SY Outer Rim – A Family's Sailing Adventure

Sailing across the world's oceans with four kids

Baeza – Dschungel-Wanderung light

(26.10.2016 – Tag 858)

Der Weg nach Baeza führt ostwärts uns durch grüne, zum Teil vom Dschungel überwucherte Berge. Zahlreiche Bäche stürzen von den steilen Hängen herunter, um im Tal einen quirligen Fluss zu bilden. Je höher wir aufsteigen, desto dunkler wird der Himmel. Irgendwann schüttet es wie aus Kübeln, und wir sehen kaum die Straße vor uns. Dampf steigt von der Teerdecke auf.

Als wir in Baeza ankommen, halten wir wie immer zuerst nach einem passenden Hotel Ausschau. Viel Auswahl bietet der Ort nicht. Zur großen Freude der Kinder entscheiden wir uns für ein Hostel mit einer Tischtennisplatte und einer Katze, die man zu Tode kraulen kann. Leider hat das auch seine negativen Seiten: die Zimmer sind muffig und die Fenster lassen sich nicht öffnen. So verschlafen wie der Ort aussieht, dient das weniger dem Schutz vor Kriminalität, sondern mehr als Barriere gegen die tropische Fülle an Insekten.

Bevor es dunkel wird, haben wir noch drei Stunden Zeit, daher gehen wir auf Erkundungstour. Der Ort an sich bietet nur für Arvid einige Sehenswürdigkeiten: einen kleinen aber funktionierenden Brunnen und einen ramponierten Spielplatz. Wir fragen uns durch das Büro des Nationalparks, aber der einzige Angestellte gibt uns lieblos irgendwelche Prospekte von Wanderrouten, die Hunderte von Kilometern entfernt liegen. Unser Reiseführer ist aber der Meinung, dass man vom Ort aus gute Wandermöglichkeit hat. Nachdem wir im Büro eine kleine Ausstellung besichtigen, die unter anderem eine Schlangenhaut von mehreren Metern Länge und etwa 20 Zentimetern Breite präsentiert, wollen manche Kinder gar nicht mehr in den Wald.

Schließlich bekommen wir von einem Dorfbewohner einen brauchbaren Tipp: Gleich um die Ecke fängt ein kleiner Wanderpfad an und die Zeit am späten Nachmittag sei besonders günstig, um Vögel in ihrem natürlichen Habitat zu beobachten. Der Wald ist feucht, schon von weitem hören wir einen rauschenden Fluss. Wir steigen auf dem Pfad aus glitschigen Steinen immer weiter ab. Die Vegetation ist ziemlich dicht und abwechslungsreich. Vorsichtig tasten wir uns an den großen trockenen Blättern vorbei. Nicht das darunter eine Schlange sich versteckt! Obwohl wir viele Vögeln zwitschern hören, ist es für ungeübte Gringos ein Ding der Unmöglichkeit sie in den dichten Baumkronen ausfindig zu machen.

Weil wir nicht im Wald, und vor allem nicht ohne Moskitoschutz, von der Dunkelheit überrascht werden wollen, drehen wir um. Den Wasserfall am Ende des Weges werden wir lieber Morgen besichtigen. Arvid ist auch ziemlich müde. Um ihm ein Teil des Weges durch den Ort zu ersparen, geht Thomas voran und holt das Auto etwas näher. Jetzt führt Vsevolod die kleine Expedition an. An einer Wegbiegung entdeckt er ein flitzendes Etwas, das den Weg knapp vor seinen Füßen kreuzt. Er kann nur einen relativ dicken spitzen Schwanz identifizieren, der sehr schnell im Gebüsch verschwindet. Eine entsprechend dicke Schlange? Vsevolod versteckt sich lieber hinter Mamas Rücken. Plötzlich kommt Franka nach vorne und schreit den unbekannten Schwanzbesitzer lauthals an. Wahrscheinlich hat das arme Tier so viel Angst, dass es sich schon längst irgendwo in einem tiefen Loch versteckt. Die Beschreibung von Vsevolod passt ziemlich genau auf ein Gürteltier.

Der nächste Tag beginnt mit einem exklusiven Frühstück mit einem richtigen Kaffee (und nicht nur Nescafe) und French Toasts mit Ahornsirup. Direkt vor unserem Tisch hängt eine hoch frequentierte Kolibrifutterstation. Die schillernd metallisch glänzenden Vögel sind für ihre Art ziemlich groß und lassen sich, solange man sich nicht bewegt, aus unmittelbarer der Nähe beobachten. Wir scheinen die einzigen Besucher des Hotels – in dem wir nur frühstücken – zu sein. Mit 50 Dollar pro Person ist es für den Region definitiv zu teuer – soviel zahlen wir maximal für uns sechs zusammen. Die wenigen Touristen, die wir bis jetzt getroffen haben, reisen mit einem Rucksack und wenig Geld. Die wohlhabenden, die bereit sind bis zu 1.000 Euro pro Nacht zu zahlen, steuern eher die wenigen Lodges an, die sich inmitten eines Regenwaldes befinden. Der Hoteleigner hört von unserem Wunsch, weiter in den Dschungel zu fahren und rät uns ausdrücklich von der Grenzregion zu Kolumbien ab. Zu schmudelig und zu gefährlich. Eher ein Paradis für Schmuggler und Drogenhändler als für Naturliebhaber.

Nach dem Frühstück laufen wir den Pfad nochmals. Der im Walddickicht versteckte Wasserfall wirkt wie ein geheimer magischer Ort. Bunte Schmetterlinge flattern in der feuchten Luft. Ein Vogelpaar hat sich hinter der Wasserwand ein Nest gebaut und fliegt fleißig hin und her. Unsere Kinder spielen begeistert im Wasser, buddeln im Schlamm bauen Dämme. Vsevolod geht schwimmen. Ganz geheuer ist ihm dabei nicht. Krokodile sind sicher nicht zu erwarten, aber wer oder was mag sich noch im sandigen Boden verstecken? Über eine nicht besonders vertrauenswürdig wirkende Hängebrücke überqueren wir den Fluss und kehren auf einem anderen Pfad wieder zurück nach Baeza. Kurz vor dem Dorf müssen wir unter einem Stacheldraht durchkriechen, um wieder auf die Straße zu kommen.

Es ist kurz vor Mittag, und sobald wir den schattigen Wald verlassen, brennt die Sonne gnadenlos. Nach einem einfachen Mittagessen in einem der ortsüblichen Küchen am Straßenrand wollen die Kinder noch ein Eis haben. Bei der Hitze schmiltzt ihnen das Eis in den Händen schneller als sie essen können. Es ist Zeit weiter zu fahren, aber wir wissen immer noch nicht wohin. Nach einer qualvollen und langen Hin und Her fahren wir nach Macas ab. Die Strecke ist weit und kurvenreich, es wird ein langer Tag.

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