SY Outer Rim – A Family's Sailing Adventure

Sailing across the world's oceans with four kids

Zwei Wochen im Dschungel von Dakar

(Tag 227 – 4.315 sm)

Wegen Krankheit sind wir euch bisher unseren Bericht über Dakar schuldig geblieben. Den wollen wir jetzt erst mal einschieben – auch wenn wir schon ein paar Meilen südlicher sind.

Aber der Reihe nach. Vor gut zwei Wochen haben wir die Kapverdischen Inseln Richtung Osten verlassen. Es hat uns wirklich gut gefallen auf den Inseln, und wir haben viele schöne und eindrucksvolle Erlebnisse gehabt, aber es war nach knapp zwei Monaten dann doch Zeit für uns, ein neues Ziel anzusteuern. Leider lässt der Wettergott fast beständig einen mehr oder weniger starken Wind aus fast der Richtung unseres Ziel blasen. Darauf hatten wir uns schon eingestellt. Dass dieses Mal auch noch ordentlich Welle dazukam, war nicht wirklich gewünscht. Aber wir wollten Weihnachten nicht auf See verbringen. Daher ging es fünf Tage vor Weihnachten am späteren Nachmittag los.

Als erstes hieß es erst Mal Richtung Norden hart am Wind möglichst weit nördlich zu kommen. Im Osten lag die Insel Maio im Weg, um die wir natürlich herum mussten. Nur mit Fock und stark gerefftem Groß ging es durch die Wellen. Mehr als 4-5 Knoten Fahrt konnten wir nicht machen. War etwas frustrierend, aber mussten wir hinnehmen. Die Alternative war, weiter abzufallen und dann aber deutlich weiter im Süden anzukommen. Das wollten wir dann doch nicht.

Letztlich ging es in knapp drei Tagen fast immer mit 20° bis 30° (in Spitzen 35°) nach Steuerbord krängend dem Ziel Dakar entgegen. Die Wellen kamen deutlich über das Schiff und wuschen den Staub, den wir aus der Luft aufsammelten wieder weg. Nur die Segel und Aufbauten hatten bei Ankunft eine dicke rote Dreckschicht. Und 100 Meilen vor Dakar drehte dann plötzlich auch auf nördlichere Richtungen so dass wir letztlich fast ohne Motor in Dakar ankamen.

Schöne Episode kurz vor Ankunft: Wir fahren wie vorgeschrieben im Osten an der Insel Goree vorbei (der Westen ist für Privatboote gesperrt) und plötzlich läuft ein Polizeiboot aus dem kleinen Hafen im Norden der Insel aus. Wir grüßen natürlich freundlich zurück, als die Polizisten uns zuwinken. Nur war das Winken die Aufforderung, dass wir Längsseits kommen. Als wir das dann verstehen, stoppen wir natürlich auf und legen uns neben das Polizeiboot. Einer der Besatzung begrüßt uns und macht uns erst mal freundlich darauf aufmerksam, dass man hier doch Französisch zu sprechen hätte … wir sprechen nur Bruchstücke. Nun, das war dann doch kein Hindernis, dass er an Bord kam und unsere Daten – Herkunft, Fahrtstrecke, Ziele etc. – aufnahm. Währenddessen trieben wir über Leinen mit dem Polizeiboot verbunden durch die Bucht von Dakar. Dann verabschiedete er sich wieder sehr freundlich und wünschte uns einen schönen Aufenthalt. Alles ohne Stress.

Die nächsten Tage hieß es dann Eintauchen in den Dschungel von Dakar. Woran denkt ihr, wenn das Wort Afrika fällt? Große Raubtiere? Krokodile? Gefährliche Krankheiten? Das erste, was einen trifft, noch lange bevor man die Küste erreicht, ist weder ein Krokodil noch eine Malariamücke. Das ist Müll, schon einige Meilen vor der Küste im Wasser auffällt, und dann immer mehr wird… Der Strand an unserer Ankerbucht war sicher einmal wunderschön und strahlend weiß. Die Stadt verwandelte ihn in eine übel riechende Müllkippe, übersät mit Plastik, Tier- und Fischkadavern und anderen nicht mehr identifizierbaren Resten der Zivilisation. Gut, dass Photos keinen Geruch übertragen können.

Hat man den ersten Schock überwunden, begibt man sich auf die Suche nach einem Taxi um die Stadt zu entdecken. Da wartet schon die nächste Entdeckung – hier gelten ganz andere Staßenverkehrsregeln als in Europa. Wer frecher ist, darf als erster fahren. Parken darf man überall. Alles was noch Räder hat darf fahren. Es wurden vielerorts zwar Gehsteige vorgesehen, sie wurden aber zu Parkplätzen umfunktioniert. Den Fußgängern bleibt nichts anderes übrig als auf den Straßen zwischen den fahrenden Autos zu manövrieren.

