SY Outer Rim – A Family's Sailing Adventure

Sailing across the world's oceans with four kids

Sand, Strand und Tierleben am Canal Pulluche

(06.04.0216 – Tag 685 – 12.539 sm)

Auch wenn die Bucht von Caleta Millabu recht groß ist gestaltet sich das Ankern hier schwieriger als gedacht. Das ist einer der seltenen Fälle, bei denen wir mehr als einmal probieren müssen. Wegen der Versuchung möglichst nah ans schützende Ufer zu kommen, landen wir beim ersten Ankerversuch zu nah an den Felsen, die sich unter Wasser versteckt haben. Also wieder Anker hoch und nochmal etwas weiter draußen setzen.

In den letzten Wochen sind wir deutlich weiter nach Norden gekommen. Hier wird der Tidenhub immer größer. Das heißt jetzt, dass was bei Hochwasser ziemlich tief versteckt ist kann bei Niedrigwasser weit herausschauen. Als die Ebbe das Wasser aus unserer Bucht herauszieht, enthüllt sie einen langen weißen Sandstrand. Unsere Kinder sind begeistert, so etwas haben sie schon lange nicht mehr gehabt. Sie packen ihre Schaufeln ein und ziehen aus, um Burgen im Sand zu bauen. Das Wasser ist so flach, dass wir einige Meter vor dem Ufer schon aussteigen müssen, und das Dinghy dann sicherheitshalber an Land schleppen.

Während die Kinder begeistert im Sand buddeln, machen sich Natalya und Thomas auf den Weg zum Wasserfall hinter dem Strand. Ausnahmsweise wird es keine wilde Expedition, ein gut erkennbarer und teils sogar mit Bändchen markierter Trampelpfad führt uns durch den Wald und den Berg hinauf. Das herunterstürzende Wasser glänzt und funkelt im strahlenden Sonnenschein. Wir versuchen weiter aufzusteigen zu den Seen, die den Wasserfall speisen, aber irgendwann hört der Pfad auf zu existieren. Nach zwei Nachtfahrten sind wir für eine wilde Querfeldein-Tour heute zu müde. Wir begnügen uns mit dem Blick von oben auf den Estero Clemento und die Inseln im Hintergrund. Danach machen wir uns auf den Rückweg und setzten uns zu den Kindern.

Sie haben in einer der Pfützen, die das zurückziehende Wasser hinterlassen hat, Krabben entdeckt und sind damit beschäftigt, sie auszubuddeln. Die Krabben sehen witzig aus. Auf dem Panzer ist eine Art Fratze, mit Augen und Mund zu erkennen. Franka versucht einer großen Qualle das Leben zu retten. Das Tier ist gestrandet und liegt hilflos im Sand. Mit Natalyas Hilfe dreht sie den puddingartigen Körper wieder richtig herum und schiebt es vorsichtig ins Wasser. Die riesigen Quallen scheinen mit flachen Stränden nicht wirklich gut umgehen zu können.

Zurück am Bord überlegen wir, ob wir angesichts des nahenden Starkwindes in einer engeren Caleta Schutz suchen oder doch am schönen Stand bleiben sollen und dafür frei vor Anker liegend möglicherweise den starken Böen ausgesetzt werden. Wir entscheiden uns gegen Strand und für Sicherheit und Komfort und verlegen in die Caleta Saudade, die vom Revierführer als "hurricane-proof" angepriesen wird. Als wir dort ankommen, denken wir: nur gut, dass wir keinen wirklichen Hurrican im Nacken haben. Die Caleta an sich liegt relativ ungeschützt, nur eine klitzekleine Ausbuchtung bietet im Falle schlechten Wetters ausreichend Schutz. Klitzeklein heißt dabei, dass wir in diese Mulde nur etwa zu einem Drittel hineinpassen. Der Bug liegt relativ ungeschützt draußen. Wir legen vier Landleinen und verholen das Boot so weit es geht zum Ufer. Ist aber kein Problem, wir erwarten vielleicht ein paar Böen und frischen Wind, aber kein wirklich bedrohliches Unwetter.

