SY Outer Rim – A Family's Sailing Adventure

Sailing across the world's oceans with four kids

Berg-Wandern und Rochen-Streicheln auf Moorea

(10.05.2017 – Tag 1.054 – 20.553 sm)

Der Legende nach ist Moorea die Rückenflosse eines gigantischen Fisches. Auf der Nordseite hat die Flosse zwei tiefe Kerben. In einer davon, der Opunoha Bucht, ankern wir. Vorbei ist es mit der Einsamkeit der Tuamotus. Am östlichen Eingang der Bucht, vom türkisfarbenen flachen Wasser angezogen, liegen vor einem Sandstrand dicht nebeneinander etwa 30 Segelboote. Uns ist das definitiv zu eng, daher fahren wir lieber tiefer in die Bucht hinein, ankern in tiefem Wasser, haben dafür aber ein spektakuläres Bergpanorama vor uns. Die herunter fallenden heftigen Windböen erinnern uns an Patagonien. Doch der Ankergrund ist gut und wir haben keinerlei Bedenken. Am nächsten Tag sind die Böen auch weg, der Blick auf die schroffen, steil aufragenden grünen Berge bleibt.

Hier gelingt uns seit Langem einmal wieder eine ausführliche Exkursion ins Inselinnere. Nachdem man sich durch eine stark durch Landwirtschaft geprägte untere Vegetationszone mit ihren ausgedehnten Ananasfeldern und Papayabäumenreihen durchgekämpft hat, steigt man auf engen, aber gut angelegten und leicht erkennbaren Pfaden immer höher. Obwohl an der Küste sengende Hitze herrscht, ist es im Wald angenehm schattig und kühl. Der Endpunkt für diejenigen, die nicht gern laufen, ist der Aussichtspunkt Belvedere am Ende der befahrbaren Straße. Von hier aus eröffnet sich einem ein phantastischer Blick auf die Cook Bay und die Opunoha Bay, die wie zwei türkisfarbene Keile ins Inselinnere einschneiden.

Der beste Stück des Wanderweges, abseits von Lärm, führt weiter in die Berge. Der Pfad windet sich im Wald, durch kleine Schluchten, über leise plätschernde Bergbäche mit kühlem erfrischendem Wasser. Obwohl heute ein Feiertag ist und unten am Aussichtspunkt ziemlich viel los ist, sind weiter oben kaum Wanderer unterwegs. In den oberen Lagen führt der Pfad am Rande der Caldera entlang. Von hier aus erkennt man, was für einen gewaltigen Durchmesser sie hat. Am Ende des Wanderweges öffnet sich einem der Blick auf drei Pässe. Der Blick ist jeder Postkarte würdig.

Am nächsten Tag sind unsere Kinder ziemlich aufgedreht: ein Ausflug zur täglichen Rochenfütterug ist angekündigt. Damit wir an der Futterstelle vor der ganzen Touristenflotte ankommen, fahren wir gleich nach dem Frühstück los. Nach einer fast drei Meilen langen Dinghyfahrt erst gegen Wind und Welle und dann nervenaufreibend durch einen relativ flachen Kanal am Rande des Riffs, sind wir tatsächlich als eines der ersten Boote da. Kaum ist der Anker im hüfthoch tiefen Wasser kommen schon die Stachelrochen und sammeln sich rund um und unter dem Schlauchboot. Unsere Kinder haben Mühe so aus dem Boot ins Wasser zu springen, dass sie auf keinen Rochen treten. Auch wenn sie an dieser Stelle sehr an die Menschen gewohnt sind, haben sie doch eine Stachel, mit der man auf keinen Fall in Berührung kommen will.

Danach schwimmen wir im flachen Wasser mit unzähligen Rochen und einigen Haien um uns herum. Obwohl wir die Tiere nicht füttern, gehen sie ganz nah an uns heran, schwimmen unter einem durch. Als Thomas neben einem Taucherboot steht und sich mit den Tauchern unterhält, klettert eines der Tiere auf seinem Rücken hoch. Der Rochen weiß, dass die Tauchlehrer auch direkt aus der Hand füttert und sucht sein Futter. Mit der Zeit kommen mehr Boote, mehr Touristen und mehr Haie. Gegen Mittag sind mehr Haie da als Rochen. Freundlicherweise halten sie etwas mehr Abstand und tauchen nur gelegentlich unter den Schwimmern durch.

