SY Outer Rim – A Family's Sailing Adventure

Sailing across the world's oceans with four kids

Flussaufwärts bis Janjanbureh

(Tag 269 – 4.661 sm)

Nach 156 Meilen war Schluss … eine bei Janjanbureh quer über den Gambiafluss gespannte Stromleitung versperrt uns den Weg. Die 290 km hierher waren wirklich beeindruckend. Das Land und der Fluss haben so viel zu bieten. Wie haben viele freundliche und aufgeschlossene Menschen kennen gelernt, ursprüngliche Dörfer besucht, wilde Tiere gesehen und die tolle Natur am Süßwasser hautnah erlebt. Bei ausreichend Wassertiefe ist die Outer Rim stets ohne Probleme vorwärts gekommen und hat uns den Besuch dieses schönen Landes auf eine eindrückliche Weise ermöglicht. Jetzt werden wir in den nächsten Tagen wieder gemächlich zurück nach Banjul fahren bzw. segeln.

Den Fluss hinauf ging es meist mit Motor … ja, beeindruckende 9 der 156 Meilen waren wir mit Segel unterwegs. Egal wie der Fluss sich windet, der Wind bläst beim Aufwärtsfahren immer genau von vorne. Man kann da zwar kreuzen, also im Zick-Zack gegen den Wind segeln, aber das dauert lange und ist unangenehm für die Crew. Mit abnehmender Breite und Tiefe des Flusses war uns das Risiko zu groß. So haben die Kinder meist unter Deck Schule gemacht, während Thomas die Outer Rim durch den Fluss steuerte.

Der untere Teil des Flusses (so ca. 80-90 Meilen) ist ziemlich breit und stark vom Salzwasser geprägt, die Ufer dicht von Mangroven bewachsen. Das Fischreichtum lockt viele Vögel wie Reiher und Eisvögel an. Das kannten wir schon aus Senegal. Daher haben wir uns entschieden, diesen Teil des Flusses relativ zügig hochzufahren. Mit Unterstützung der Tide, ging das auch relativ flott. Generell waren wir von den Strömungen hier überrascht. Der Tidenhub ist in Meeresnähe ca. 1,5m und ist auch in Janjanbureh mit ca. 0,75m noch deutlich spürbar. Das Wasser schwappt bis viel weiter oben noch massiv hin und her mit Strömungen von bis zu 3,5 Knoten. Flussaufwärts fährt man dadurch mit einem Schiebestrom von 1 bis 2 Knoten und stets mit dem hineinschwappenden Flutberg. Das trägt schon ziemlich weit. Man muss allerdings bei der Tagesplanung immer die Tide berücksichtigen. Da diese natürlich an jedem Ort des Flusses anders ist (der Flutberg braucht knapp 12 Stunden bis Janjanbureh), heißt es stets, das man die Wasserstände anhand des Uferbewuchses und die Strömung anhand der Schiffsausrichtung ermittelt und dann für den nächsten Tag hochrechnet. Zum Leidwesen der Crew musste Thomas auch manchmal früh am Morgen ablegen.

Nach unserem ersten längeren Aufenthalt in Bombale ging es weiter mit Stationen an der Seahorse Island und Kau-Ur, wo wir uns gut verproviantieren konnten. "Gut" ist hier allerdings relativ zu sehen. Februar ist in der Mitte der Trockenzeit. Dadurch ist das Angebot an frischem Gemüse und Obst extrem dürftig. Auberginen und Schnittlauch scheint es immer zu geben. Auch kleine scharfe Paprika werden reichlich angeboten. Damit ist es dann aber meist schon aus. Wenn man Glück hat, bekommt ein paar Mini-Tomaten oder ein paar Karotten. Manchmal findet man auch eine Art weiße Tomate, die bitter schmeckt (den Namen dafür haben wir nicht rausgefunden). Mittlerweile kaufen wir auch ab und zu Blätter der Süßkartoffel, die ähnlich wie Spinat schmecken. Insofern waren wir mit dem Angebot in Kau-Ur schon recht zufrieden, gab es dort schließlich auch echte (importierte) Kartoffeln und auch ein paar frische Tomaten. Mit viel Vorfreude schleppten wir die Beute an Bord und genossen am Abend einen schönen Tomatensalat im Cockpit. Bratkartoffeln werden in Afrika auch zu einer Delikatesse. Ansonsten bot der Ort nichts weiter Sehenswertes.

Weiter ging es nach Kudang Tenda, einem kleinen Fischerdorf. Eigentlich wollten wir da gar nicht Halt machen und ankerten 2 Meilen davor. Da wir wissen, dass man in solchen Orten keinen Schritt ohne eine Begleitmannschaft von 100 Kindern und einem Dutzend Erwachsener machen kann, wollten wir eine kleine Verschnaufpause. Da haben wir aber die Rechnung ohne die Hartnäckigkeit der Einheimischen gemacht. Die sind natürlich mit ihren Einbäumen bei uns vorbeigepaddelt und haben uns herzlich in das Dorf eingeladen. Außerdem haben sie uns mit Berichten von den Flusspferden in der Gegend den Mund wässrig gemacht … die wollten wir sehen. Also haben wir kurzerhand vor das Dorf verlegt und sind zu einem Besuch an Land gegangen. Darüber haben Franka und Vsevolod ja schon berichtet. Proviant gab es hier übrigens keinen, nicht einmal ein Stückchen Brot.

