genug Zeit, um die Leinen und Fender zu verstauen bevor der Motor uns aus dem Hafenbecken bringt. Die Durchfahrt durch den Pass sollte eigentlich auch in der Nacht kein Problem sein, die Einfahrt ist ja laut Karte befeuert. Beim näheren Betrachten stellen wir jedoch fest, dass das Licht der Backbord-Tonnen defekt ist. Kein Problem, dann nehmen wir doch das Richtfeuer. Aber auch hier geht nur eines der beiden Lampen. Damit ist dieses Hilfsmittel auch nutzlos. An dieser Stelle werden wir etwas nervös und suchen in der Schwärze der Nacht mit einer starken Taschenlampe nach der roten Tonne. Das klappt dann problemlos, und wir erreichen schnell und sicher offenes Wasser.

Dieses Mal haben wir das Wetter so ausgesucht, dass wir die Strecke zwischen Tahiti und Moorea und dann weiter nach Huahine mit Rückenwind fahren können. Während der Wind in der Abdeckung von Tahiti noch auf sich warten lässt, kündigt sich bereits Schwell an. Auf den ersten Meilen wird das Boot ohne die Stabilität durch angeströmte Segel zwischen den anrollenden Schwellbergen hin und her geworfen. Bei vorhergesagten drei Metern Welle von der Seite hatte Natalya bereits vor dem Ablegen versucht alles sicher zu verstauen, doch es finden sich trotzdem wie immer Dinge, die scheppern und klappern.

Nachdem wir den Schutz der Insel verlassen haben, kommt auch der Wind. Wir setzen die Genua, das Schaukeln wird deutlich weniger. Bevor der Rest der Crew schlafen geht, entscheiden wir uns noch zu einer Akrobatikvorführung auf dem Vordeck. Die Genua muss ausgebaumt werden. In der Dunkelheit der Nacht müssen Natalya und Thomas sich zum Teil mit allen Vieren am Deck festkrallen, um dem wilden Geschaukel zu trotzen. An Backbord klaffen abgrundtiefe Wellentäler auf. Nachdem die Welle unter der Outer Rim durchrauscht und die ordentlich auf die Seite legt, verwandeln sich die die Wasserberge an Steuerbord in eine See von leuchtendem Schaum. Die Geräuschkullisse dabei ist nicht weniger spektakulär. Für einen kurzen Augenblick richtet sich das Boot auf, doch da kommt schon der nächste Berg an. Dabei versuchen wir den etwa 5-6 Meter langen schweren Baum, der bei diesen Bedingungen perfekte Voraussetzungen zum Schwingen hat, so fest zu halten, dass er weder selber einen schlägt, noch beim unkontrollierten Aufprall kaputt geht. Da dauert es nicht lange, bis man seekrank wird.

Nach dem Manöver läuft die Outer Rim mit 8 Knoten durch die Nacht. Während Thomas Wache hält, geht der Rest der Crew schlafen. Den Kindern macht das Geschaukel nicht viel aus. Sie hören eine gute Nacht Geschichte an und schlafen friedlich ein. Natalya hört noch lange in ihrem Hörbuch, wälzt sich hin und her, versucht sich an der rutschenden Matratze festzuhalten. Von tiefem erholsamen Schlaf ist nicht zu träumen. In den Morgenstunden kommen wir ohne Zwischenfälle am Pass am Saumriff der Insel Huahine an. Wie (fast) alle Pässe der Gesellschaftsinseln ist er breit, tief, gerade und betonnt.

Vor dem Dorf ankern einige Boote, der Platz erscheint uns zu eng. Außerdem herrscht dort starke Strömung, die das Boot quer zu Windrichtung setzt. Daher entscheiden wir uns zwar für einen sehr viel tieferen, aber bequemeren Ankerplatz im Inneren der Bucht von Haavai. Das bedeutet zwar eine längere Dinghy-Fahrt in den Ort Fara, aber wir liegen dafür sicher auf Sand und haben ein schönes Parama.

Wir laufen einmal durch den Ort Fare, dessen größte Sehenswürdigkeit ein ordentlicher gut bestückter Supermarkt darstellt, in dem sogar frisches Gemüse zu finden ist. Unsere Kinder merken sich den Strand vor und wollen am Nachmittag mit Badeklamotten noch mal hierher. Natalya und Thomas bummeln noch durch den Ort Fiti an unserem Ankerplatz. In der Kirche scheint es ein großes kirchliches Fest zu geben, das alles andere als traditionell aussieht. Die nicht so kleine Kirche ist rappelvoll. Alle Gottesdienstbesucher scheinen einer von mehreren Gruppen zuzugehören. Jede Gruppe trägt charakteristische aufwendig gestaltete sehr farbenfrohe Tracht. Zum Frauentracht gehört ein zierlicher Sommerhut, der einem das Gefühl der pariser Sommermode Anfang des letzten Jahrhunderts vermittelt. Abwechselnd singen die Gruppen immer wieder sich wiederholende Strophen. Die Atmosphere ist locker ab und zu stehen die Teilnehmer auf und gehen, genauso entspannt kehren manche zurück und setzen sich wieder hin. Einige Frauen betreuen vor dem Eingang eine große Kinderschar. Obwohl wir eine Kamera in der Hand haben und nicht wirklich passend für einen sontäglichen Kirchengang angezogen sind, werden wir freundlich hereingewinkt.

