SY Outer Rim – A Family's Sailing Adventure

Sailing across the world's oceans with four kids

Eisberg-Klettern am Amalia-Gletscher

(04.03.2016 – Tag 653 – 11.945 sm)

Auch wenn das Wetter nicht ideal ist, entscheiden wir uns nach dem Mittagessen spontan zum Gletscher auf der gegenüberliegenden Seite der Bucht zu fahren. Wir haben gelernt, dass man hier Wetterfenster nutzen muss, wenn sie sich öffnen. Morgen könnte es noch schlechter sein.

Unser Revierführer spricht zwar von 3 Meilen Entfernung, tatsächlich ist die Strecke aber mehr als doppelt so lang. Natalya steht am Bug Eiswache. Zum Glück haben wir Nordwind, und die meisten Eisschollen werden ans Südufer der Bucht gedrückt. Das heißt aber nicht, dass der Weg vollkommen eisfrei ist. Wir fahren an einigen großen Eisschollen vorbei und halten besonders nach den kleinen Eisbrocken Ausschau, weil sie nur knapp über der Wasseroberfläche schwimmen, und zum Teil ganz farblos sind, sieht man sie oft erst kurz vor dem Bug. Thomas lässt den Anker herunter, damit dieser notfalls einen Teil des Schlages aufnimmt.

Einige Pealedelfine tauchen vor uns auf und reiten fröhlich und vergnügt auf unseren Bugwellen. Einer legt sich direkt unter unserem Bug auf die Seite und gleitet mit dem Boot mit. Natalya kann dem Tier direkt ins Auge sehen. Dabei ist es gar nicht einfach, sich auf die Eiswache zu konzentrieren: direkt vor uns liegt ein überwältigender Gletscher, vor dem Bug springt ein halbes Dutzend Delfine, vier Kinder zappeln ganz aufgeregt an Deck und wissen auch nicht, ob sie die Gletscherwand, die Delfine oder die Eisberge zuerst anschauen sollen.

Wir halten einige Meter vor der Gletscherwand an und lassen sie auf uns wirken. Es dauert nicht lange bis es kracht, unter ohrenbetäubenden Tosen stürzen einige Brocken Eis von der Wand herab ins Meer. Arvid ist der Meinung der Krach kommt von einem Lastwagen, der seine Ladung ausgekippt hat. Alle sind gespannt, ob der Gletscher noch mal kalbt und starren ihn gebannt an. Bei der Ausdehnung von etwa 3 Kilometern ist es keine leichte Aufgabe vorauszusagen, wo es beim nächsten Mal passiert. Überall hört man Grollen und Krachen, was aber auch aus dem Inneren des Gletschers kommt. Und dann braucht der Schall ja einige Zeit, um uns zu erreichen. Wenn man das Abbrechen hört, ist es meist schon vorbei.

Uns bläst die kalte Gletscherluft entgegen. Die Kinder frieren und rennen unter Deck, um sich schnell Mützen und Handschuhe zu holen. Keiner will das nächste Kalben verpassen. Es dauert tatsächlich nicht lange, und es kracht erneut. Am südlichen Rand der Gletscher bricht ein massiver Eisberg ab und verursacht beim Aufprall eine riesige Fontäne, entsprechend von Donnern begleitet. Thomas zerreißt sich zwischen dem Fotografieren und der Notwendigkeit das Boot zwischen der Eisschollen manövrieren zu müssen. Mehr als ein Mal kommen wir dem schwimmenden Eis zu nah und müssen die Outer Rim wieder in Sicherheit bringen. Spätestens alle fünf Minuten kalbt der Gletscher.

