SY Outer Rim – A Family's Sailing Adventure

Sailing across the world's oceans with four kids

Mit dem Bus nach Norden

(02.08.2016 – Tag 773)

Für einen Europäer ist es selbstverständlich, dass man fast jeden Winkeln des Kontinents mit der Eisenbahn entweder schnell oder günstig erreichen kann. Im Gegensatz dazu gibt es in Südamerika kein zusammenhängendes Schienennetz. Die wenigen Strecken – meist Relikte alter Zeiten – wurden oft zu Touristenattraktionen mit horrenden Preisen umfunktioniert. Die meisten Südamerikaner, die von A nach B wollen, reisen mit dem Bus. Dreißig Stunden Fahrt am Stück ist dabei keine Seltenheit.

Es herrscht scheinbar ziemlicher Konkurrenzdruck. Eine Vielzahl großer und kleiner Busunternehmen versucht einander mit Komfort und günstigen Preisen zu übertrumpfen. Eine Reise von Puerto Montt nach Santiago dauert 12 Stunden und kostet dabei weniger als 20 Euro. Für eine Strecke von mehr als 1.000 Kilometern ist das wirklich preiswert. Der Versuch die Strecke mit einem Mietwagen zu fahren kostet mehr als Doppelte alleine an Mautgebühr für die Autobahnen. Wer mehr Wert auf Komfort legt und bereit ist, ein wenig mehr dafür auszugeben, fährt in einem breiten Schlafsessel. Für die Nachtreise von Puerto Montt nach Valparaiso, das 1,5 Stunden von Santiago entfernt liegt, war es uns das wert.

Arvid füllt dabei kaum ein Drittel seines Sitzes aus und sieht aus wie ein König auf seinem Thron. Dabei hat er noch seine kecken Kopfhörer an und hält seinen Mediaplayer fest in der Hand. Nach dem kleinen warmen an Flugzeugkost erinnernden Abendessen geht der Busbegleiter durch den Bus und zieht fürsorglich alle Vorhänge zu. Jeder Sitz wird beidseitig mit zusätzlichen Vorhängen versehen, damit jeder für die Nacht seine Privatsphäre bekommt.

In der Nacht wachen wir einige Male auf und hören den Bus an einer Steigung schnaufen oder in einer scharfen Kurve abbremsen. Mitten in der Nacht weckt Arvid alle auf mit dem Ruf: „Da ist eine Katze!“ … aber die hat er sich natürlich nur eingebildet oder erträumt.

Als die Dämmerung einbricht finden wir uns inmitten einer ganz anderen Landschaft. Von Winter ist kaum noch etwas zu sehen. Mimosen blühen, das frische grüne Gras bedeckt die Berghänge. Von der Küste kriechen uns feuchte, lockere Nebelschwaden entgegen. Alle schauen gespannt zum Fenster in der Erwartung des Blickes auf den offenen Pazifik. Noch die letzte Kurve und der Bus biegt auf die Uferpromenade von Vina del Mar. Das Meer benimmt sich vornehm, es ist kaum Schwell zu sehen. Es bleibt uns ein Rätsel, wie die 8 Meter Welle zustande gekommen sind, die die Marina in Valparaiso 2014 zerstört haben.

Vina del Mar ist eine Betonblocksiedlung, wenn auch ziemlich luxoriös und komfortabel. Die Hochhäuser wirken nagelneu, die Läden teuer, der Ort seelenlos. Nochmals schade, wie unpersönlich und kunstfrei die Küste voll gebaut wurde. Die Stadt geht fast übergangslos in Valparaiso über. Hier bietet sich ein ganz anderes Bild. Kleine, teils historische Häuser kriechen an den Flanken der Hügeln hoch. Die Stadt wirkt so, als ob jeder in seinem Haus einen freien Blick auf das Meer hätte. Hier beenden wir unsere durchaus entspannte Nachtfahrt. Für ein paar Tage wollen wir diesen Ort erkunden.

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