Am Nachmittag fahren wir die lange Strecke zum Strand. Das Schnorcheln ist unspektakulär. Es herrscht eine starke, recht unangenehme Strömung. Natalya macht einen großen Pulk an Babyhaien aus und will sie den Kindern zeigen. Doch sie sind in flachen Wasser über dem sandigen Grund so gut getarnt, dass wir nach dem kurzen Wegschauen ein Dutzend Tiere, die gerade direkt hier noch schwammen, nicht wieder finden.

Das Wetter verschlechtert sich, leichter Regen setzt ein. Wir sind so von der Hitze verwöhnt, dass wir ihn erst gar nicht ernst nehmen und uns unter Büschen verstecken. Franka und Vsevolod gehen gar nicht aus dem Wasser aus, und bauen unter Wasser im Regen aus Korallenblöcken ein Hotel für obdachlose Fische, um sie beim Einziehen zu beobachten. Im Wald gibt es mehr Schutz, aber dort wimmelt es von Mosikitos. Nach einer halben Stunde sitzt Natalya unter einem tropfenden Busch mit zitterndem Arvid auf dem Schoß. Das Ende des Regens ist nicht abzusehen. Nachdem wir genug gefroren haben steigen wir ins Dinghy und fahren durch den kalten Wind und Regen zu Outer Rim zurück. Obwohl wir uns in den Tropen befinden, kommen uns die Erinnerung an den Gletscherbesuch im Wind und Regen in der Caleta Mist in Patagonien.

Nach einigen Tagen gelingt es Thomas die Crew zu überzeugen, dass es im Süden der Insel einen weiteren schönen und besser gegen Wind geschützen Ankerplatz gibt. Nur muss man an manchen Flachstellen vorbei, der Weg dorthin sei betont. An den flachen Stellen stellt Natalya sich wieder an den Bug und hält Ausschau. Doch die Beurteilung, ob die durch das klare Wasser durchscheinenden Steine und Korallen tief genug liegen fällt, ihr alles andere als leicht. Nach der letzten Flachstelle atmet wir auf. Immerhin haben wir an der flachsten Stelle nur ca. 1 Meter Wasser unter dem Kiel.

Die Bucht Baie d’Avea an der Südspitze von Huahine ist wirklich schön, von einer Seite von einer türkisfarbenen Sandbank, von der anderen von saftigen grünen Hügel umgeben. Wir liegen in dieser Idylle teilweise sogar alleine. Bei kurzen Wanderungen auf einen Bergrücken sehen wir die Bucht und die Umgebung von oben. Flache Strände ohne Wellen gefallen den Kleinen ganz besonders zum Spielen und Buddeln. Beim Schnorcheln entdecken wir unzählige Anemonenfische. Manche sind gar nicht scheu und lassen sich fotografieren. Ein Adlerrochen ist dagegen sehr empfindlich und nimmt Reißaus kaum als wir ins Wasser springen. Wir können ihm bei seiner Flucht zuschauen, wir er schwerelos und anmutig scheinbar ohne jede Mühe durchs Wasser gleitet.

Auf dem Rückweg von Baie d’Avea zum Pass ein paar Tage später möchte Thomas Natalya einen Gefallen tun und nicht genau auf dem alten Track fahren, sondern lt. Seekarte tiefere Stellen ansteuern. Natalya steht währenddessen am Bug und schaut relativ entspannt wie bunte Korallen sich auf sie zubewegen, in der festen Überzeugung, es sei hier tief genug, schließlich sind wir einmal schon ohne Probleme durchgefahren. Doch dann kommt ein Stoß, eine leichte Erschütterung durch das Boot. Die Karte und der Tiefenmesser zeigen falsche Werte an, wir haben eine Koralle leicht berührt. Natalya macht sich die Vorwürfe die Stelle nicht gemeldet zu haben. Zum Glück ist nicht Schlimmes passiert. Es haben wohl 5 Zentimeter an Tiefe gefehlt, um ohne Berührung durchzukommen. Wie leicht wäre das Leben auf einem Katamaran mit 70 Zentimeter Tiefgang! Ohne weitere Zwischenfälle erreichen wir den Pass und nehmen Kurs auf Raitea.

2 Kommentare zu “Huahine

  1. Eva
    27. Juni 2017

    Hallo Thomas, sehr schöner Bericht. Wir brechen am Sonntag nach Südfrankreich auf, unser Abenteuer beginnt.

    • Thomas
      27. Juni 2017

      Hallo Eva,
      dann wünschen wir schöne Erlebnisse und immer eine Handbreit unter dem Kiel. Freue mich schon über eure Eindrücke zu lesen.
      Thomas

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