Nachdem wir nun wussten, wo die Flusspferde wohnen, haben wir die Outer Rim gleich dorthin verlegt und geankert. Das war nicht gerade leicht, da die Wassertiefe selbst bei Hochwasser nur so in etwa 1 m mehr als unser Tiefgang war. An der Stelle, wo wir dann unseren Anker warfen, hatten wir bei Niedrigwasser lt. Tiefenmesser 0,0 m unter Kiel – wir saßen also auf. Ist aber kein Problem bei dem Schlick und Sand hier. Nett war es dann tagsüber Flusspferde immer wieder auftauchen zu sehen und am Abend und in der Nacht über enorme Distanzen brüllen zu hören.

Im nächsten größeren Ort, Kuntaur, haben bunkerten wir Wasser. Im Flusswasser funktioniert unser Wassermacher nicht. "Wassermacher" ist natürlich nicht ganz richtig. Eigentlich entsalzt das Gerät über Umkehrosmose Meerwasser und liefert sauberstes Trinkwasser. Wenn man aber kein Meerwasser hat und stattdessen in einem sedimentreichen Flusswasser fährt, dann ist ein solches Gerät nutzlos und sogar hinderlich, da man sich dann umso mehr darum kümmern muss, dass das Gerät durch die lange Arbeitspause keinen Schaden davon trägt. Jedenfalls fanden wir in Kuntaur sehr sauberes Trinkwasser, welches wir dann mit unseren fünf 20 Liter Kanistern schrittweise an Bord brachten. Insgesamt musste Thomas vier Mal an Land bis der Tank voll war. Ein netter Einheimischer half dabei und bekam ein paar Dalasi als Entlohnung. Was für eine Wohltat nach zwei Wochen endlich wieder duschen und Wäsche waschen zu können!

Die ganzen Lagerhallen von Kuntaur stehen leer. Die Stadt verfügt zwar über Elektrizität, die wird aber nur zur bestimmten Stunden angeschaltet. Eine Gewindestange ging bei uns zu Bruch und musste geschweißt werden. Der Handwerker musste bis 6 Uhr abends warten – ohne Strom geht kein Schweißen. Außerdem fragt er Thomas, ob er auch eine Säge dabei hat. Er selbst besitzt keine. Dabei repariert er alles – bis zu Eselgespannen und Traktoren. Man fragt sich nur wie… Im Laufe des Gesprächs bekommen wir noch eine Illustration dazu, warum die zustände in Afrika so gravierend sind. Er erzählt uns eine Geschichte, dass die Bauern sich bei der Regierung beschwerten, dass ihre mühsam erarbeitete Ernte von den Schädlingen gefressen wird, da sie keine Lagerungsmöglichkeiten haben. Die Regierung veranlasst die Herstellung der Behälter aus einem Spezialstoff – made in Italy. Die für das Projekt vorgesehene Mittel versickern. Die Behälter bleiben unvollendet und unbrauchbar unter der gnadenlosen afrikanischen Sonne stehen. Uns fällt auch auf, dass viele Kinder hier englisch können. Von unserem Begleiter erfahren wir, dass es daran liegt, dass Engländer hier im Dorf ein… Madrasa gesponsert haben.

In der Nähe von Kuntaur gibt es die Steinkreise von Wassu. Das sind megalithische Steinkonstruktionen, die wohl ca. 1.300 Jahre alt sind und vermutlich Gräber darstellen. so genau weiß man das nicht. Jedenfalls hatten wir eine schöne Wanderung am Morgen dorthin und waren beeindruckt von der Größe der aufgereihten Steine. Als unsere Kinder gehört haben, dass man einen Stein auf einen Megalith legen sollte, damit ein Wunsch in Erfüllung geht, legt jedes Kind gleich mehrere darauf. Die Steine gehören zum UNESCO-Weltkulturerbe, dazu passt der Brauch und das um sie herum angelegter Gemüsegarten nicht wirklich, aber hier gelten andere Regeln als in einem deutschen Museum. "Nicht anfassen" hat sich noch nicht eingebürgert. Für die Kinder wieder am spannensten: Zurück nach Kuntaur ging es mit einem Eselkarren. Der ehrgeiziger Fahrer hat sich dann auch noch mit einem Pferdegespann ein Rennen geliefert, was zur Erheiterung aller Beteiligten beigetragen hat … nur wohl nicht des armen Esels.

