SY Outer Rim – A Family's Sailing Adventure

Sailing across the world's oceans with four kids

Seelöwen-Badetag

(14.02.2016 – Tag 633 – 11.722 sm)

Die Schlechtwetterküche zeigt sich gerade von seiner besten Seite. Nicht nur, dass es regnet wie aus Eimern. Sie holt gerade Luft, um uns in den nächsten Tagen mit Winden über 40 Knoten, also Sturm, einzuheizen. Der Luftdruck fällt seit geraumer Zeit fast kontinuierlich. Heute verspricht der Wetterbericht noch moderaten Wind, danach wird es ordentlich blasen. Wenn wir keine weitere Woche in dem Fjord verbringen wollen, müssen wir heute verlegen.

Um 7 Uhr früh klingelt der Wecker. Es ist saukalt im Boot – einstellige Morgentemperaturen hatten wir schon länger nicht mehr. Was kann man anderes erwarten, wenn man zwischen zwei großen Gletschern und unterhalb eines riesigen Eisfeldes liegt Nach dem Frühstück werden die Leinen gelöst. Die Outer Rim gleitet (Mal wieder) unter Motor durch das ruhige Wasser dem Ausgang des Fjords entgegen. Einige Delfine tauchen neben uns auf und begleiten uns eine Zeit lang. Dieses mal sind sie gar nicht so verspielt, sondern ziemlich träge. Noch nicht richtig wach?

Der Wind wird besser … die Genua geht hoch. Segeln ist zwar angenehmer, aber hier wesentlich anstrengender als Motoren. Von wegen stetiger Nordwind. Aus jeder Einbuchtung im Estero kommen unterschiedliche Fallwinde. Mal von der einen, dann von der anderen Seite. Man eiert auf Schlangenlinien durch den Fjord, um das Back-Stehen des Segels zu vermeiden. Und dann ist der Wind auch noch böig. Von 5 auf 25 Knoten innerhalb von Sekunden … und genauso schnell wieder abgeflaut. Mal düst man mit 9 Knoten durch das Wasser, dann wieder dümpelt man mit 2 Knoten vor sich hin. Wir freuen uns dennoch über jede gesegelte Meile. Bis hierher haben wir für Patagonien-Segler auch eine sehr hohe Segel-Quote von über einem Drittel der Strecke erreicht … immerhin über 200 Meilen unter Segel seit Ushuaia.

Wir besprechen nochmals, welchen der beiden möglichen Wege wir nach Puerto Natales einschlagen. Thomas würde gerne durch den Canal Santa Maria fahren. Das bedeutet eine längere Strecke für heute. Natalya will in Erwartung des Starkwindes möglichst früh ankommen und möchte daher in den Canal Kirke. Schließlich entscheiden wir uns für Kirke. Wenn wir aus Puerto Natales wieder zurück kommen, haben wir vor, auch die andere Route auszuprobieren. Fast die ganze Strecke regnet es. Für kurze Augenblicke kommt am Schluss die Sonne heraus. Zwei Fischer kommen uns entgegen und hupen und winken freundlich zur Begrüßung.

Schon einige Meilen vor der Engstelle – der Angostura Kirke – treffen wir auf eine mächtige Strömung, die gegen uns arbeitet. Durch die zwei Engstellen, die zusammen gerechnet etwa 100 Meter breit sind, strömt das gesamte Wasser der umliegenden Berge aus dem Hinterland Richtung Pazifik. In den Engstellen selber sind Strömungen von über 10 Knoten zu erwarten. Auf der anderen Seite schiebt die mächtige Flut das pazifische Wasser in die Engstelle hinein. Daher können wir nur in den kurzen Augenblicken stehenden Wassers sicher passieren, wenn die Wechselwirkung zwischen dieser zwei Kräfte das Wasser kurz zum Stillstand bringen. Die Passage der Engstelle haben wir aber erst für die nächsten Tage geplant.

Wir fahren an einer kleinen bewaldeten Insel vorbei. Am Ufer können wir einige Seelöwen und Seeelefanten ausmachen … und wenn wir sie nicht gesehen hätten, könnten wir die Tiere spätestens jetzt riechen. Wie es bei denen stinkt! Unzählige Vögel treiben auf der Wasseroberfläche mächtige Albatrose, pechschwarze Sturmvögel, Kormorane und einige, deren Namen wir noch nicht kennen.

