SY Outer Rim – A Family's Sailing Adventure

Sailing across the world's oceans with four kids

Sonne, Natur, Berge, Lagerfeuer und Stockbrot in der Caleta Alakush

(14.01.2016 – Tag 601 – 11.310 sm)

Wir liegen in der Caleta Beaulieu und können uns nicht entscheiden, wohin des Weges. Gerne würden wir noch einen weiteren Gletscher sehen. Ein spektakuläres Exemplar und angeblich einer der schönste Fjorde in der Gegend – der Seno Garibaldi – liegt zwar auf dem Weg, aber man muss 11 Meilen unter Motor hineinfahren. Man hatte uns schon gewarnt, dass dort häufig viel Eis den Weg versperrt. Ohne im Voraus wissen zu können, wie viel Eis tatsächlich im Fjord treibt, ist es ein zeit- und (vor allem) Diesel-aufwendiges Abenteuer mit ungewissem Ausgang. Die einzige Ankermöglichkeit in dem Fjord – Caleta Scherzo – ist weniger als 20 Meter breit. Unser Revierführer warnt dazu „the mooring must be done rapidly…“ Außerdem wies ein anderer Segler darauf hin, wir würden gar nicht in die Caleta hinein passen.

Unschlüssig wie es weiter geht tasten wir uns aus unserer geschützten Ankerbucht im Seno Pia heraus. Sofort werden wir von weißen Pferden auf den Wellen begrüßt. Südwestwind weht uns kräftig entgegen und sperrt das Eis in der Bucht ein, und dabei ist diese Bucht noch richtig breit. Bei so einer Lage sind unsere Chancen durch den wesentlich engeren Garibaldi-Fjord bis zu dem Gletscher durchzukommen eher gering. Die scharfen Kanten der Eisblöcke können hässliche Kratzer in GFK-Booten wie unserem hinterlassen. Wir stellen uns bildlich vor, wie wir nach 10 Meilen Motorfahrt statt des Gletschers nur Schneetreiben im Nebel bewundern oder vom Eis eingeschlossen sind und dann fluchend umdrehen. Wenn wir auch einige Aktionen dieser Art schon hinter uns haben, siegt dieses Mal die Vernunft. Wir verzichten auf ein Gletscherabenteuer. Die nahe gelegene Caleta Alakush ist unser nächstes Ziel.

Der Wind bleibt weiterhin kräftig, und nachdem das Eisfeld hinter uns liegt setzen wir Segel und kreuzen den Kanal hoch. Klar – von der Crew kommt wieder Murren über die Schräglage, aber der Skipper bleibt hart und geht auch nicht auf Wünsche nach einem früheren Stopp nach. Das Wetter ist ja auch prächtig, der Himmel weiß-blau und die umliegenden Berge leuchten weiß in den Brazo Nordoeste hinein.

Als wir in der Caleta ankommen, sind wir überrascht, wie eng sie tatsächlich ist. Innen drin ist kaum Platz zum Wenden, daher fahren wir rückwärts hinein. Von Ufer zum Ufer misst die Bucht etwa dreißig Meter. Der Wind bläst kräftig von hinten, mal kommt eine Bö von Backbord, mal von Steuerbord. Das heißt beim Landleinenmanöver ist Eile angesagt. Alles klappt dieses Mal schnell und zuverlässig. Nach weniger als einer halben Stunde liegt das Boot durch vier Landleinen befestigt sicher in der kleinen Caleta Alakush. Wir sind froh, dass wir uns gegen Caleta Scherzo entschieden haben. Es wäre bei dem Wind sicherlich kein Scherzchen gewesen dort anzulegen. Wir essen schnell zu Abend und haben noch genug Zeit für ein Lagerfeuer am Strand. Wir liegen direkt vor einem kleinen Strand, dahinter ein kleines Wäldchen. Auf der Insel sind leider frische Spuren lokaler Fischer zu entdecken. Einige dicke Bäume haben sie mit einer Motorsäge gefällt und verheizt. Dabei sägen selbst am Ast auf dem sie sitzen. Sobald alle Bäume weg sind, fegen kräftige Winde ungehindert durch die Bucht.

Am nächsten Morgen begrüßt uns leichter Regen. Soll es das mit dem schönen Wetter gewesen sein? Wir machen erst mal Schule. Nach und nach bessert sich das Wetter wieder. Es regnet nicht mehr und ab und zu lässt sich die Sonne blicken. Wir packen unser Notebook und das Satellitentelefon in den Rucksack und steigen in der Hoffnung einen zuverlässigen Empfang zu bekommen auf den höchsten Hügel. Mittlerweile sind wir Experten im Gummistiefelwandern. Hauptsache der Stiefel kommt wieder mit, nachdem man das Bein aus einem hüfttiefen Matschloch herausgezogen hat. Nach und nach verziehen sich die Wolken. Es ist windstill und absolut ruhig. Am Horizont türmen sich die Schneeberge. Das Wasser ist spiegelglatt. Was für perfekter Tag! Wir sitzen auf einer Insel mitten im Brazo Nordoeste und blicken staunend und teils ungläubig auf die atemberaubende Natur ringsherum.