Ein Highlight im oberen Gambiafluss ist der Nationalpark um die Baboon Islands herum. Das sind vier Inseln, die nicht betreten werden dürfen. Auf den Inseln wächst ungestört ein dichter Wald, in dem unterschiedliche Tiere ihr Zuhause haben. Darunter sind neben Pavianen auch fünf Schimpansen-Familien. Diese Tiere waren bis vor ca. 100 Jahren in Gambia heimisch und wurden dann ausgerottet. Nun gibt man ihnen auf diesen vier Inseln wieder Ruhe und Schutz. Jeden Abend werden sie gefüttert und wissen das natürlich und warten darauf. Auf Anfrage bei den Park-Rangern durften wir bei ihnen mitfahren und konnten so die Menschenaffen aus direkter Nähe sehen. Sie saßen alle wartend in den Bäumen und Büschen am Ufer und sahen frustriert zu uns rüber. Sie hatten ehr leckere Früchte zum Abendessen als weiße Touristen erwartet. Für uns war es auf jeden Fall ein schönes Erlebnis.

Geankert wurde im Süden der Insel. Das ist zwar nicht ganz legal, wurde dann von den Rangern doch noch geduldet. Es hilft immer, ein kleines Kind im Arm zu halten. Den Platz hatten wir uns auch bewusst ausgesucht, gibt es dort ja Krokodile, Flusspferde und hunderte Pelikane. Tatsächlich sahen wir mehrere Krokodile durchs Wasser pirschen … da ist kaum eine Bewegung zu sehen. Steif wie ein Stock treiben sie auf ihre Beute zu. Wir haben nicht gesehen, ob sie etwas erwischt haben, aber beeindruckend war der Anblick schon. Und noch mehr die Flusspferde. Natalya hat ja verordnet, dass keiner der Kinder die Outer Rim verlässt. Zu sehr lagen ihr die Geschichten von durch Flusspferde umgeworfene Boote in den Ohren. Also hat sich Thomas alleine mit dem Dinghy auf den Weg gemacht, um die Hippos zu finden. Und tatsächlich gab es eine kleine Gruppe, die sich im Abendlich im Wasser vergnügte. In einigem Abstand ging der Motor des Schlauchbootes aus und Thomas beobachtete die Gruppe. Die Tiere kamen immer näher. Als dann eines der Tiere weniger als 10 Meter vom Boot entfernt auftauchte, nahm auch Thomas Reißaus. Man weiß ja nie, was den Tieren so einfällt. In der Nacht hörten wir sie munter im Wasser plantschen und teilweise lautstark miteinander diskutieren oder streiten. Die Fischer mit ihren Einbäumen lassen sich davon nicht beeindrucken und fahren in der Nacht mit einer kleinen Taschenlampe mit ihren Netzen durch den Fluss.

Ein paar Meilen weiter lagen wir im Norden der Insel Kai-Ai. Schon bei Ankunft fielen uns die westafrikanischen Stummelaffen in den Bäumen am Ufer auf. Die schienen da wirklich zu Hause zu sein. Jedenfalls kamen sie immer wieder in die Bäume neben uns und zeigten uns ihre Kunststücke indem Sie von Ast zu Ast sprangen und in die höchsten Wipfel kletterten. Thomas gelang es bei einem Spaziergang sogar, eine Horde von mehr als 50 Pavianen zu sehen und im Wald zu verfolgen. Die Felder bestehen in der Trockenzeit aus großen unregelmäßigen Pflastersteinen. Die Erde ist so trocken, dass nicht mal Unkraut wachsen kann.

Als letzten Ort unserer Flussfahrt steuerten wir Janjanbureh an, eine zu Kolonialzeiten wichtige Stadt mit Geschichte. So gab es dort einen Zufluchtsort für entlaufene Sklaven und ein Zwischenlager für Sklaven, bevor sie flussabwärts verschifft wurden. Die ganze Stadt wird langsam aber sicher von Afrika verschluckt. Ehemalige Kolonialbauten zerfallen, Teerstraßen ihrer Teerdecke entledigt, dürftiges Warenangebot auf dem Markt und viele ‚"Helfer" auf den Straßen. Natürlich waren alle sehr nett, aber man merkte schon etwas den Frust und die Perspektivlosigkeit der Menschen in dem Ort. Weiße werden als willkommene Geldquelle gesehen. Das ist verständlich, ist aber nervig auf Dauer. Die Kinder versuchen es immer wieder, ob der große weißer Mann ihnen doch vielleicht einen Ball schenkt, und wenn nicht den Ball, dann vielleicht doch ein Heft, oder ein Stift.

Wir hatten aber trotzdem einen schönen Aufenthalt in dem kleinen Ort. Ein Spaziergang durch die Straßen, Einkaufen auf dem Markt und insbesondere eine Wanderung durch die Wälder am Ufer waren sehr schön. Es war eine schöne Abrundung unserer Fahrt flussaufwärts. Jetzt geht es in Etappen wieder zurück nach Banjul.

Auf dem Rückweg treffen wir das litauische Boot, das wir schon aus dem Banjul kennen. Ihre Leistung beeindruckt uns sehr. Sie haben ohne Motor, ohne Strom – das heißt auch ohne Echolot – fast in die gleiche Zeit bis hierher hoch gesegelt. Wir verbringen einen angenehmen Abend im Cockpit und genießen gemeinsam die letzten Dosen von kaltem Bier.

Bilder müssen wir euch erst mal schuldig bleiben … die Internet-Verbindung lässt gerade keine Upload von Bilder zu.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 15. Februar 2015 von in Uncategorized.
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