SY Outer Rim – A Family's Sailing Adventure

Sailing across the world's oceans with four kids

Ankerspaß in Puerto Angosto

Puerto Angosto
(31.01.2016 – Tag 620 – 11.541 sm)

In Pueto Angosto machen wir unsere erste nähere Bekanntschaft mit Williwaws, den Starkwindböen. Schon in unserem Revierführer steht, dass man diesen langgestreckten, engen und steilwandigen Fjord lieber bei gutem Wetter aufsuchen sollte. Wir halten uns an die Empfehlung und fahren an einem perfekten, für hiesige Verhältnisse fast windstillen Tag hinein. Die Fischer haben an einem der Felsen zwei Tonnen angebracht, an denen wir unsere Heckleinen befestigen. Der Anker liegt auf 25 m auf Felsengrund. Das Böse ahnend bringen wir noch eine Bugleine aus.

Als wir am Abend bei einem Kinoabend im Salon sitzen, fängt es auf einmal heftig an zu blasen. Hoffen wir, dass die Tonnen halten. Satte Windböen fallen den Berg herunter und heulen in unserem Mast. Unsere Ankergeschirr fängt an, ratternde Geräusche von sich zu geben. Wir vermuten, dass die Kette an den Steinen rasselt und gehen nicht weiter darauf ein.

Am nächsten Tag scheint morgens die Sonne und die Kinder verlegen ihre Schule auf den Nachmittag, um am Vormittag ans Land zu gehen. Bis wir aber mit dem Frühstück fertig sind und uns angezogen haben regnet es. „Macht nichts“, beschließen die Kinder und wollen trotzdem lieber draußen spielen. In einer kleinen Bucht entdecken sie ein Bach, und lassen ihre Boote schwimmen. Das Bach wir begradigt und ausgehoben. Arvid beschäftigt sich fleißig mit Dammbau und geht ganz geschickt vor.

Der Grund des Fjords ist steinig und fällt ziemlich steil ab. Im etwa einem Meter tiefen Wasser am Strand können wir den Seesternen beim Frühstuck zuschauen. Sie schleichen an die Muscheln heran, und stülpen sich über einzelne Muscheln so, dass sie die Krustentiere vollständig einschließen.

Am Abend wiederholt sich die Geschichte. Die Böen heulen, die Kette rasselt. Wir gehen schlafen und hören zu. Am nächsten Morgen ist Ablegen angesagt. Die Leinen werden gelöst, der Anker eingeholt… und er ist gar nicht da, wo der Skipper ihn erwartet hat, sondern in 35 Metern Tiefe und achterlicher. Er ist also geslipt. Die Outer Rim wurde hauptsächlich durch die Bugleine gehalten. Nicht gut.

Wir fahren aus der Bucht in die Magellanstraße ein … und finden uns inmitten rauer See. Der Wind bläst mit über 30 Knoten, es hat sich ordentlich Welle aufgebaut. Der Skipper fährt eine 180 Grad-Wende und wir verstecken uns wieder im Fjord. Aber wo ankern? An der gleichen Stelle können wir nicht mehr anlegen. Die Felswand ist für die Windverhältnisse zu nah, außerdem hält der Anker dort nicht. Es bleibt nur eine zweite Ankermöglichkeit – eine kleine halbkreisförmige Einbuchtung. Wir fahren hinein, werfen den Anker und schicken das Leinenteam los mit der Bitte das Boot schnellstmöglich durch das Ausbringen der Luv-Leine zu stabilisieren. Sonst treiben wir auf das steinige Ufer zu. Es herrscht auflandiger Wind.

