SY Outer Rim – A Family's Sailing Adventure

Sailing across the world's oceans with four kids

Saco do Forno – eine Übungsfahrt?

(Tag 440 – 8.168 sm)

„Bist du dir sicher, dass wir hier ankern können?“ fragt Natalya sichtlich nervös. Wir fahren in eine von steilen Felsen begrenzte Bucht ein. Auf beiden Seiten brechen die Wellen und stürzen viele Meter hoch die Felsen hinauf. Die Outer Rim bewegt sich unruhig durch die entstehenden Wirbel und Strömungen. „Nein, sicher nicht. Aber im Revierführer steht’s drin“ kommt die Antwort von Thomas. Also fahren wir vorsichtig weiter in die Bucht hinein. Nach einem leichten Knick nach rechts sehen wir einen kleinen Strand. Die See beruhigt sich sichtlich, die Wellen verlieren an Kraft. Mit Sonar und Tiefenmesser fahren wir Kreise, um die Tiefe vor dem Strand zu prüfen. Mit Felsen im Wasser gar nicht einfach. Letztlich bleibt ein Kreis von gut 80 Metern Platz, in dessen Mitte wir ankern. Mit 30 Meter Kette reicht das gerade für unseren Swojekreis.

Der Anker fällt, wir fahren in ein … und das erste Mal seit über einem Jahr hält er nicht auf Anhieb. Wir driften ab. Gerade hier. Also Anker wieder hoch und nochmal setzen. Dieses Mal lässt er sich gut einfahren und hält bombig. Wir stehen an Deck und beobachten das Schauspiel um uns herum. Auch neben unserem Ankerplatz rauschen noch Wellen an die Felsen. Die Outer Rim pendelt immer wieder in ihre Richtung. Immer diese Frage im Kopf: „Haben wir den Anker an der richtigen Stelle gesetzt? Reicht der Abstand?“ Nicht auszudenken, wenn wir mit dem Ruder einen Felsen treffen. Das im Hinterkopf und die am Heck schlagenden Wellen bringen uns dazu, in der Nacht noch einen Heckanker zu setzen, so dass der Bug Richtung offene See zeigt. So liegen wir wesentlich ruhiger und vielleicht sicherer. Und auch eine gute Übung für die weitere Route in Gebiete mit noch engeren Buchten war das schon. Nur die Landleinen fehlten.

Saco do Forno auf der Halbinsel Búzios heißt der Ort, in dem wir jetzt liegen. Traumhaft hier. So stellen wir uns unsere weitere Reise vor. Einsame Orte, keine Unmengen an anderen Yachten, keinen Lärm durch Motorboote und vor allem Natur pur. Noch am gestrigen Vormittag lagen wir in der Hauptbucht von Búzios. Neben uns unzählige Touristenboote, Motortaxis, die in 5 Meter Entfernung an uns vorbeirauschen und der verbaute Blick auf die Schönheit der Gegend. Klar, das Wasser ist dort ruhiger und wärmer, das Anlegen am Steg einfacher und die Infrastruktur des Ortes auch wesentlich besser. Aber das brauchten wir nur, um kurz zu Verproviantieren. Der Ort, in dem Brigitte Bardot sich wohl sehr häufig aufhielt, ist schon ganz nett. War mal ein Fischerdorf und hat sich etwas von seinem Charakter erhalten. Aber unverkennbar ist die Haupteinnahmequelle der Tourismus. Es gibt unzählige Hotels, Restaurants und auf Touristen ausgelegte Geschäfte. Derzeit ist Nebensaison, also alles erträglich und recht nett anzusehen. Wir bummelten etwas durch die Stadt, aßen leckeren frisch gefangenen Fisch (und Pizza für die Kinder) und kauften frisches Obst und Gemüse ein. Dann ging es am Nachmittag in oben genannte Saco do Forno.

