SY Outer Rim – A Family's Sailing Adventure

Sailing across the world's oceans with four kids

Wanderung zur Caldera des Sierra Negro auf Isabella

(08.01.2017 – Tag 932 – 16.304 sm)

Vorsichtig tasten wir uns in der Bucht von Puerto Villamil zu unserem Ankerplatz. Natalya schaut nervös aus dem Bugkorb zu Thomas: in den Strahlen der tief stehenden Sonne kann sie im trübem Wasser gar nichts erkennen. Wir wissen aus der Seekarte und den Satellitenbildern, dass es hier Unmengen von Felsen knapp unterhalb der Wasserlinie gibt. Der Skipper wird auch von einem der Touristenschiffe beobachtet. Einer der Seemänner vermittelt uns mit heftigem Winken, dass es hier flach sei. Okay, also noch etwas vorsicherter fahren. Draußen im Schwell, wo es tiefer ist, wollen wir nicht liegen. Ehr so weit wie möglich in den Schutz der vorgelagerten Inseln. Eine Handbreit Wasser unter dem Kiel muss reichen. Endlich fällt der Anker: für heute ist Feierabend. Die kurze Überfahrt von Santa Cruz nach Isabella hat mangels Wind länger als geplant gedauert. Dafür gab es auf der Fahrt sich paarende Meeresschildkröten, Rochen und viele Seevögel zu sehen.

Am nächsten Tag springen Thomas und die Kinder ins Wasser, und schwimmen zu den nicht weit des Ankerplatzes aus dem Wasser herausragenden Felsen. Kaum ist eine Viertelstunde vorbei, regt sich die Crew des Touristenboots von nebenan auf und vermittelt, es sei nicht erlaubt hier ohne Guide zu schwimmen. Alles hier ist Nationalpark, und wir dürfen wohl nur am Boot schwimmen. Mit dem Dinghy dürfen wir aber zwischen den Felsen hindurch fahren, da es der Weg zum Anlegesteg ist. Etwas schizophren.

Am Nachmittag, nachdem die Schulstunden erledigt sind, fahren wir an Land. Wer so einen Hafen hat, braucht zu eigenem Schutz kaum anderen Wehranlagen. Die ganze Bucht ist mit Felsen und Untiefen voll gespickt. Selbst mit dem Schlauchboot müssen wir einen großen Bogen fahren, und uns vorsichtig vortasten. Einmal sitzen wir sogar auf einem Felsen auf. Am Steg will der Polizeibeamte 10 Dollar pro Person haben, als Hafengebühr. Man hat langsam das Gefühl, hier wird pro Schritt abgerechnet.

Während Thomas das Dinghy zwischen den Fischerbooten festmacht, entdecken Natalya und die Kinder am Steg die ersten Pinguine. Sie schießen wie Pfeile durch das klare seichte Wasser und jagen einem Schwarm kleiner Fische hinterher. Am Steg treffen wir auf unsere alten Bekannten. Auch hier sind alle schattigen Bänke voll mit Seelöwen bedeckt. Große Meeresechsen liegen im Weg. Sie scheren sich nicht um die vielen Fußgänger und bleiben regungslos liegen. Wir haben das Gefühl, dass sie auf dieser Insel besonders massig werden.

Der Weg ins Dorf in der prallen Sonne ist lang. Ein Crewmitglied beschwert sich ausdauernd über seine müden Beine und fragt stetig: „Wie weit denn noch?“. Doch als wir endlich am Strand ankommen, sind die müden Beine wieder flott, und Arvid rennt ins Wasser. Während die Kinder fröhlich in den Wellen hüpfen, entdeckt Thomas einige Dutzend Metern entfernt eine Kinderstube der Meeresechsen. Unzählige kleine Tiere sonnen sich auf den schwarzen Steinen. Auch einige Lavaechsen sind dabei. Manchen Tieren fehlt ein Teil des Schwanzes. Angeblich wächst er später nach. Doch wenn es einem Männchen passiert, bleibt er sein Leben lang benachteiligt. Weibchen bevorzugen das Original. Auf dem Rückweg sind Arvids Beine wieder müde. Wer hat denn den Hafen einen Kilometer weit vom Dorf angelegt?

