SY Outer Rim – A Family's Sailing Adventure

Sailing across the world's oceans with four kids

Hunde und Katzen in Puerto Eden

(19.03.2016 – Tag 667 – 12.151 sm)

Auf dem Weg nach Puerto Eden melden sich unsere Großen mehrmals und fragen, ob wir bei diesem oder jenem schönem Fleckchen Natur nicht ankern könnten. Das Wetter ist perfekt, wir können einige Meilen sogar segeln, daher entscheiden wir uns doch gegen einen Zwischenstopp und fahren direkt bis Puerto Eden durch. Kurz vor dem Ort meldet sich Natalya bei der dortigen Armadastation. Die Besatzung ist sehr freundlich, fragt gar nicht nach „wer, warum und wieso“, und will lediglich unser Rufzeichen wissen.

Zu unserer Überraschung schaut aus der Bucht ein Mast heraus. Die Segelyacht haben wir schon in Puerto Williams kennen gelernt. Damit wird das Ankern in der kleinen Bucht anspruchsvoller, aber nicht kritisch. Der erste Ankerversuch scheitert, der Anker hält im felsigen Grund nicht. Beim zweiten Versuch sieht es besser aus. Thomas steigt ins Dinghy, um uns bei der Capitania anzumelden. Das ist schnell und unbürokratisch erledigt.

Es ist noch früher Nachmittag und wir gehen alle an Land, um einen Dorfrundgang zu machen. Hier gibt es keine Straßen, nur etwa ein Meter breite Holzstege für Fußgänger. Daran sind alle Häuse des Ortes aufgereiht wie Perlen an einer Kette. Es regnet hier so viel, dass jede andere Art Straße im Matsch versinken würde. Das größte und modernste Gebäude ist die Schule/Kindergarten. Sie ist etwa so groß wie die Schule in Icking mit mehr als 120 Kindern, hat aber 5 Kinder im Kindergarten und eine unwesentlich größere Zahl an Schulkindern. Als wir an der Schule vorbeigehen, fragt uns der Hausmeister, ob wir frische Früchte kaufen wollen. Als Nebenjob unterhält er einen Laden. Wir vertrösten ihn auf später und setzen unseren Rundgang fort.

Einige große Hunde laufen uns hinterher und wollen von den Kindern immer wieder gestreichelt werden. Die Stege sind an manchen Stellen glitschig, unsere Kinder rutschen auf dem nassen Holz mehrmals aus. Arvid rutscht dabei sogar ganz vom Steg ab, einen halben Meter runter ins Gebüsch. Die kleinen bunten Häuser wirken eher bescheiden. Von Ordnung im Vorgarten hält man hier nicht viel. Es ist nicht Lebensmittelmüll, der das Bild versaut, sondern alle möglichen ausrangierten Gebrauchsgegenstände, die scheinbar einfach dort liegen bleiben wo sie beim letzten mal gebraucht wurden. In einer guten halben Stunde haben wir das kleine Dorf umrundet und sind wieder vor dem Steg mit unserem Dinghy angelangt.

Am nächsten Tag versuchen wir in der Schule Internet zu bekommen. Angeblich ist dieses öffentlich und für alle verfügbar. Wir bekommen aber gesagt, dass es bis April nicht funktioniert, weil keiner den Raum aufsperren kann.

Die bunte Kindergartentür nebenan erweckt Arvids Neugier. Als er durch das Glas hineinschaut, kommt ihm eine freundliche junge Erzieherin entgegen. Natalya erklärt ihr mit ihrem dürftigen Spanisch, dass der kleine Kerl auf dem Boot lebt und noch nie einen Kindergarten von Innen gesehen hat. Die Erzieherin bittet uns hereinzukommen. Arvid stürmt mit Begeisterung in den Raum, Natalya schafft es gerade noch, ihm die Gummistiefel auszuziehen. Er ist beeindruckt vom Spielsachenangebot, geht kerzengerade zu den Regalen und schaut in die Kisten hinein. Dann setzt er sich mit den ausgesuchten Schätzen zu den anderen Kindern und spielt. Als die Übungsstunde für die Vorführung zu einem Jubiläum der Polizei im April anfängt, versucht Natalya Arvid zu überzeugen, dass es Zeit zu gehen ist. Aber Arvid will gar nicht gehen, es ist so spannend dort. Erst der Vorschlag zum Supermarkt zu gehen und frische Tomaten zu kaufen bewegt ihn zur Tür.