Am nächsten Tag kommt tatsächlich etwas Schwell in die kleine Bucht und lässt die Outer Rim ein wenig schaukeln. Zum Glück brechen die meisten Wellen an der Untiefe vor der Einfahrt. Natalya und Thomas steigen auf den Hügel, um einen freien Blick auf den Canal Pulluche zu bekommen. Auf dem Rückweg sammelt Natalya am Ufer ein Paar Seeigel und Schnecken um sie den Kindern zu zeigen. Sie legt sie als Streichelzoo auf dem Achterdeck aus. Als unsere Kinder sehen, dass die stacheligen Seebewohner total ungefährlich sind, schmeißen sie sofort den ganzen Zoo ins Wasser. Sie springen ins Dinghy und wollen selber welche fangen. Mit einer Sandschaufel bewaffnet suchen sie begeistert die steinigen Ufern nach Tieren ab. Sie fangen Seesterne und Seeigel in einen Eimer, stellen dabei fest, dass die Seesterne sich darüber sehr freuen und versuchen, die restlichen Tiere im Eimer aufzufressen. Die Gefräßigen werden wieder ins Wasser geschmissen. Ab sofort werden sie getrennt gesammelt. Franka überwindet Vorsicht und Ekel und fasst die Tiere gleich mit der Hand an. Arvid ist auch voll dabei und versucht die ganze Zeit den Eimer mit den Gefangenen wieder ins Meer zu kippen. Am Ende der Expedition werden die Trophäen stolz den Eltern vorgeführt und wieder frei gelassen. Die Tiere sind so spannend, dass die Kinder dem schönen weißen Strand kein einziges Mal nachtrauern.

Wir entscheiden uns dafür, einen Tag länger hier zu bleiben und werden sofort belohnt. Der Tag wird zu einem wahren Anschaungsunterricht für das Wildleben hier. Bereits früh am Morgen entdecken wir einen roten Octopus, der um unser Boot herum kreist. Ganz grazil gleitet er durch das Wasser, spreizt seine Tentakeln wie einen Mantel um sich herum und zieht sich wieder zusammen. An den Seiten sind zwei blaue Augen zu erkennen. Das Wasser ist so klar, dass wir beobachten können, unter welchem Stein sich das Tier versteckt hat. Kaum hat sich der Octopus zurückgezogen nähern sich zwei Fischotter. Einer von ihnen schwimmt ganz nah an uns heran, lässt sich durch die Anwesenheit von Menschen nicht stören und durchsucht sein Jagdrevier nach Fressbarem. Ab und zu taucht er mit Beute auf und schmatzt appetitlich dabei.

Am Nachmittag wecken komische Geräusche unsere Aufmerksamkeit. Natalya kommt an Deck und entdeckt einen Seelöwen im Wasser vor der kleinen Insel am Eingang der Bucht. Nur warum schreit das Tier so? Es ist ganz sicher ein Weibchen, und normalerweise brüllen sie gar nicht. Das ist der Privileg der Männchen. Moment mal, das ist doch nicht das Weibchen, das so brüllt. Auf der Insel bewegt sich noch was: klein und wesentlich dunkler – ein Baby! Das schreit dauernd! Natalya holt sich ein Fernglas und setzt sich an den Bug, um das Spektakel zu beobachten. Die Mutter versucht das Kleine ins Wasser zu bringen. Der eigensinnige Sprössling weigert sich vehement und bleibt an Land. Schließlich gibt die Mutter auf, legt sich resigniert neben dem Jungen hin. Das Baby ergreift sofort die Gelegenheit und fängt zu saugen an: "Ich habe doch gesagt, zuerst essen, dann schwimmen!"

In der plötzlichen Stille hört man nur die vorsichtigen Padelnschläge von Thomas, der mit den Kinder an die Tiere im Dinghy heranschleicht. Auch hier kommen sie ganz nah, ohne das Paar zu stören. Sie können beobachten, wie die Mutter das Kleine säugt und sie miteinander schmusen. Doch irgendwann wird es der Mutter dann doch zu viel und sie springt ins Wasser. Das Baby bleibt erstmal am Ufer, dann folgt es mit gut sichtbarem Unwillen. Zuerst schwimmt es auf dem Rücken der Mutter, dann paddelt es munter selbst.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 6. April 2016 von in Uncategorized.
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