Uns ist schon klar, dass solche kommerzielle Nutzung der Tiere eigentlich nicht in Ordnung ist, und es wäre uns lieber, sie in ihrem natürlichen Milieu zu beobachten. Aber wir zahlen kein Geld, füttern selber nicht, und geben unseren Kindern die Möglichkeit die sonst ziemlich scheuen Tiere doch zu beobachten. Das ist ehr mit einem Zoo-Besuch zu vergleichen. Leider werden überall auf den Gesellschaftsinsel Meerestiere für Touristen angefüttert. Selbst bei Rifffischen und Riffhaien, die auch ohne Futter an vielen Stellen gut zu beobachten sind, wird nachgeholfen. Damit man eben mehr sieht, als beim Konkurenten. Angeblich wurde in den letzten Tagen ein Gesetz verabschiedet, dass jegliches Füttern und Berühren der Meerestiere verbietet. Doch wir können bis jetzt keine Wirkung sehen. Jeden Tag um 10 beginnt an der Rochenstelle das gleiche Programm.

Die Versuche am Strand zu schnorcheln sind sehr ernüchternd. Fast die alle Korallen sind tot und mit braunen, stacheligen Pflanzen überwuchert, insgesamt ein sehr trauriger Eindruck. Das Desaster betrifft nicht nur Moorea, sondern die ganzen Gesellschaftsinseln. Unsere Internet-Recherchen nach dem Grund bringen nichts. Keiner scheint den Grund des Absterbens zu kennen. Obwohl die Korallen tot sind, gibt es trotzdem ein reiches Fischleben am Riff. Wir entdecken für uns einige neue Fischarten und sehen zum ersten Mal zahlreiche Clownfische, die sich in ihrem Anemonengarten verstecken.

Wir haben unsere Bucht so lieb gewonnen, dass wir nicht vor haben, in die Cook Bay zu verlegen. Es gibt hier nur ein einziges Problem – kein Internet. Um eine Verbindung zu haben, müssen wir etwa 3 Kilometer bis zum nächsten Dorf mit einem Hot Spot laufen. Wenn Arvid per Anhalter fahren will, hält ziemlich zuverlässig schon das zweite oder das dritte Auto an. Gehen Natalya und Thomas ohne den Kleinen, hält oft gar kein Autofahrer an. Entspricht eigentlich nicht der polynesichen Hilfsbereitschaft, aber wahrscheinlich haben die Leute von den Touristen die Nase voll.

Im Dorf kann man auch frisches Gemüse zu polynesischen Preisen erwerben. Gurken kosten 4 Euro pro Kilogramm, Blaukohl – 5. Von Ananas aus den umliegenden Plantagen ist im Dorfladen nichts zu sehen. Angeblich werden sie für Export gebraucht. Nach dem Internetbesuch bekommen wir die Nachricht, dass die Pakete mit Schulbüchern in Papeete angekommen sind und die Kinder sie unbedingt persönlich abholen müssen. So bleibt uns nichts anderes übrig als gegen den Wind wieder zurück nach Tahiti zu segeln. Die Strecke erscheint überschaubar.

Am Tag des Ablegens stehen wir früh auf. Der Tag ist grau, verregnet und böig. Natalya kommen gleich Zweifeln, ob wir tatsächlich heute segeln sollen, doch wir wollen eigenlich weiter. Im Pass kommt uns ein Kreuzfahrtschiff entgegen. Obwohl wir unter Segeln sind und theoretisch Vorfahrt hätten, funkt es uns an, damit wir ihm, als er mit 15 Knoten durch die Engstelle durchfährt, aus dem Weg gehen. Sobald wir den Schutz der Insel verlassen kommt mehr Wind … und sehr schnell mehr Welle, natürlich beides von vorne. Aus der Bahia Cook fegen gefühlte 40 Knoten Wind, begleitet von kräftigem Regen. Keine halbe Stunde nach der Abfahrt brechen 3 Meter hohe Wellen über unseren Bug. Nichtdestotrotz segeln wir mit 7-8 Knoten im 3. Reff gegen den Wind. Bei besonders heftigen Böen wird die Reeling auf der Leeseite der Outer Rim immer wieder unter Wasser gedrückt. Was man alles für die Schulbildung der Kinder auf sich nimmt.

Nach drei unangenehmen Stunden ist die Qual vorbei. Wir kommen in den Schutz von Tahiti und der Wind stirb vollständig ab. Es ist kaum zu glauben: draußen fegen 30 Knoten Wind, und wir müssen drei Meilen vor der Insel den Motor anwerfen. Wir können die weißen Wellenkämme noch deutlich sehen, doch bei uns weht kein Lüftchen mehr. Die Crew atmet auf. Im Pass begleiten uns ein Paar Delfine. Unser alter Platz in der Marina in noch fei. Wir gehen wieder längsseits und können sogar das restliche Guthaben an der Landstrom-Steckdose nutzen.

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