SY Outer Rim – A Family's Sailing Adventure

Sailing across the world's oceans with four kids

Mittagessen bei Mauricio dem Kranwagenfahrer

(11.08.2016 – Tag 782)

Wir haben uns schon so an die uns umgebende Wüstenlandschaft gewöhnt, dass keiner mehr den Weg durch die Wüste allzu spektakulär findet. Vsevolod liest im Reiseführer über die nächste Stadt Calama und stellt fest, dass es dort überhaupt nichts zu sehen gibt. Talora und Franka unterhalten Arvid auf der Rücksitzbank.

Für die einzige Abwechselung sorgt die Mittagspause am Grab von Mauricio an der Straßenseite. Wir wissen nicht Recht, ob es sich tatsächlich um ein Grab oder um eine Gedenkstätte handelt. Es ist schon fast eine größere Anlage und dazu gehören ein Dach als Sonnenschutz und Bänke zum Hinsetzen. Neben dem von der Sonne vergilbten Foto eines etwa 40-jährigen Mannes hängt ein dicker Ordner. Alle, die Mario noch was sagen oder erzählen wollen, schreiben hier rein. Scheinbar gehört es auch zum Brauch, dem Toten eine halbvolle Flasche zu hinterlassen, damit er keinen Durst leidet.

Aus den Gegenständen um Mauricios Bilder herum können wir schließen, dass er ein Kranwagenführer war. Ein großer Spielzeugkranwagen und einige kleinere Modelle wecken reges Interesse bei Arvid. Der kleine Kerl versteht nicht ganz, warum man damit nicht spielen sollte. Wir fragen uns, warum das Denkmal hier steht. Ist Marion hier auf einer kerzengeraden Straße in einem Verkehrsunfall umgekommen? Oder war es einfach sein Wunsch, dass man ihm genau hier mitten im Nichts eine Gedenkstätte errichtet, damit er mit den Vorbeifahrenden im Kontakt bleiben kann? Wir jedenfalls nutzen den Schatten unter dem Sonnendach für unser Mittagessen. Schatten gibt es ja sonst nirgends.

Als wird an Calama vorbei kommen müssen wir wieder eine Entscheidung treffen. Nehmen wir eine landschaftlich reizvolle Straße, von der aber im Reiseführer explizit gewarnt wird, man solle Einheimische erstmal befragen, ob sie passierbar sei, oder eine gut geteerte Hauptstraße. Die Sonne steht schon tiefer am Horizont, daher entscheiden wir uns für die vernünftigere der zwei Varianten. Zu frisch sind noch die Erinnerungen an die Hotelsuche in der Dunkelheit in einer unbekannten Stadt.

Kurz vor San Pedro ändert sich die Landschaft. Die relativ öde halbvertrocknete Ebene verwandelt sich in eine ansprechende Landschaft. Hohe Vulkane türmen sich am Horizont. Mit der nächsten Wegbiegung öffnet sich der Blick auf ein breites Tal, das weiter unten in einen großen Salzsee übergeht: Salar de Atacama.

Im Gegensatz zu den bisherigen Atacama-Erfahrungen wirkt San Pedro wie ein Themenpark. Tourismus hat das kleine Bergdorf überrollt und explosionsartig wachsen lassen. Die neuen Häuser wurden zwar im alten Stil aus Lehmziegeln gebaut und mit Schilf überdacht, wirken aber mit ihrer Regelmäßigkeit etwas künstlich. Dem Kern der Stadt fehlen auch die Einwohner. Er besteht nur aus Hotels, Restaurants und Touristenagenturen, die alle das gleiche Programm anbieten, und schlendernden Touristen. Zum ersten Mal in Chile treffen wir in kleinen Läden auf einen recht unfreundlichen Verkäufer.

Die Touristeninfrastruktur hat aber auch ihre Vorteile. Es ist nicht schwer ein passendes Hotel zu finden. Auch wenn die Unterkunft recht einfach ist, bietet sie alles, was wir brauchen. Während die Kinder zur sicheren Freude der restlichen Gäste im Innenhof turnen und sich mit der Hängematte vergnügen, kocht Natalya die geliebten Nudeln mit Tomatensoße.

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