SY Outer Rim – A Family's Sailing Adventure

Sailing across the world's oceans with four kids

Pferdeausflug in Banos

(02.11.2016 – Tag 865)

Unser weiterer Weg führt nach Banos, einem Touristenort für Adrenalin-Liebhaber. Dort gibt es alles: Rafting, Canyoning, Bungee-Jumpng und einiges mehr. Obwohl wir mit den Kindern das meiste nicht mitmachen können (und wollen), entscheiden wir uns trotzdem für eine Übernachtung in Banos. Zu einem großen Teil besteht der Ort aus Souvenir-Läden, Touristenagenturen und kleinen Hotels, die wissen was weiße Touristen mögen. Unsere Kinder sind vom kleinen Schwimmingpool so begeistert, dass sie nicht einmal in die Stadt gehen wollen.

Während Natalya ihnen beim Schwimmen zuschaut nutzt Thomas die Zeit, um schnell auf einen Hang des Vulcan Tungurahua hochzusteigen. Zuerst fährt er mit unserem für diese Zwecke eher bedingt geeigntn Auto eine abenteuerliche Straße hoch. Als es nicht mehr weiter geht, steigt er aus und geht weiter zu Fuß. Der Weg schlängelt sich durch dichten Bergnebelwald dem Gipfel entgegen. Wegen ordentlichem Zeitdruck und der Höhe von über 3.500 Metern kommt er ziemlich schnell ins Schwitzen. Dennoch geht es im Dauerlauf den Berg hinauf. Die Bäume verdecken den Blick auf den Gipfel, die nachmittäglichen Wolken ziehen die Bergtäler hoch und drohen noch den letzten sichtbaren Teil des Berges zu verhüllen. Hinter jeder Wegbiegung scheint endlich der freie Blick zu kommen … doch wenn man dort ist, ist wieder ein Baum im Weg? Thomas kämpft mit sich … umkehren oder weiter? Dann letztlich öffnet sich tatsächlich der Wald, die Wolken geben den Blick frei und der Gipfel des Vulkans ist zu sehen. Kurz genießen, ein Bild schießen und im Dauerlauf wieder absteigen. Die Kinder warten ja und bald wird es dunkel. Auf dem Rückweg gibt es dann noch einen tollen Ausblick auf das tief liegende Tal und die von der goldenen Abendsonne beleuchteten Wolken über den Bergen. Thomas düst ins Tal und kommt schon im Dunkeln beim Rest der (schon fast verhungerten) Familie an.

Am Abend klopfen wir noch einige Touristenagenturen ab. Unsere Kinder wollen unbedingt Reiten. Obwohl Thomas sie darauf hinweist, dass sie keine so tollen Pferde bekommen wie in Patagonien, sind sie Feuer und Flamme und können den Morgen kaum abwarten. Am Morgen ist die ganze Innenstadt gesperrt. Deswegen müssen wir zu unseren Pferden ziemlich weit und immer bergauf laufen. Natalya, die Arvid trägt, fühlt sich schnell selber wie ein Pferd. Auch wenn die meisten Städte in der Gegend in den Tälern liegen, liegt Banos trotzdem auf über 2.000 Meter.

Die Pferde warten auf uns hinter dem Friedhof. Im Vergleich zu den europäischen wirken sie recht klein. Entsprechend klein sind auch die Sättel. Der Führer beteuert uns, dass zwei Jungs auf so einem Pferd nie im Leben komfortabel sitzen können. Natalya schaut ihn zweifelnd an, aber er setzt Arvid als erstes auf sein eigenes Pferd. Ganz geheuer ist es dem Kleinen dabei nicht, aber er hält sich wacker und lässt nichts anmerken. Unsere Kinder erkundigen sich nach den Namen ihrer Pferde. Chocolate, Jacky Chan, Shakira sind nett und warten geduldig. Im gleichen Verleih soll es auch einen Osama Bin Laden geben. Schön, dass wir den nicht bekommen haben.

