SY Outer Rim – A Family's Sailing Adventure

Sailing across the world's oceans with four kids

Vergessenes Paradies am Rande Afrikas

(Tag 307 – 5.028 sm)

Wer hätte gedacht, dass es uns einmal nach Guinea-Bissau verschlagen wird. Vor ein paar Monaten hätten wir das Land nicht einmal treffsicher auf einer Landkarte finden können. Aber seit zwei uns seit den Kapverden bekannte Segler das erste Mal von den traumhaften Bijagos Inseln erzählten, liebäugelten wir mit diesem Segelrevier. Sie selbst träumen schon seit vielen Jahren davon, das Archipel zu besegeln aber immer wieder kam etwas dazwischen. Zahllose Regierungsumstürze, Bürgerkrieg und Drogengeschäfte haben das Land in eine No-Go-Area verwandelt und die Bevölkerung in die bittere Armut geführt. Seit den letzten Wahlen im Frühjahr 2014 besitzt das Land jedoch eine weitgehend stabile demokratische Regierung und es geht langsam bergauf.

Leider konnten wir keinen Segler ausfindig machen, der in den letzten Jahren hier gewesen ist. Navigatorisch stellen die Inseln auch eine Herausforderungen dar. Sehr starke Strömungen, mehrere Meter Tidenhub, wandernde Sandbänke, enge Kanäle und ungenaue Karten machen es einem Segler nicht einfach. Und trotzdem wagten wir es, hierher zu segeln.

Letzten Sonntag ließen wir am frühen Abend Banjul hinter uns und manövrierten das Boot zwischen unzähligen Fischernetzen und Fischerpirogen aus der Flussmündung auf die offene See. Eine leichte Brise brachte unser Boot langsam voran durch die teils glatte See. Nach Sonnenuntergang wurden die Kinder sanft in den Schlaf geschaukelt.

Am nächsten Morgen ging die Diskussion über die weitere Route los. Thomas hat geplant, dass wir einen Stopp vor Cabo Roxa machen. Das erschien für Natalya zu nah an die Grenze zu Casamance. Angeblich halten sich in dem Grenzgebiet die bewaffneten Rebellen auf, die schon seit Jahren einen Krieg für die Unabhängigkeit der Casamance von Senegal führen. Als nächster potentieller Zwischenstopp kam ein Ankerplatz in der River Cachu in Frage. Der erschien dem Skipper unnötig schwer in der Ansteuerung, so wurde die Möglichkeit auch gestrichen. So segelten wir weiter bis irgendwann der Tidenstrom im Mündungsgebiet des Geba so stark wurde, dass wir kaum mehr vorwärtskamen. Wir ankerten am Flussufer bis die Strömung wieder drehte. Nach knappen vier Stunden Ruhe wurde kurz nach 2 Uhr der Anker gelichtet.

Gegen Mittag kamen wir in die Kanäle um die Bijagos Inseln. An manchen Stellen kamen frisch gewaschene Sandbänke zur Vorschau, an anderen sprudelte das Wasser so stark, dass sich riesige Strudel bildeten. In einen dieser Strudel wurde auch die Outer Rim eingezogen. Unser knapp 30 Tonnen schweres Boot wurde vom Wasser wie ein Speilzeugschiffchen gedreht, plötzlich gab es keine Ruderwirkung mehr. Es dauerte einige Sekunden bis der Skipper wieder die Kontrolle über das Boot bekommen hat. Gleichzeit ging die Wassertiefe um gut 10 Meter zurück, so dass der Adrenalinspiegel deutlich anstieg.

Am frühen Nachmittag kamen wir nach zwei schönen Segeltagen zu der Insel Bubaque und warfen den Anker. Es war das erste mal, dass wir unsere 100 Meter Kette voll ausgebracht haben.

Der nächste Zug hieß Einklarieren. In Guinea-Bissau gibt es keinen allgemeingültige Regeln für den Vorgang. Jeder macht was er will, und es ist auch eine Verhandlungssache wie viel man dafür zahlt. Die erste Nachricht war positiv – wir müssen nicht nach Bissau, Einklarieren ist auch hier in Bubaque möglich. Die zweite Nachricht klang weniger schön – wir sind hier alle korrupt, und für jeden Schritt wollen wir Geld haben. Die erste Geldforderung für das Einklarieren erschien Thomas deutlich zu hoch. Nach einer hitzigen Diskussion und zähen Verhandlungen ging der Preis letztlich dann doch deutlich runter. Nach einem Besuch der "Kontrolleure" an Bord durften wir unsere Quarantäneflagge herunter nehmen.

Die Outer Rim liegt in türkisblauem Wasser zwischen zwei Inseln – Rubane und Bubaque. Die weißen Sandstrände rings herum sind von Palmen gesäumt. An manchen Stellen übernehmen die Mangroven die Herrschaft und verdrängen alle andere Pflanzen vom Ufer. Die Einheimischen sind freundlich, aber sehr zurückhaltend. Wir sind froh, dass uns hier keine Menschentraube oder Kinderhorde hinterher läuft. Die Häuser auf Bubaque sehen für afrikanische Verhältnisse ganz ordentlich aus. Vor manchen sind hinter den Palisaden aus den Glasflaschen Blumen gepflanzt.

Bald stellt sich jedoch heraus, woher die ganzen Flaschen kommen. Schon am frühen Nachmittag verströmen manche Männer einen starken Alkoholgeruch. Da alle afrikanische Länder auf unserem bisherigen Weg stark muslimisch geprägt waren und Alkohol nicht oder kaum zu kaufen war, ist das eine neue Erfahrung für uns.

Auf der Straße spielen Franka und Vsevolod Kicker mit den einheimischen Kindern und wollen gar nicht weiter gehen. Andere Kinder spielen Fußball und wippen auf einer großen Wippe – einem riesigen Zweig, der von einem Baum herunterhängt. Insgesamt machen die Kinder hier einen glücklichen und zufriedenen Eindruck und versuchen im Gegensatz zu Gambia nicht vom weißen Mann einen Ball oder sonst was zu erbetteln. Als unsere Kinder am Strand spielen und ein verzweigtes System an Kanälen bauen, beobachten ein paar dunkelhäutige Jungs mit großem Interesse ihre Arbeit. Erst nach langer Zeit trauen sie sich näher und möchten auch mitspielen. Wie schade, dass keiner von uns portugiesisch kann.

Seit gestern liegt die SY Kalibu neben uns vor Anker. Es freut natürlich alle, dass wir nun die Schönheit der Bijagos Inseln gemeinsam mit unseren Freunden erleben dürfen. Heute ging es schon mit allen sechs Kindern zusammen auf die Insel Rubane zu einer Erkundungstour. Mehrere Stunden stiefelten wir durch dichte Wälder und Palmenhaine. Das Highlight war natürlich das anschließende Bad im klaren Wasser am Sandstrand.

Mit 77 Inseln hat das Archipel viel Abwechslung zu bieten. Wir haben also noch viel vor uns, bevor es dann weiter nach Brasilien geht.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 23. März 2015 von in Uncategorized.
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