Rudern gegen den Wind und Anlanden am steinigen Ufer gestalten sich nicht so einfach. Es dauert doch ein wenig länger, als man sich wünschen würde. Zum Glück sitzt die Leine bald fest und hält uns vom Abdriften ab. Eine zweite Heckleine und eine Bugleine kommen dazu. Der Skipper stellt fest, dass der heftige Wind das Boot nun seitlich trifft und für eine unangenehmer Seitenlage sorgt. Er entscheidet sich, das Boot umzudrehen, und gibt das Kommando: „Alles wieder los! Wir ankern um.“ Natalya kann sich nicht überwinden und weigert sich die Luv-Leine zu lösen. Sie ist steif wie Beton und hält uns vom Abdriften ab. Nach langem Überlegen ändert Thomas seine Meinung und wir bleiben vorerst so liegen und sichern uns noch durch eine zweite Luv-Heckleine. Uff, das war ein Stress!

Als wir die elektronische Anzeige unseres Windmessers ablesen, stellen wir fest, dass die maximale Windgeschwindigkeit beim Ankermanöver bei 44 Knoten lag. Wie zutreffend, dass die Insel hier Isla Desolation heißt. Das ist doch bloß ein „milder“ Starkwind! Wie es in der Bucht aussieht, wenn draußen ein ausgewachsener Sturm tobt, will man eigentlich nicht wissen. Die Böen dauern den ganzen Tag an und kommen manchmal in Minutentakt. Unser Windgenerator heult bei ihrer Annäherung wie ein startendes Düsenflugzeug auf und produziert während des ganzen Tages einen Nettoschub an Strom. Immer wieder wird die Outer Rim ordentlich zur Seite gedrückt. Am Abend dreht der Wind, und die Böen greifen zu unserer Erleichterung nicht mehr von der Seite, sondern vom Heck an. Die Crew atmet auf.

Unser Irridium funktioniert im langen Fjord nicht, über Kanal 16 können wir auch keine Funk-Station erreichen, so können wir keine Wettervorhersage abrufen und bleiben erstmal für eine unbestimmte Zeit hier stecken. Die Kinder lassen sich von den harten Windverhältnissen nicht beeindrucken, die Jungs gehen zum Strand spielen. Arvid wird es nach einer Stunde zu bunt, Vsevolod bleibt den ganzen Nachmittag am Bach. Am Abend hört Natalya über den Kanal 16 ein großes Schiff, dass sich bei Paso Tortuoso weiter östlich meldet und fragt nach dem Wetterbericht für morgen. Die Antwort lautet: „30 Knoten aus Nordwest“. Wie tröstlich …

Die ganze Nacht heult es draußen wie wild. Erst gegen Morgen bessert sich das Wetter und es kommen nur einzelne Williwaws herunter. Sie sind auch nicht mehr so stark wie vorher. Am Nachmittag steigt Thomas auf den Berg, um einen Wetterbericht abrufen zu können. Er muss gleich zwei Mal die beschwerliche Strecke durch die dichte Vegetation und über die steilen Hänge zurücklegen, da eines der Kinder ein Kabel aus dem Telefon herausgezogen hat. Das zweite Mal geht Vsevolod auch mit und ist von der Wanderung restlos begeistert. Von oben kann man einen großen See beobachten, der hinter der Felskante direkt hinter uns liegt.

Die Wetterdaten sehen optimistisch aus. Der Sturm auf dem Pazifik hat sich ausgetobt, und in der nächsten Tagen sollte es ruhiger werden. Es ist auch draußen zu spüren. Das Wasser im Fjord ist spiegelglatt, alle drei Heckleinen hängen schlapp. Genau so eine Vorhersage brauchen wir um das schwere letzte Stück der Magellanstraße – Paso Tamar – passieren zu können.

Ein Kommentar zu “Ankerspaß in Puerto Angosto

  1. Steffen Meißner
    13. Februar 2016

    Hallo Thomas, grandios!!! Bin in Gedanken dabei! mit soooo viel Zeit herumzuzusegeln ist etwas ganz Besonderes. Schön, dass man auf diese Weise teilhaben kann, Bleibt immer schön gesund. Der Rest findet sich immer irgendwie.
    Was habt Ihr für einen Außenborder? kommst Du an die Vergaser ran?
    LG aus Stralsund, Steffen

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 31. Januar 2016 von in Uncategorized.
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