Die Kinder hüpfen mit viel Freude wieder runter zur Ankerbucht. Heute ist Stockbrot-Grillen angesagt. Das können sie kaum abwarten. Fleißig sammeln sie Holz für das Feuer. Natalya bereitet an Bord den Teig vor. Auch ohne Feuer, ist es heute so warm, dass Jacken und Pullover ausgezogen werden und wir im T-Shirt draußen sein können. Was für eine Seltenheit! Arvid hat so einen Hunger, dass Thomas kaum mit dem Stockbrot hinterher kommt. Auch beim Grillen des vierten Brötchens beobachtet Arvid seinen Papa ganz genau und kommentiert: „Das ist nicht Papas, das ist meins!“

Franka und Uwe überlegen, ob der Puderzuckerhaufen hoch im Himmel zu einem Berg gehört, oder zu einer Wolke. Während wir am Feuer sitzen, verziehen sich auch die letzten Schlieren und geben die 2.500 m hohe Gipfel der Berge vollständig frei. Sie sind mächtig und komplett von Schnee, Eis und Gletschern bedeckt. Frischer Schnee glänzt auf ihren Gipfeln. Währenddessen schießen wir ein Bild nach dem anderen. Man kann ja dem Wetter nicht trauen. Wer weiß, ob wirklich später das Licht noch besser ist oder doch noch ein paar Wolken hereinziehen. Der Trend kann sich hier sehr schnell umkehren. Dann umhüllen Nebel und niedrige Wolken für Tage – und Wochen – die Berge so dicht, dass man ihre Existenz nur vermuten kann. Aber das bleibt uns heute erspart. Bis zum Sonnenuntergang sind alle Wolken restlos weg und wir erleben das rote Leuchten der Berge live mit und können es bis zum Schluss genießen.

Arvid und Talora spielen in einem eiskalten Bach. In Arvids Gummistiefeln schwappt Wasser, seine Ärmel sind bis zum Ellenbogen nass, aber er friert nicht. Die klimatischen Verhältnisse hier sind alles andere als einfach. Die Natur dagegen ist sehr freundlich und birgt kaum Gefahren in sich. Es gibt weder giftige Pflanzen noch gefährliche Tiere. Man hat das Gefühl, dass die Pflanzen und Tiere hier keine Kraft haben gegeneinander zu kämpfen. Sie sind voll und ganz mit dem Kampf gegen die Witterung beschäftigt. Unsere Kinder, auch der Kleinste dürfen den Wald auf eigene Faust entdecken. Das Wasser in der Caleta ist so sauber, dass wir jeden Stein, die Pflanzen und Muscheln am Grund sehen können. Auf dem Rückweg zu Outer Rim sichten wir einen weißen Seestern tief im Wasser und eine rosa Krabbe, die sich auf dem Kelp festhält. Morgen soll es genauso schön werden. Wir werden es als Gelegenheit nutzen und die nächste Strecke bis zur Caleta Brecknock unter Motor fahren.

Zum Abschluss noch ein redaktioneller Hinweis: Wir hatten in der letzten Zeit erhebliche Probleme mit unserem Satelliten-Mail-System. Ohne Hinweis darauf, welche Mail tatsächlich versandt wurde, brach die Verbindung immer wieder ab. Das führte zu viel Frust, unnötig vergeudeten (teuren) Online-Minuten und zu einigen Doppel-Postings. Für die mehrfach erschienenen Artikel bitten wir um Entschuldigung. Sobald wir Ende Februar wieder Internet-Zugang haben, werden wir Doppel-Postings löschen. Und dann gibt es auch wieder Bilder.

3 Kommentare zu “Sonne, Natur, Berge, Lagerfeuer und Stockbrot in der Caleta Alakush

  1. Hannes Wagner
    24. Januar 2016

    Hallo Thomas!
    Wir gratulieren Dir herzlich zu Deinem Geburtstag! Hoffentlich konntet ihr ein bisschen feiern!
    Ganz liebe Grüße auch von Simon, Marjaana und dem Rest der Familie!
    Passt auf euch auf!

    Hannes

  2. ulli Krüger
    25. Januar 2016

    Ja! Wir freuen uns schon auf die Bilder!
    Schöne Grüße
    Familie Krüger

  3. Stefanie
    25. Januar 2016

    Ja, wir freuen uns auch sehr auf die Bilder!
    Viele Grüße Stefanie und Philemon

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 14. Januar 2016 von in Uncategorized.
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