Hat man sich in einem Taxi bis zu der Innenstadt durchgekämpft, stellt man fest, dass es keine Innenstadt gibt. Keine alten Kolonialhäusern, keine Fußgängerzone, keine Einkaufsstraße. Gebaut wird gerade da, wo noch Platz ist. Ein Haus hat man nicht fertig bekommen, das nächste bröckelt schon ab. Wenn die Straße für zwei Autos und einen halben Fußgänger zu breit ist, wird sie von Verkäufern belegt. Straßenverkäufer bieten alles – von Erdnüssen bis Büroanzügen. Dakar ist ein perfektes Beispiel für das Versagen der Verwaltung auf allen Ebenen. Es ist ein absolutes sich selbst organisierendes Chaos.

Umso überraschender ist die Erfahrung, wie nett und geduldig seine Bewohner sind. Die Autofahrer drängeln und schneiden, es fällt dabei kein Schimpfwort. Fischverkäufer fragen zum zehnten Mal, ob man doch vielleicht einen Fisch kaufen möchte, bleiben aber auch bei jedem Nein gelassen und probieren erneut. Mitten auf den zugemüllten Straßen tragen Frauen prächtige bodenlange Kleider. Keine Schleier, keine Burkas – sondern taliert, am Rücken tief ausgeschnitten. Jeden Abend hören wir von unserem Boot stundenlange fröhliche Gesänge.

Dakar ist alles andere als schön, aber durchaus interessant. Eine prägende Erfahrung ist auch, dass es hier für nichts einen ausgeschriebenen Preis gibt. Alles und jedes muss verhandelt werden. Das fängt beim Taxi an. Taxameter gibt es nicht. Es wir Fahrtroute genannt und dann diskutiert man den Preis, bis beide zufrieden sind. Natürlich heißt das dann manchmal, dass mit drei oder vier Taxifahrern verhandelt werden will, da keiner bereit ist, den richtigen Preis zu akzeptieren. Und wenn man den richtigen Preis für eine Ware nicht kennt, dann zahlt man hier immer das Doppelte. Die ersten beiden Tage macht das ja noch Spaß, aber mit der Zeit wurden wir echt müde. Ständig feilschen und handeln … Taxi, Lebensmittel, Sylvesterraketen, Kopien, Werkzeug etc.

Und dann wird einem ja auch ständig irgendwas Nutzloses in einer ehr aufdringlichen Art angeboten … T-Shirts, Schmuck, Uhren, Sonnenbrillen. Scheinbar waren die Kinder meist ein Schutz vor zu vielen aufdringlichen Verkäufern. Aber als Thomas einmal alleine in der Stadt unterwegs war, hatte er manchmal fünf oder mehr Verkäufer um sich herum, die teilweise in herzerweichender Art und Weise ihre Waren anboten … „ich muss unbedingt was verkaufen. Habe keine Milch für mein Baby“ etc.

Die Krönung war dann noch ein Taschendieb, der Thomas doch tatsächlich an die Wäsche ist. Mit einer unglaublichen Geschicklichkeit hat er sich von der Seite herangemacht, hat sich heruntergebeugt und Thomas in die Wade gekniffen. Dabei hatte er schon die andere Hand in der Hosentasche und fingerte nach Geld. Glücklicherweise versteht ja Thomas kein Französisch, so dass er nicht durch die wohl vorher ausgesprochene Warnung von einer Spinne oder ähnlichem Getier abgelenkt war. Mit einem Stoß in die Seite konnte der Dieb dann gegen ein Auto geschleudert werden und das Geld war sicher. Was für ein Erlebnis.

Natürlich gab es viele positive Erlebnisse in Dakar. Natalya hatte ihre Freude an den vielen Stoffen auf dem Textilmarkt. Dort hat sie sich auch ein landestypisches Kleid und einen Hosenanzug schneidern lassen. Stoffe gibt es da in allen Qualitäten, Farben und Mustern und Schneider gleich an jeder Ecke. Die produzieren auf alten Pfaff-Industrie-Nähmaschinen aus Deutschland wahre Wunderwerke innerhalb kürzester Zeit. Natalya ist total begeistert.

Und auch der Besuch des afrikanischen Kunstmuseums und die schönen Abende im Segelclub sind uns sehr positiv in Erinnerung geblieben. Es wurde hier mehrmals ein Partyabend organisiert, an dem dann auch alle Mitarbeiter und Locals teilnahmen. Sehr entspannt und offenherzig.

Gestern ging es für uns zum Saloum-Fluss. Von dort gibt es dann in ein paar Tagen einen Bericht.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 3. Januar 2015 von in Uncategorized.
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