Da sind wir froh, dass die Tomaten, die wir gestern in dem kleinen Dorfladen gesehen haben, noch keiner vor uns gekauft hat. Sie sind überraschend frisch und schmackhaft. Auf dem Weg fragen uns Fischer, ob wie Königskrabben kaufen wollen. Wir wissen nicht wie man sie zubereitet, daher sagen wir erstmal: „Nein, wir hätten lieber Fisch.“ „Fisch haben wir nicht“, sagt der eine. Dabei ist er damit beschäftigt einige Fische klein zu hacken, um aus denen Köder für die Krabbenfallen zu machen. Man fragt sich schon, wovon sich die Einheimischen ernähren. Im Garten kann hier nicht wirklich viel wachsen. Auswahl und Preis des Gemüses im Dorfladen sprechen eher dafür, dass sie eher von seltenen Tourissten gekauft werden. Dafür gibt es die volle Palette alkoholischer Getränke zu kaufen. Deren Auswahl übersteigt die anderen Lebensmitteln um Größenordnungen. Einige Gestalten, denen wir in der Nähe des Supermarktes begegnen, zeigen dass nicht alle mit so einem Überfluss an Alkohol gepaart mit Mangel an anderen Unterhaltungen gut zurecht kommen.

Auf dem Rückweg zum Boot entdecken die Kinder einen kleinen Spielplatz und wollen länger bleiben. Der Spielplatz wird schnell langweilig, die Rutsche ist so eng, dass nur Arivd durchpasst. Dafür sind die Katzen und Hunde wieder zum Streicheln da. Was für eine Abwechslung, keine Seehunde, sondern richtige Hunde. Einer besitzt so einen großen Kopf wie ein Bär, ist aber ganz lieb und harmlos und lässt sich gerne streicheln. Die Kinder finden schnell raus, wie alle Tiere heißen und sprechen jedes mit seinem Namen an. Talora bekommt eine Handvoll Hundefutter, damit sie sich mit den Tieren noch besser anfreunden kann.

Zuhause kämpft Natalya gegen die Königskrabben, die wir Mangels Alternativen doch für ein festliches Geburtstagsessen gekauft haben. Zum Glück muss sie die Tiere nicht eigenhändig töten. Als die Delikatesse neben dampfenden Kartoffeln auf dem Tisch kommt, jammern unsere Kinder, dass Kartoffeln mit Ketchup ihnen wesentlich lieber wären. Undank ist der Welten Lohn.

Die kleine Bucht wird immer voller. Kurz nacheinander kommen zwei weitere Segelboote, die sich neben uns in die Bucht quetschen. Zum Glück ist das Wetter eher ruhig. Die zu enge Nachbarschaft stellt keine Gefahr da. Während sich die Kinder mit den Schulaufgaben beschäftigen, meldet Vsevolod ein weiteres Schiff – die Riesenfähre von Navimag, die hier zwei Mal die Woche ankommt. Vsevolod überlegt, wie sie noch zwischen den Segelbooten an den Steg kommt. Währenddessen geht die Fähre in einiger Entfernung vor Anker. Die kleinen des Ortes Holzboote strömen aus dem Hafen zur Fähre und holen Passagiere und Kisten ab. Man muss sich das erstmal vorstellen können. In dem Dorf kann man keine Kleidung, keine Möbel und auch sonst nichts kaufen. Alles wird mit der Fähre aus Puerto Montt (1.000 km entfernt) oder Puerto Natales (400 km entfernt) geliefert. Das ist auch unwahrscheinlich, dass die gewünschten Waren mit einem Klick auf Amazon bestellt und bezahlt werden können. Internetmöglichkeiten sind hier eher begrenzt, und Mobiltelefon gibt erst seit einigen Jahren. Was für ein Aufwand! Was macht man hier wenn man Zahnschmerzen hat? Vermutlich eine Woche auf die Fähre warten und dann zwei Tage unterwegs sein. In einem schweren Notfall wird die chileinische Armada, die sehr zuverlässig und effizient funktionert, sicherlich zur Hilfe stehen und einen schnelleren Weg in die Zivilisation finden.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 19. März 2016 von in Uncategorized.
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