Im Schritt geht es los. Obwohl die Kinder nicht so wie in Patagonien galoppieren dürfen, sind sie trotzdem glücklich ein Pferd zu haben. Natalyas Pferd ist heute nicht gut drauf und kratzt sich die ganze Zeit. Irgendwann wirft sich das Tier auf den Boden und beginnt sich im Staub zu wälzen. Natalya springt schnell ab und schimpft über das unwürdige Tier. Doch da ist nichts zu machen, das Pferd hat die Nase voll vom harten Job und will jetzt Urlaub. Jetzt muss unserer Führer zu Fuß gehen, da Natalya sein Pferd bekommt. Als wir umkehren müssen, sind unsere Großen enttäuscht, dass die Zeit so schnell vergangen ist.

Wir steigen hinter dem Friedhof wieder ab und sehen und hören den Grund für die Straßensperren. Das Wort Friedhof passt nicht mehr zu dem Fest, das dort gerade stattfindet. Unter dröhnender Musik strömen festlich gekleidete Menschenmengen zu den Gräbern ihrer Verwandten. In und vor den Familiengräbern versammeln sich alle Verwandten, es ist wohl Allerheiligen. Vor dem Friedhof stehen zahlreiche Zelte, die Fastfood, Süßigkeiten, Getränke, Blumen und Spielsachen verkaufen. Die Stimmung ist fröhlich und locker. Nur die Hitze ist so unerträglich, dass Natalya und die Kinder sich schnell im Schatten verstecken. Thomas, der ein paar stimmungsvolle Bilder von dem ungewöhnlichen Ereignis schießen wollte, findet sie nicht mehr. Nach einer langer Suche kehrt er fluchend alleine in die Stadt zurück. Natalya und die Kinder wissen davon nichts und schmelzen langsam hin in der Hitze Dabei überlegen sie sich, was Thomas so spannendes finden konnte. Irgendwann geben auch sie die Hoffnung auf und laufen zurück zum Touristenbüro, wo sie erfahren, dass Thomas vor 10 Minuten schon dort gewesen ist. Nachdem er das ganze Städtchen noch mit dem Auto abgesucht hat, treffen wir uns endlich wieder. Auch die Stadt ist gestopft voll. Wegen des Festes der Toten sind viele Ecuadorianer angereist, manche um die Gräber ihrer Angehörigen zu besuchen, manche um die Schulferien und Feiertage für einen Ausflug in die Natur zu nutzen.

Nach dem Mittagessen bleiben unsere Kinder vor einem Süßigkeitenladen stehen. Die Bonbons werden gleich auf der Straße zuerst geknetet und dann geformt. Wenn man Glück hat, bekommt man was zum Probieren. Die Stadt und Umgebung sind von diesen Süßigkeiten voll. Sie wirken zwar sehr farbenfroh und ansprechend, sind jedoch ziemlich hart und zäh. Schokolade ist unseren Kindern doch lieber. Zum Abschluss des Banos-Programms gehen wir noch zum Wasserfall, der am Stadtrand vom Berg herabfällt. Sein Wasser speist ein Schwimmbad, das zum Bersten voll ist – wie in einer U-Bahn zur Rushhour, im Badeanzug und mit Schwimmhilfen. Wer dabei nicht mitmachen will, stellt sich direkt unter den Wasserfall.

Unsere Kinder finden die Idee toll und klettern auch zum Wasser hoch. Die Stufen stehen unter Wasser, sind mit Moos und Algen bedeckt. Aber Arvid überzeugen die Hindernisse nicht, natürlich muss auch er unbedingt zum Wasser. Natalya macht akrobatische Kunststücke beim Versuch, ihn auf der glitschigen Treppe so festzuhalten, dass er sich den Kopf nicht anschlägt. Als wir gehen müssen, ist der kleiner Kerl sehr unzufrieden. Er hätte hier gerne seinen ganzen Nachmittag verbracht. Was kann man sich besseres vorstellen, als an so einem heißen Tag im fließenden Wasser zu planschen? Doch die Eltern lassen sich nicht überzeugen. Banos ist wegen der Feiertage heute ausgebucht. Unsere nächste Station ist Latacunga.

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