SY Outer Rim – A Family's Sailing Adventure

Sailing across the world's oceans with four kids

Von Kämpfen mit Seeungeheuern, Riesenrhabarber und gemeinem Regenwasser

(15.04.2016 – Tag 694 – 12.638 sm)

Während wir frühstücken lässt der Morgen den Schneegipfel des Volcan Maca im Osten rötlich in der aufgehenden Sonne leuchten. Ein weiterer Tag mit Sonnenschein kündigt sich an. Am späteren Vormittag legen wir ab. Die Winde sind weiterhin günstig. Die Outer Rim segelt unter Vollzeug Richtung Norden. Die Route ist gut frequentiert, einige Frachtschiffe kommen uns entgegen, manche überholen uns.

Nach einem schönen Segeltag fahren wir in die Caleta Brooks ein und ankern nicht weit eines lebhaften Wasserfalls. Die Kinder sind Feuer und Flamme an Land zu gehen. Trotz Hochwassers finden wir einen kleinen Steinstrand. Obwohl wir in den letzten paar Tagen bereits zwei Mal ein Lagerfeuer hatten, haben die Kinder nicht genug davon und wollen es heute nochmal wiederholen. Den Eltern passt es nicht wirklich, daher sind manche Kinder am Abend ziemlich sauer.

Beim Ausbringen der Landleinen haben wir am Ufer einen Schlauch entdeckt, der Wasser vom Wasserfall führt. Wahrscheinlich füllen die Fischer hier ihre Wasservorräte auf. Am Vormittag holt Thomas den Schlauch ans Boot, um unsere Wassertanks ohne große Schlepperei zu füllen. Wer sich bei "Schlauch" einen Gartenschlauch vorstellt, irrt sich. Es handelt sich um ein Kunststoffrohr von wohl 15 cm Durchmesser, das vom Wasserfall gespeist unter ordentlichem Druck Wasser speit. Am besten könnte man es mit einem Feuerwehrschlauch mit voll aufgedrehtem Hydranten vergleichen. Mit drei Leinen bändigt Thomas das Ungeheuer und lässt das Wasser in einem Bogen neben dem Boot hoch schießen und sammelt es durch einen breiten Trichter in den Tank. Eigentlich hilft Arvid sehr gerne dem Papa beim Arbeiten, und Wasser ist sein geliebtes Element, aber das hier ist ihm nicht geheuer. Der kleine Kerl versteckt sich im Cockpit und will, dass der Schlauch möglichst schnell weg kommt. Nachdem die Tanks randvoll sind, das Deck abgespritzt ist, bringt Thomas das Rohr wieder zurück und befestigt es mit einem Seil am Baum. Arvid atmet aus.

Am Nachmittag fahren wir auf die Südseite der Caleta. Natalya hat dort mit einem Fernglas viele Vögel entdeckt und möchte sie näher betrachten. Die auf den Felsen sitzenden Möwen sind nicht wirklich scheu und lassen sich aus der Nähe fotografieren. Der Strand ist größer als der auf der Nordseite. Die Kinder finden einen perfekten Abenteuerspielplatz, sammeln "Waffen" aus Bambus und bekriegen sich gegenseitig. Arvid will auch ein Gewehr, dabei ist er nicht vom Standpunkt abzubringen, dass ein Gewehr für Kleinkinder noch größer sein muss als das der anderen Kindern. Talora beteiligt sich wenig am Krieg, lieber sammelt sie Schnecken und Seesterne und spielt mit ihnen. Arvid wechselt auch schnell die Seite. Die Schnecken sind viel interessanter als Waffen. Am Ufer entdecken wir viel vulkanisches Gestein. Natalya findet wieder volle Beerensträucher zum Entleeren.

Für den nächsten Tag ist stärkerer Wind vorhergesagt. Thomas bringt daher zur Sicherheit noch eine Bugleine aus. Als wir am Abend in der Küche Geschirr spülen, horcht Natalya auf: "Was sind das für komische Geräusche?" Bläst der Wind schon so früh so stark, dass die Wellen von der Seite heftig anschlagen? Das kann doch kaum wahr sein! Vor kurze Zeit haben wir rausgeschaut und es war ruhig und friedlich. Thomas geht raus, und stellt fest, dass die Geräusche wenig mit Wind zu tun haben. Eine riesige schwarze Seeschlange windet sich direkt neben dem Küchenfenster und speit kräftig Wasser. Der Schlauch hat sich losgerissen und ist zurückgekehrt! Genau zu der Stelle wo Thomas ihn vorher belegt hat. Thomas fühlt sich wie Goethes Zauberlehrling.

Es ist schon stockdunkel. Wir überlegen kurz, ob wir das Problem erst morgen bei Licht beheben sollen. Aber eigentlich ist es gegen alle Sicherheitsregeln. Sollte man es in der Nacht schnell ablegen müssen, ist der widerspenstiger Schlauch das Letzte was man unter dem Rumpf haben möchte. Thomas steigt ins Dinghy, bindet den Schlauch an eine unserer Leinen und bringt ihn gegen kräftigen Widerstand wieder ans Ufer zurück. Am Boot lachen alle: die Szene sieht so aus wie der Kampf eines Dompteurs mit einem wild gewordenen Löwen. Der Löwe will sich gar nicht bändigen lassen. Nach einiger Zeit kehrt der Dompteur wieder zurück. Unsere Leine können wir erst bei Tageslicht wieder an Bord holen.

In der Nacht kommt sintflutartiger Regen nieder. Am Morgen ist die Pütz randvoll, das heißt es sind mindestens 30 cm Regen in einer Nacht gefallen. Vsevolod beschwert sich über Wasser in seinem Bett. Neben Thomas Bett steht auch Wasser. Thomas verbringt die nächsten zwei Tage damit die Lecks genau zu orten und zu stopfen. Dabei baut er zwei Deckenverkleidungen auseinander, klebt mit Epoxy, spritzt mit Silikon. Nach einem langen Tageskampf ist Thomas verzweifelt: das Leck im Schafzimmer kann er nicht finden, das Leck im Jungenzimmer kann er nicht schließen, weil es den ganzen Tag ohne Unterbrechung regnet und dadurch das Epoxy nicht hält.

Die Kinder lassen sich vom Regen nicht einschüchtern. Ein Trupp Indianer schminkt sich und zieht in den Wald. Im Kampf gegen mannshohen "Riesenrhabarber" gehen alle Waffen zu Bruch. Für den nächsten Morgen ist Ablegen angesagt. Thomas macht sich Sorgen, dass wir den Südwind verpasst haben, und morgen im Canal Moraleda nicht segeln, sondern stehen können. Natalya ist dagegen optimistisch und erhofft sich günstige westliche Winde. Mal sehen, wer Recht behält.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 15. April 2016 von in Uncategorized.
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