SY Outer Rim – A Family's Sailing Adventure

Sailing across the world's oceans with four kids

Bolama – Abglanz längst vergangener Zeiten

(Tag 315 – 5.079 sm)

Nach einigen entspannten Tagen am Sandstand von Ilheus dos Porcos bekommen wir Lust auf etwas Neues und wollen nach Bolama, einer Insel etwas weiter nördlich. Bis jetzt wehte jeden Nachmittag eine frische Brise, heute aber ist das Meer wie gebügelt, es bewegt sich fast gar nichts. Wir müssen die ganze Strecke motoren. Es geht erst vorsichtig den Kanal an Porcos heraus, dann sehr entspannt in tieferem Wasser Richtung Bolama. Die SY Kalibu ist immer in Sichtweite – 100 bis 200m neben oder vor uns. Kurz vor der Einfahrt zur Stadt Bolama wird es etwas flacher und wir müssen vorsichtig navigieren. Dank der hier sehr detaillierten Seekarte und des Tiefensonars kommen wir aber sicher durch. In Sichtweite des Piers der Stadt Bolama fällt unser Anker gleich neben der Kalibu.

Nach der Abgeschiedenheit der kleinen unbewohnten Inseln wirkt die Stadt auf uns sehr laut. Es wird am Steg gequatscht, gerufen, gebellt und verladen. Der Dieselgenerator läuft einige Stunden am Abend, um die Stadt mit etwas Strom zu versorgen. In der Nacht wird scheinbar eine Party am Strand veranstaltet.

Am nächsten Morgen kommt eine große Pirogge mit Offiziellen zum Besuch. Papiere werden überprüft, es ist alles in Ordnung, und keiner verlangt ein Geschenk. Als wir einen der Männer am Steuerstand mit seinem Handy photographieren, freut er sich wie ein kleines Kind über das Bild.

Thomas und Arvid gehen zum Markt einkaufen und kommen frustriert zurück. Es gibt zwei Gemüsefrauen, die ihnen einen Weißkohl und drei Paprika verkauft haben. Mehr gibt es nicht. Am Nachmittag fahren wir noch alle gemeinsam an Land. Vielleicht ist es jetzt besser? Das Anlanden erweist sich als äußerst schweig. Eine große Schlammfläche liegt vor der Stadt, es ist Niedrigwasser. Die Kinder steigen trockenen Fußes an einer halb zerfallenen Treppe aus. Natalya und Thomas ziehen das Dinghy durch den Schlamm hoch. Ein freundlicher Mann bringt uns Wasser in einer Karaffe zum Füße waschen.

Die Stadt hinterlässt einen traurigen Eindruck. Vor 50 oder 60 Jahren war es noch die Hauptstadt von Guinea-Bissau, bis die Portugiesen den Regierungssitz nach Bissau verlegten. Seither wir die Stadt sich selbst überlassen und die ehemals prächtigen und repräsentativen Bauten bröckeln vor sich hin. Infrastruktur scheint es auch kaum zu geben. Vom Belag der Straßen ist nichts mehr vorhanden und Strom und Telefon gibt es nur sporadisch. Vor dem halb zerfallenen Betonpier stehen ein leerer Schwimmingpool und ein überdimensioniertes Monument aus vergangenen Zeiten. Entlang der breiten zu ihrer Bestzeit eindrucksvollen Straßen ducken sich wie ein Häufchen Elend ehemalige Villen und Paläste. Der Mercado Munizipal vermittelt den Eindruck: "Die Erde nach dem Ende der Welt und die daraus resultierende Lebensmittelknappheit". Gemüse ist am Nachmittag gar keines mehr zu kaufen.

Dafür kaufen wir bei einem sehr netten Araber einen einen Sack Mehl. Auch hier, wie in vielen Geschäften in Afrika basiert sich alles auf dem Vertrauen. Das Geld wird übergeben gegen ein Versprechen des Verkäufers, dass der Sack in 10 Minuten zum Steg geliefert wird. Dabei hat handelt es sich für die lokale Maßstäbe um eine ordentliche Summe Geld. Ein Junger, das kleiner ist als unsere Großen, transportiert den 50 kg schweren Sack mit einem Schubkarren zum Steg.

Unter dem überdimensionierten Monument setzen unsere Kinder ihren Langzeitprojekt fort und sammeln alle Kapokfrüchte, die sich kriegen können. Die Einheimische verstehen das gar nicht. Sie wissen mit Kapok nichts anzufangen und rufen immer wieder zu, es sei schlecht für die Augen die Früchte anzufassen.

2 Kommentare zu “Bolama – Abglanz längst vergangener Zeiten

  1. Christa Kullmann
    6. April 2015

    Frohe Ostern, eine gute Weiterreise und herzliche Grüsse
    aus dem verschneiten Icking von uns allen! Christa

    • Thomas
      7. April 2015

      Vielen Dank, Christa. Wir hoffen, Ihr hattet ein schönes Osterfest. Schnee klingt ja echt exotisch … wir haben seit sechs Monaten nicht einmal Regen gesehen. Zu Ostern brandte ein prächtiges Osterfeuer.
      Bis demnächst … wir kommen nach Icking.
      Liebe Grüße von der ganzen Crew

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 5. April 2015 von in Uncategorized.
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