(Tag 180)
Ein Bericht von Vsevolod:
Wir liegen in der Bucht von Mindelo vor Anker. Ich bewege mich sehr gerne, und manchmal ist das auf dem Boot schwierig. Wir machen zwar ab und zu eine Kissenschlacht, aber so richtig austoben kann ich erst am Land. Deswegen war ich sehr froh, dass mich zwei Jungs, die hier wohnen, zum Kindersport eingeladen haben. Sie machen Capoeira, das ist eine brasilianische Kampfkunst. Bevor es richtig losging, übten die Großen Radschlagen oder Handstand, die Kleinen spielten Fangen. Dann machten wir erstmals Streckübungen und setzten uns danach zu einem Kreis zusammen. Zwei Trommeln, zwei Glöckchen und ein Instrument, das wie eine Riesengeige aussah und nur eine Seite hatte, legten los und brachten uns in die Kampfstimmung. Aus dem Kreis standen Kinder paarwiese auf und kämpften spielerisch gegeneinander. Ich kämpfte mit einem kleinen Mädchen, und dabei war ich so aufgeregt, dass ich den Grundschritt vergaß. Diesen Tag fand ich super toll.
Das nächste Mal trafen wir uns für Capoeira in einem Park. Es war schon dunkel, und der Musikrhythmus sorgte für eine tolle Stimmung. Dieses Mal waren auch Erwachsene dabei, und sie verschafften beim Kämpfen so ein Gewirbel von Füßen, dass man nur schwer unterscheiden konnte, wem welche Füße gehören. Sie schlugen Räder und Saltos um Angriffen zu entkommen und verpassten dem Gegner einen Tritt im Vorbeifliegen. Dabei wurde kein einziges Mal richtig zugeschlagen, bei Capoeira kämpft man ohne den Gegner zu berühren. Die Kämpfe waren so interessant, dass viele Fußgänger anhielten und wie gefesselt zuschauten. Ich war dieser Sport ganz toll und würde gerne mehr davon machen.