SY Outer Rim – A Family's Sailing Adventure

Sailing across the world's oceans with four kids

Ein zweites Mal in Quito

(09.11.2016 – Tag 872)

Ecuador gehört zu den politisch instabilsten Ländern Südamerikas und blickt auf eine fast ununterbrochene Reihe von Staatsstreichen und Militärcoups zurück. Die aktuelle Wirtschaftslage lässt zu wünschen übrig. Demokratie existiert nur auf dem Papier. Um weiter an der Macht zu bleiben folgt die populistische Regierung der Politik der alten Römer und sorgt für die Unterhaltung des Volkes. Während die Reichen des Landen Millionen an Erdöl verdienen dürfen die armen jeden Sonntag im Quito auf den Straßen feiern. Das ganze Stadtzentrum wird großräumig abgesperrt. Nicht einmal Busse dürfen heute fahren. Die äußeren Straßen sind für Fahrradrennen und Laufwettbewerbe reserviert. Im historischen Kern tanzen Folkloregruppen, manche gut, manche eher ungelenkt, aber alle in traditionelle andine Trachten bekleidet.

Arvid bleibt vor einem Puppentheater stehen und schaut gebannt zu. Droht einer der Puppen Gefahr, verspannt sich auch Arvid. Zwischen den Tänzern, Musikern und Malern werden alle möglichen lokalen Köstlichkeiten verkauft: geschnittene und in Tütchen verpackten Mangos, appetitlich riechende gegrillte Maiskolben, frische Erdbeeren (wer hätte gedacht, dass sie aus Amerika stammen?). Wer größeren Hunger hat, bleibt bei einer improvisierten Garküche auf Rädern stehen und kauft sich einen Teller Bohnensuppe oder eine Portion Reis. Gegrillte Bananen sind allgegenwärtig. Die Stimmung auf der Straße ist entspannt und ausgelassen.

Bis zum Mittag hat Arvid so viel gesehen, dass er in Thomas Arm einschläft. Franka ist vom Angebot in unzähligen Bastelläden begeistert. Inspiriert von den Blusenstickereien kauft sie sich ein großes Stück weißen Tuchs und Stickgarn in allen Farben des Regenbogens. Wir fahren mit dem Taxi ins Hotel und kochen Nudeln. Wegen der Höhe ist das kochende Wasser deutlich kälter als 100 Grad. Die Nudeln zerfallen schneller als sie gar werden.

Am Nachmittag wollen wir ein Museum besuchen. Die Wahl der Kinder fällt auf ein Serpentarium. Natalya mag keine Schlangen und will überhaupt nicht rein. Thomas schlägt Arvid vor, auch bei Mama draußen zu bleiben. Doch der Kleine besteht darauf, mitgenommen zu werden. Er will auch große Schlangen sehen und hat vor ihnen keine Angst. Ganz gespannt sucht er mit seinen Geschwistern jedes Terrarium ab und freut sich über die teils bunten, teils großen und machmal auch recht unscheinbaren Schlangen. Eine große Boa schängelt sich anmutig über einen Ast, was alle fasziniert beobachten. Leider (oder glücklicherweise) begegnet man diesen anmutigen Tieren sehr selten in der Natur.

Während der Rest der Familie im Seprentatium ist bummelt Natalya durch den Park. Hier wird auch jeden Menge Unterhaltung geboten. Selbst einen Virtual-Reality-Helm kann man für einen kleinen Geldbetrag ausprobieren. Am Eingang des Park befindet sich eine Laufstrecke als Oval. Unsere Kinder wollen mit Papa um die Wette einen 100 Meter Lauf veranstalten. Wegen der dünnen Luft in dieser Höhe schnappt man aber schnell nach Luft und nach zwei Wettläufen ist Schluss. Die Einheimischen machen keinen besonders sportlichen Eindruck und nutzen die Bahn eher als Promenade. Nur mit Stöckelschuhen darf man nicht auf den teuren makellosen Belag. Einige Frauen werden höflich gebeten am Rande des Feldes durchs Gras zu laufen.

Am nächsten Morgen erleben wir den Wachwechsel vor dem Präsidentenpalast. Von der Choreographie hätte das auch an einem europäischen Königspalast stattfinden können. Nur grimmig schauende Männer in schusssicheren Westen am Dach des Palastes mit Maschinengewehr in der Hand geben einem unmissverständlich das Gefühl, sich auf dem südamerikanischen Kontinent zu befinden.

Am Nachmittag überrascht uns im Park ein Platzregen. Das Wasser fällt wie eine Wand nieder. Wir verstecken uns in einem Unterstand und hoffen, dass ein so intensiver Regen nur von kurzer Dauer ist. Doch wider Erwarten hört er nicht so schnell auf. Bald verwandeln sich die Wege des Parks in Flüsse. Verhungern werden wir hier nicht. Neben uns wartet ein Mann mit einem Eimer Bohnensuppe, der nächste hat Getränke in einem Kühlkasten. An die äußerste Ecke des Unterstandes wurde ein Grill geschoben. Irgendwann halten wir das Warten nicht mehr aus und laufen los. Der Regen hat zwar nachgelassen, dafür werden die Füße sofort nass. Überraschenderweise nutzen die Einheimische kaum Regenschirme. Es macht ihnen wenig aus, wenn sie von Kopf bis Fuß nass werden.

Auch wenn Quito eine tolle Stadt ist, sind alle froh, nach ein paar Tagen wieder zurück zum Boot zu fahren. Wegen der Sicherheitslage sind die für uns sonst so bequemen Nachtreisen nicht empfohlen. Für Arvid ist es eine ziemliche Herausforderung so lange im Bus auf seinem Platz sitzen zu bleiben. Auch sonst für ihn so attraktive Hörspiele interessieren ihn heute nicht. Er klettert über die Sitze, quatscht Natalya und Thomas voll, macht ein kurzes Mittagsschläfchen. Natalya versucht mit den Großen eine Stunde Englisch für die Schule zu machen, doch wegen des dröhnenden Fernsehgeräusches wird die Idee schnell verworfen. Keiner scheint sich für die Trashfilme in schlechter Qualität zu interessieren, trotzdem laufen sie ununterbrochenen mit bis zur Übersteuerung aufgedrehten Lautsprechern während der gesamten Busreise.

Zurück in Bahia de Caraquez sind wir froh die Outer Rim wieder zu sehen. Nach so einer ereignisreichen aufregenden Reise brauchen alle wieder ein wenig Ruhe.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 9. November 2016 von in Uncategorized.
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