Die Caleta Desaparecidos, die wir uns für heute ausgesucht haben, ist im Revierführer als sehr eng beschrieben. Deshalb machen wir uns große Sorgen, als der Wind kurz vor dem Ankerplatz auf 20-25 Knoten auffrischt. Werden wir überhaupt anlegen können? Zum Glück ist die Caleta doch etwas breiter, als erwartet. Die Zeichnung und die Beschreibung im Buch sind eher irreführend. In Bezug auf den kommenden Starkwind ist das nicht wirklich vorteilhaft, aber jetzt beim Anlegen fällt uns ein Stein vom Herzen. Schnell sind die Leinen ausgebracht, an Bäumen zum Befestigen besteht hier kein Mangel. Auch hier schauen uns wieder Delfine bei der Arbeit zu.

Da es weiterhin ununterbrochen und in Strömen regnet, bleiben wir heute Nachmittag im Boot, backen einen Sonntagskuchen und beobachten die Natur durch die Fensterscheiben. Unsere ganzen Klamotten sind noch feucht, und werden nicht mehr richtig trocken. Natalya versucht Puerto Natales über Kanal 16 zu erreichen. Obwohl sie keine Antwort erhält, übermittelt sie in der Hoffnung, doch gehört zu werden, unsere Position. Laut unserer Zarpe sollen wir morgen schon in Puerto Natales sein und das werden wir nicht schaffen. Wir wollen ja nicht, dass die Armada uns suchen muss.

Gegen Abend gehen Natalya und Thomas raus, um eine zusätzliche Leine als Sicherung für den Starkwind auszubringen. Als wir mit dem Dinghy herausrudern, hören wir lautes Schnaufen und Prusten. Wir lugen um die Ecke und entdecken Seelöwen, die vergnügt im Wasser turnen. Einige Zeit beobachten wir sie gespannt, überlegen ob wir eine Kamera holen. Dann wird unser Leinen-Seelöwen-Manöver durch die Annäherung eines Schnellbootes unterbrochen. Wir bekommen Besuch ein Boot der chilenischen Küstenrettung, mit zwei breit lächelnden Männern in Überlebensanzügen an Bord. Wir paddeln ihnen ein Stück entgegen, dann gehen wir mit dem Beiboot längsseits. Sie sprechen kein Englisch, und mit unsrem dürftigen Spanisch können wir verstehen, dass sie unseren Funkspruch aufgefangen und nicht ganz verstanden haben. Daher düsten sie gleich durch die Engstelle und Wildwasser durch, um nach dem Rechten zu schauen. Die freundlichen Männer erkundigten sich, ob wir was brauchen und versicherten uns die Kontrollstation in Puerto Natales per Telefon anzurufen und unsere Position zu übermitteln.

Die Männer düsen zurück, und wir wenden uns wieder unseren Seelöwen zu. Mittlerweile hat sich eine staatliche Gruppe zusammengefunden, sicher 30 oder mehr Tiere. Sie halten sich in unserer Nähe auf, recken den Hals und beobachten uns ganz neugierig. Mit der Zeit kommen sie immer näher, die Hinteren drängeln in der Vordergrund. Einige Tiere tauchen unter unserem Dinghy, tauchen auf der anderen Seite wieder auf und brüllen uns interessiert oder herausfordernd dan. Sie schubsen und drängeln untereinander Schau, ich hab hier die schönsten Flossen!. Eines der Tiere springt direkt vor unserem Dinghy aus dem Wasser und macht eine Rolle. Das alles passiert in wenigen Metern Abstand von uns, teilweise kommen die Tiere auf einen Meter an uns heran. Lange Zeit bleiben wir still inmitten des Getümmels sitzen, und genießen die Aufführung.

Danach gehen wir noch ans Land, essen ein Paar Beeren, tüfteln an den Leinen. Auch wenn es weiterhin regnet, verlieren die Landschaft und die reiche Tierwelt hier nicht an ihrer Anziehungskraft. Nur die Klamotten sollen irgenwann mal wieder trocken werden.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 14. Februar 2016 von in Uncategorized.
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