Hier erholen wir uns jetzt etwas von den letzten drei Tagen auf See. Der Weg hierher war anfangs etwas mühsam. Schon nach einer Meile die erste Sonderaktion: An uns trieb eine Festmacherleine im Wasser vorbei. Also gleich MOB-Manöver gefahren und Leine mit dem Bootshaken an Bord geholt. Gerade in einem Nationalpark wie den Abrolhos muss so ein Teil ja nicht unbedingt im Meer schwimmen. Es stellte sich aber heraus, dass der Festmacher noch recht gut zu gebrauchen ist. Nur die ersten zwei Meter müssen weg, die restlichen 25 Meter sind top in Ordnung. Ok, mit ca. 3 cm Stärke etwas überdimensioniert für uns, aber ist vielleicht nicht schlecht, so ein Teil an Bord zu haben.

Hatten wir beim Ablegen auf den Abrolhos noch Wind aus Ost-Süd-Ost mit erträglicher Stärke, so drehte der Wind immer weiter Richtung Nordost und schwächte ab. Wir dümpelten bei 7-10 Knoten Wind mit 2-3, manchmal 4 Knoten Fahrt vor uns hin. Ein frustrierendes Erlebnis. Wenigstens war die See ruhig und alle konnten die Zeit an Bord gut nutzen. Es wurde Schule gemacht und viel gebastelt. Die Kinder ließen Leichtwinddrachen steigen. Und ständig begleiteten uns Wale. Sie tauchten meist in guter Entfernung auf, manchmal aber auch direkt neben unserem Boot. Besonders beeindruckend sind die Wale, wenn sie aus dem Wasser springen. Man hat das Gefühl, sie verharren ein paar Sekunden schwebend über dem Wasser bis sie dann mit einem riesigen Platsch ins Wasser zurück fallen. Einige Männchen machten durch Winken und Klatschen mit der Seitenflosse auf sich aufmerksam. Wir hatten das Gefühl, sie Grüßen uns oder Verabschieden uns beim Vorbeifahren. Zwei Tiere vergnügten sich auch direkt vor uns in unserem Fahrwasser. Natalya rief schon, wir müssten Kurs ändern und ausweichen. Thomas vertraute auf die Intelligenz der Tiere. Aber kann man sich da in der Paarungszeit sicher sein? Knapp bevor wir sie überfuhren, tauchten sie ruhig ab und verließen unser Fahrwasser.

Am zweiten Tag konnte der Skipper Natalya endlich überreden, den Gennaker zu setzen. Bei Leichtwind bietet sich das Segel natürlich an. Die Bergung ist aber nicht immer unproblematisch. Und dieses Mal war das Setzen das Problem. Auf der Überfahrt von Afrika nach Brasilien hatten wir uns ja einen Riss in das Segel gefahren und es schnell und ungeordnet bergen müssen. Es wurde jetzt repariert, aber wie sich herausstellte war es im Bergeschlauch noch ziemlich verwickelt. Beim Setzen war dann auch noch die Schot falsch durch den Block gefädelt, so dass wir über eine Stunde kämpfen mussten, um den Gennaker dann richtig stehen zu haben. Aber was für eine Wohltat das dann war, als wir wieder Fahrt machen konnten. Der Wind blies uns auf Raumwindkurs (also von schräg hinten) ohne Groß weiter nach Süden. Geborgen wurde das Segel dann kurz nach dem Abendessen. In der Nacht fahren wir dieses Segel nicht.

Der Weg um das Cabo Sâo Tomé war wegen der unzähligen Ölplattformen, Bohrschiffe und Tanker recht interessant. Außerdem frischte der Wind endlich auf. Mit teilweise fast 40 Knoten konnten wir ordentlich schnell und ohne Probleme bis nach Búzios segeln. Vorhergesagt waren übrigens Winde der Stärke 2 bis 3, zeitweise 4. Wir bekamen eine 8 auf die Nase. So viel zum Thema Wettervorhersage!

Gleich geht es wieder zum Baden an den Strand. Morgen legen wir ab. Nächster Stopp ist Praia do Forno am Cabo Frio.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 5. August 2015 von in Uncategorized.
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