SY Outer Rim – A Family's Sailing Adventure

Sailing across the world's oceans with four kids

Caravelas – das wahre Brasilien?

(Tag 432 – 7.769 sm)

Unser letzter Ankerplatz in Ilhéus ist weder romantisch noch ruhig. Daher verließen wir ihn ohne zu zögern, sobald das Wetterbericht günstig stand. Es hieß so schön: “Wind aus Nordost”, die Wirklichkeit überraschte uns mit einer sehr leichten Brise aus Südost. Wir dümpelten langsam vor uns hin, jede Welle hob das Boot hoch und senkte es wieder runter – eine wilde Schaukelei. Nach einigen Stunden Fahrt sahen wir die Umrisse von Ilhéus noch deutlich hinter uns und waren vom eigentlichen Ziel zwei Meilen weiter entfernt als beim Auslaufen – und wir hatten noch 200 Meilen vor uns!

Als Kompensation für das Leiden ertönte ein deutlich hörbarer Walblas in unmittelbarer Nähe, und weniger als 100 Meter hinter unserem Boot tauchte ein riesiger Rücken auf, gefolgt von einer elegant unter Wasser verschwindenden Fluke. Die Kamera wurde sofort geholt, aber leider viel zu spät. So bleibt dieser Buckelwal nur in Erinnerung.

Den ersten Kreuschlag beendete ein Fischer, der sein Netz ausgerechnet auf den Meter genau in unsere Bahn legen musste. Abfallen war keine Option, daher Wende zurück Richtung Land. Kurz bevor wir an der 100m-Tiefenlinie wieder wenden wollten, drehte plötzlich der Wind – erst auf Ost, dann auf Nordost wie vorhergesagt. Die Wende konnte unterbleiben – und das bis zu unserem Ziel. In der Nacht frischte der Wind auf und brachte uns mit anständiger Geschwindigkeit vorwärts. Die Kinder haben die Sache mit dem Kreuzen schon verstanden und fragen jetzt dauernd, ob wir in die “richtige Richtung” segeln.

Der nächste Segeltag verlief ganz entspannt, beim strahlenden Sonnenschein, tief blauem Wasser. Ab und zu sahen wir Wale in der Ferme springen. Die Kinder vergnügen sich mit kleinen Schiffchen, die mit 6 Knoten Geschwindigkeit munter hinter der Outer Rim durch die Wellen hüpfen.

Wir stellen fest, dass wir nicht mehr bei Tageslicht an Caravellas ankommen werden. Der Revierführer empfiehlt es bei Tageslicht anzulaufen. Außerdem zeigt die Seekarte Tiefen im ausgebaggerten Fahrwasser von 2,6 m an. Als wir am Eingang des Fahrwassers ankommen ist fallende Tide kurz vor Niedrigwasser. Das Einfahren in den flachen Kanal erscheint dem Skipper dann für zu gewagt. Deshalb warfen wir um drei Uhr nachts in der Bucht vor dem Fahrwasser unseren Anker. Schlimmer als in Ilhéus kann der Schwell kaum ein. Und tatsächlich schlafen wir recht gut, allerdings nur 3 Stunden für den Skipper.

Während die Kinder nach dem Frühstück entspannt ihre Bücher lasen, verlegte Thomas das Boot flussaufwärts nach Caravelas. Der Kanal stellte sich als tiefer heraus als kartographiert. Scheinbar wurde er ausgebaggert – aber das konnten wir ja vorher nicht wissen.

Nach Ankunft machten die Großen fleißig Schule, Arvid ging mit Thomas auf eine Entdeckungsreise, um rauszufinden, ob man für den Park ein Erlaubnis braucht. So steht es im Revierführer und hatten wir von anderen Seglern gehört. Einen Thriller mit Parkbesuch ohne Erlaubnis uns anschließender Landflucht haben wir ja bereits hinter uns (Guinea-Bissau), so sind wir in solchen Fragen besonders vorsichtig. Doch Arvid und Thomas kehren zurück mit dem Wissen, dass man hier tatsächlich keine Erlaubnis braucht. Das ist schön und wird noch von dem Erlebnis getoppt, welches die beiden mit den hilfsbereiten und freundlichen Menschen hier hatten. Eine Frau hat Thomas auf der Straße laufen sehen und ihn kurzerhand mitgenommen – von Station zu Station, mit den Leuten gesprochen, telefoniert und schließlich jemanden ausfindig gemacht, der auf Englisch Auskunft geben konnte. Und zum Schluss wurden Arvid und Thomas sogar bis zum Hafen zurück gefahren. Geld als Dank hat die Frau vehement abgelehnt.

Am Nachmittag erkundeten wir alle gemeinsam den kleinen Ort. Es ist ein anderes Brasilien – ohne Gitter und Elektrozäune. Die Fenster stehen offen, es wir nicht abgesperrt. Weit und breit kein bewaffneter Polizist oder ein um sein Eigentum besorgter Tourist zu sehen. Die Kirchen stehen allen Besuchern offen, keiner fürchtet um die goldenen Regalien. Die Einwohner sind den Fremden gegenüber sehr freundlich, offen und hilfsbereit. Sie strahlen auch Ruhe aus und wollen von Hetze und Stress nichts wissen.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 28. Juli 2015 von in Uncategorized.
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