Die Sonne kommt kurz raus und lässt die Eiswand prächtig leuchten. Natalya und unsere zwei Großen steigen ins Schlauchboot und rudern zu einem großen Eisberg in der Nähe. Um sie herum zischt leise und unheimlich das im wärmeren Meerwasser schmelzende Eis. Natalya versucht auf den Eisberg zu klettern, die Eiskante bricht unter ihrem Fuß ab. Der zweite Versuch ist erfolgreicher. Sich an der Dinghyleine festhaltend kommen auch Franka und Vsevolod auf den Eisberg. Was von der Outer Rim als ein relativ kleiner Eisberg aussieht, ist in Wirklichkeit etwa 5-7 Meter hoch. Man kann leicht ausrechnen, dass sich mindestens weitere 40 Meter des Eisbergs unter Wasser befinden! Das sind Dimensionen der Natur…

Die Delfine langweilen sich und fangen an mit kleineren Eisschollen um unseren Eisberg herumzuspielen. Natalya wird unruhig, man kann nicht wirklich rational abschätzen, wann und wie so ein Eisberg zerfällt. Wirklich dick erscheint er in der Mitte nicht mehr. Das Beibootteam steigt wieder ins Dinghy und rudert in ein dichtes Feld mit Eisbrocken hinein. Die Kinder sind unruhig – nicht dass Mama das geliebte Dinghy zur Schrott fährt! Natalya überzeugt sie, das dem Boot nichts passieren kann.

Dann beginnen die Kinder interessiert das schwimmende Eis zu beobachten. Manche Brocken sind ganz durchsichtig. Deren Oberfläche besteht aus vielen kreisrunden Mulden. Tief im Inneren enthalten sie eingefrorene Tiere. Es ist schwer zu bestimmen, was für eine Art das ist. Das Eis verzehrt und vergrößert die Bilder. Wir einigen uns darauf, dass die meisten Einschlüsse wie kleine Tintenfische aussehen. Aber wie kommen sie denn in das Eis? Andere Eisschollen sind dagegen tiefblau, und wirken eher wie Schnee. Die Kinder versuchen begeistert einige Eisproben aus dem Meer herauszufischen und ins Boot zu heben. Mann, sind die Teile schwer! Mit einiger Mühe holen wir für Arivd, der das Eis liebt, einige ganz kleine Stücke ins Dinghy.

Nach einiger Zeit entscheiden wir uns für den Rückweg und rudern aus dem Eisfeld raus. Thomas kommt mit der Outer Rim uns entgegen. In dem Glauben, dass er uns abholen möchte bleiben wir stehen. Aber nein, er weicht nur dem Eis aus, bremst zu spät ab. Natalya und die Kinder sitzen im Dinghy und sehen die Outer Rim auf sich zu rasen. So schnell können sie gar nicht aus dem Weg rudern. Zum Glück haben wir ein Schlauchboot und kein Holzboot. Das Dinghy prallt gegen das Heck der Outer Rim. Die Luft im Schlauch federt den Aufprall ab. Es ist nichts passiert, nur ein kleiner Schreck.

Vorsichtig manövriert Thomas die Outer Rim aus dem Eisfeld wieder heraus. Wir segeln am Wind kreuzend wieder zurück in die Bucht. Auch wenn wir dadurch dreimal so lange brauchen wie unter Motor hilft uns die Ruhe, die Eindrücke des Gletscherbesuchs zu verarbeiten. Die ganze Strecke begleitet uns ein Pealedelfin. Obwohl wir für seine Verhältnisse ziemlich langsam sind, findet er richtig Gefallen daran, uns zu begleiten. Er schnellt nach vorne, überholt uns, dreht Kreise und kommt von hinten wieder zurück.

Am nächsten Tag gehen wir zum Strand. Die Kinder buddeln begeistert im Sand. Natalya und Thomas umrunden die Bucht. Ein Otter schwimmt im Wasser und beobachtet das Geschehen aufmerksam. Leider ist die Beerenzeit vorbei. Natalya findet nur vereinzelte Beeren. Als wir zurück zur Outer Rim kommen, kreuzt eine Entenfamilie mit fünf Küken unseren Weg. Am Boot erwartet uns eine Seelöwin. Sie spielt mit uns Verstecken, taucht mal links, mal rechts vom Boot auf und schaut uns neugierig an.

Ein Kommentar zu “Eisberg-Klettern am Amalia-Gletscher

  1. Oliver Peschkes
    19. März 2016

    Wahnsinn!!!

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 4. März 2016 von in Uncategorized.
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