Isabella besteht aus fünf teils noch aktiven Schildvulkanen, die über die hunderttausende von Jahren zu einer Insel zusammengewachsen sind. Einen der Vulkane, den Sierra Negro, kann man recht einfach besteigen. Das wollen wir natürlich unbedingt machen. Aber auch hier darf man nicht ohne offiziellen Führer hin. Also buchen wir eine geführte Tour für 30 Euro pro Person inkl. Busfahrt und Verpflegung. Ein für die Galapagos relativ günstiges Angebot. Die 16 Kilometer Fußmarsch sind dann in vier Stunden zu bewältigen. Zu viel für kurze Beine. Daher teilen wir uns für die Wanderung auf. Erst gehen Franka und Thomas an einem Tag und am nächsten Vsevolod und Natalya.

Als Franka und Thomas am Ausgangspunkt der Wanderung ankommen ist der sonst so bedeckte Himmel um den Berg herum wolkenfrei. Ob das ein gutes Zeichen ist? Für die Bilder bestimmt. Doch dafür müssen die Wanderer einige Stunden in der prallen Mittagssonne laufen, und das fast am Äquator. Während sich die Wandergruppe der großen Caldera von Sierra Negra nähert, erzählt der Guide, sie sei nach einer riesigen Caldera in Tansania die zweitgrößte der Welt. Doch Thomas kommen da einige Zweifel auf. Waren wir nicht schon mal auf den Kanaren in einer viel größeren? Als wir am Abend nachprüfen, stellt sich tatsächlich heraus, dass die Caldera mit ihren 10 mal 7 Kilometern zwar zu den größten der Welt gehört, es aber nicht annähernd auf Platz 2 schafft. Trotzdem ist der Blick vom Kraterrand natürlich beeindruckend.

Schaut man in die Caldera hinein, sieht man nur schwarzes vulkanisches Gestein. Kein Bäumchen, keinen Grashalm, kein Tier – absolut nichts. Nur eine Straße zieht sich wie ein Band quer hindurch. Doch was von oben aus der Ferne wie eine Straße aussieht hat in der Tat auch einen vulkanischen Urprung. Inmitten von bizarren Formen, großen und kleinen Brocken und scharfen Spitzen ist ein Strom von dünnflüssiger Lava zu einer glasigen Oberfläche erstarrt.

Der Führer erzählt uns über die letzte Eruption des Vulkans im Jahre 2005. Am Tag bliebt der Berg im Rauch und Aschewolken verhüllt, so dass einem das gewaltige Naturschauspiel verborgen blieb. Doch in der Nacht glühte der Berg, und die Caldera sah aus wie die Lichter einer großen Stadt in pechschwarzer Nacht aus der Vogelperspektive. Zum Glück der nahe liegenden Farmen, ergoß sich der ganze Lavastrom in die Caldera hinein, so dass Menschen und Tiere nicht zu Schaden kamen.

Der weitere Weg führt zum Vulcan Chico. Doch auch hier wird einem unwissenden Touristen zu viel verkauft. Eigentlich handelt es sich um eine Ansammlung von Nebenschloten des Sierra Negra und nicht um einen eigenständigen Vulkan. Aus manchen dieser Minikratern treten warme Gase aus. Hier liegt die letzte Eruption deutlich weiter zurück. Auch wenn das Klima im Lee der Insel sehr trocken ist, ragen vereinzelt massive Kakteen in den Himmel. Es dauert etwa 100 Jahre, bis sie einen Meter an Höhe gewinnen. Das Klima ist so trocken, dass sie nie Blüten tragen. Es riecht deutlich nach Schwefel. Die Vielfalt an Lavakreationen überrascht: lange schlanke Tunnel, ein tiefer Lavasee, Lavawellen, geschwungen wie eine verewigte Woge der Brandung. Frischere Stellen sind noch ganz schwarz, die älteren wirken eher bräunlich. Genauso muss es Darwin vorgefunden haben, was ihn auf einige Gedanken über die Geologie gebracht haben sollte.

Wir schauen mit Wehmut aus der Ferne zur Insel Fernandina. Dort halten die Vulkane die Insel noch so fest im Griff, dass noch keine Pflanze dort Fuß fassen konnte. Sollte die Aktivität der Vulkane so bleiben wie bisher, ist es wahrscheinlich, dass Fernandina und Isabella in erdgeschichtlich naher Zukunft zusammenwachsen. Auf dem Rückweg spürt man doch die Beine. Vor allem auf der Strecke quer durch Lavabrocken jammern die Knie: „Muss das sein?!“

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